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158 Deutsche Photographen-LZeitung 1889. Nr. 19.
ein Stück Kampfer zu werfen, da das Lieht der Flammen dadurch actinischer wird, obgleich bei der hohen Empfindlichkeit der Papiere dieser Umstand keine so grosse Rolle spielt. Im allgemeinen dürften für die Exposition dieselben Grundsätze maassgebend sein, wie sie sich für Exposition der Trockenplatten immer mehr geltend gemacht haben, nämlich lieber ganz wenig überzuexponiren und nicht unter, da entsprechend modificirte Entwicklung im ersteren Falle stets das brillantere Resultat giebt.—
Zur Herstellung von Vergrösserungen von geringen Dimensionen kann man bei Anwendung von Bromsilberpapier sogar das Sciop- tikon entbehren, indem man das zu vergrössernde Negativ in einer Camera an Stelle der Visirscheibe anbringt. Das möglichst licht- starke Objectiv steckt man durch ein, in die Thür oder die Wand eines Dunkelzimmers geschnittenes Loch, und stellt den Auffangrahmen in entsprechende Entfernung. Als Beleuchtungsquelle dient nun eine ca. 30 cm hinter dem Negativ aufgestellte recht hellbrennende Petroleumlampe, auch kann man zwei, selbst drei Lampen verwen- den, nur muss man Sorge tragen, dass durch geeignet angebrachte Reflectoren die Beleuchtung über das ganze Negativ gleichmässig vertheilt wird. Zwischen Lampe und Negativ ist eine feingeschliffene Mattscheibe einzuschalten.
Man kann auf diese Weise Vergrösserungen nach Visit- oder Cabinetnegativen, bis zur Grösse 2430 cm, herstellen, darüber hinaus erhält man, wenigstens mittelst der gebräuchlichsten apla- natischen Objective mittleren Calibers, kein gleichmässig erleuchtetes Bildfeld mebr.
Die Expositionszeit variirt auch bier sehr, je nach der Be- schaffenheit des Negativs. Ein ziemlich dünnes, gut modulirtes Negativ erfordert bei Anwendung einer mittleren Blende ca. eine Stunde, ein recht kräftiges kann unter Umständen 4—5 Stunden Exposition erfordern. Bei so langen Expositionen muss man natür- lich mit doppelter Sorgfalt darauf sehen, dass alles fremde Licht durchaus abgesperrt ist, auch muss man, um Erschütterungen mög- lichst zu vermeiden, zur Anfertigung wohl schon die Nachtzeit wählen. Als Papier, welches bei sonst grosser Empfindlichkeit doch auch so lange Expositionen gut verträgt, glaube ich dasjenige von Ilford erkannt zu haben, da es mir die besten Resultate ergab.
Ist dieses Verfahren auch vielleicht für den practischen Photo- graphen wenig von Werth, so dürfte es doch manchen Liebbaber zu interessanten Versuchen anregen, und habe ich es der Vollständig- keit halber mit angeführt.
Die Entwicklung des so gewonnenen Bildes ist, soweit bei dem ganzen Process für einen geübten Operateur überhaupt von Schwierig- keit die Rede sein kann, der schwierigste Theil desselben, indem Alles auf eine rasche und richtige Beurtheilung des entstehenden Bildes und demgemäss rechtzeitiges Abbrechen der Entwicklung ankommt.
Gewöhnlich geben die Fabrikanten von Bromsilberpapieren der Waare eine genaue Gebrauchs-Anweisung bei; doch erhält man nicht immer mit den darin vorgeschriebenen Entwicklungs-Recepten die besten Resultate, was meiner Ansicht nach meistens daran liegt, dass die Oxalatlösung zu stark vorgeschrieben wird. Der Ent-
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