Nr. 22. Deutsche Photographen-Zeitung 1889. 179
Deutscher Photographen-Verein.
Zur XVIII. Wanderversammlung.
Mit Bezug auf das beifolgende Rundsebreiben bitte ich um recht zeitige Anmeldung derjenigen Firmen, welche im Weimar aus- zustellen beabsichtigen, damit für ausreichenden Platz gesorgt wer- den kann.
Ingleichen erscheint es angebracht, wenn die verehrlichen Be- sucher der XVIII Wanderversammlung sich frühzeitig melden, um in den hiesigen Gasthöfen Plätze belegen zu können.
Weimar, den 27. Mai 1889.
K. Schwier.
Für die Weimar-Stiftung der Firma Dr. Kurz in Wernige- rode sind zu Preisrichtern erwählt:
Vom Stifter: Herr Hofphotograph W. Zink-Gotha, „ Vorstand„„ Edm. Risse-Berlin.
Wodurch ellaracterisirt sich die künstlerische Beleuchtung?
Bekanntlich ist der Zweck der Beleuchtung in erster Linie, ein Modell bei seiner bildlichen Darstellung in jedem seiner Theile klar und deutlich wiederzugeben. Ferner wird man bestrebt sein, dem Modell durch eine Vertheilung des Lichtes Rundung verbunden mit Kraft, d. h Plastik, zu verleihen. In neuerer Zeit ist nun aber noch die Sucht nach möglichst effectvollen Tönen hinzugekommen, die so um sich gegriffen hat, dass man ungemein häufig, hauptsächlich auf Kosten der Klarheit, Bestimmtheit mancher Theile des Modells durch Anwendung ungeheurer Lichtmassen, um höchste Brillanz zu erzielen, die künstlerische Wirkung in geradezu lächerlichster Weise unter- drückt.
Kürzlich bekam ich die Photographie einer Primadonna zu sehen. Abgesehen davon, dass auf diesem Bilde der eine mehr vorn liegende Arm gegen den andern einem gigantischen Auswuchs glich, ausserdem die grosse schöne Figur derselben mit einem winzigen Fächer in der Hand hinter einem Stühlchen(fast möchte ich sagen Kinderstühlchen) stand, zeigte sich noch das Interessante, dass auf der Lichtseite von oben bis unten an Haar, Hals, Schulter, Arm und Körper eine in ihrer Helligkeit sich überall gleich bleibende Licht- contour sofort in die Augen fiel, welcher dem ganzen Bilde das Aus- sehen einer Silhouette en face verlieh, in welche alles Andere roh nineingezeichnet schien. Nirgends war an dieser Contour, ebenso wenig in den andern Theilen des Bildes, auch nur der Ansatz zu einem jener bestimmten Schlaglichter zu sehen, durch deren prägise Wiedergabe sich die besten Malereien auszeichnen, und welchen letztere hauptsächlich in Verbindung mit bestimmten, durchsichtigen Schlagschatten ihren Ruf verdanken. Zu besserem Verständniss will ich versuchen, durch ein bekannteres Beispiel aus der Malerei zu
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