Entweder wird es geſchehen das man bittet / oder es iſt
nicht gut das es geſchehe: Alſo kan man hier von der lenge des lebens auch ſagen / das Gott den from̃en ent⸗ weder langes leben gebe / wenn es nemlich jhnen vnd der Kirchen Gottes nuͤtzlich vnnd gut iſt / oder aber dieſelbi⸗ gen zeitlich aus dieſer Welt hinweg neme / wenn jhnen ſolches viel beſſer iſt. Jedoch laſſen ſie ſich vnter deß mit der kurtzen zeit jhres lebens viel beſſer ſettigen / als die gottloſen vnnd vngleubigen mit vielen langen Iharen / denn ſie wiſſen / das nach dieſem ein ander leben folge ⸗ in welchem ſie des lebens vnd ewigen guͤter zum vberflus reichlich genieſſen werden. Sehen demnach fromme Chriſten fuͤrnemlich vff das kuͤnfftige leben / ſetzen auch in daſſelbige all jr heil vnd ſeligkeit / darumb auch Gott der HErrn ſelbſt dieſe interpretation hinzu ſetzet / do er ſagt: Ich wil jhm ʒeigen mein Meil. Als wolte er ſagen: Nach dem ich jhm die gantze zeit ſeines lebens allhier meine Vaͤtterliche gůte / gnade vnd barmhertzig⸗ keit / vff mancherley weiſe werde bewieſen haben / wil ich
jhm alsdenn in jenem leben zeigen mein Heil / das iſt⸗
er ſol dort im ewigen leben erfaren / was da ſey das rechte Heil / vnd die ware Seligkeit / weiche kein trubſal oder widerwertigkeit / auch der Todt ſelbſt nicht wird auffhe⸗ ben koͤnnen / Sintemal Gottes Heil in diß jrrdiſch ver⸗ genglich leben nicht iſt eingeſchloſſen. Das iſt alſo der erſte verſtand dieſer wort: Ich wil jhn ſettigen mit lan⸗ gem leben.
Darnach werden ſie auch verſtanden von dem ewi⸗ gen Leben / darumb / das diß zeitlich leben vmb der viel⸗ feltigen mühe vnnd arbeit willen nicht recht ein leben zu nennen / daher jhm mancher lieber den todt / denn das le⸗ ben wuͤntſchet. Das ewige leben wird næ iFoin ein
leben


