182 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 22.
modelliren, Alles machen, was Sie nur wollen, nach jenen kann ich es nicht!“
Worin beruht nun aber das Geheimniss, der Character der schönen, künstlerischen Beleuchtung?! Die Antwort ist:„In der Einheitlichkeit der Lichter.“ Ist nur eine Lichtquelle benutzt wor- den, so muss man dem Bilde genau ansehen können, wo sie lag, wurden vielleicht in anderen Fällen zwei, in seltenen Fällen sogar mehrere verwendet, so muss die Wirkung jeder einzelnen Lichtquelle für sich, ebenso die Richtung, wo sie lagen, ersichtlich sein; nie darf ein Bild aussehen, als habe sich das Modell in einem Licht- meere befunden, als sei es von dem Lichte umspült, denn solches wirkt unruhig und Ruhe ist der erste Characterzug Kkünstlerischer Beleuchtung.
Eben die Verwendung zu breiter Lichtmassen ist es, welche die Photographie im allgemeinen dem Künstler gegenüber lächerlich er- scheinen lässt. Die Spitze eines zierlichen Offizierhelmes, besonders wenn sie, wie meist, nicht ganz scharf ist, sieht gewöhnlich aus, als steckte sie in einem Futteral. Solche und ähnliche Verzerrungen sind freilich, wie uns die Gelehrten sagen, Ursache einer Divergenz der auf solche convexe Gegenstände geworfenen reflectirten Strahlen. Aber müssen denn die Gegenstände geradezu glänzen, um so zu wirken? Thut denn solches nicht auch der dunkelste matte Gegen- stand? Um wie viel mehr muss dies denn ein hellfarbiges Kleid, ein Gesicht, ein Arm, das glänzende Kopfhaar thun!! Wohl wird besonders von matten Gegenständen ein beträchtlicher Theil des auffallenden Lichtes verschluckt, aber doch nicht alles, desbalb schränke man die Lichtquellen ein und suche Einheitlichkeit zu erzielen. Bei einheitlichem Licht sind selbst gröbere Unschärfen glänzender Gegenstände kaum störend.
Seit einigen Jahren bemerkt man eine weitere Verirrung bei der Beleuchtung, diesmal ist dieselbe sehr eigener Art, eigener Art des- halb, als es eine Nachäffung der Verirrung von Künstlern ist, was als Entschuldigung dafür angeführt sein möge. Es characterisirt sich dieselbe wie folgt:
Bekanntlich besitzen die antiken Marmorsculpturen einen ihnen eigenen durchgeistigten Gesichtsausdruck, welcher sich durch ein eigenthümliches Vertieftsein der Augenhöhlen characterisirt. Als nämlich die griechischen Meister ihre Marmorfiguren schufen, be- merkten sie, dass, wenn sie die Augenhöhlung, genau nach der Natur abgemessen, meisselten, der Ausdruck der Augen eine sehr unnatür- liche, unschöne Flachheit erhielt, welche durch das Durchscheinen des Marmors bedingt war. Es zwang sie also gewissermaassen das Rohmaterial von der natürlichen Gestalt abzuweichen, um natürliches Aussehen zu gewinnen. Spätere Künstler, selbst noch Griechen, machten dies nach, übertrugen aber aus Unkenntniss diese Ver- tiefung der Augenhöblen auch auf Kunstwerke aus anderem Materiak, wie Bronce, Gyps etc.; es ist auch erklärlich, dass die Abgüsse der marmornen Antiken dieselbe falsche Wirkung der Augenhöhlen zeigen müssen, weil eben der Gyps das Durchscheinende des Mar- mors nicht besitzt. Viele Künstler, in höchst übertriebener Weise manche Photographen, glaubten etwas Ausgezeichnetes zu machen,
Iſbes Varel.
Jpar: Ahr Ro (bistes
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