Chriſtliche Leichpredigt. 7
oder vngeheuwren Peſtilentz beſorget / ſo ſchickt er ſeine liebe Kinder ʒeitlich auß dem wege / damit ſie nicht mit dem vngluͤck betretten wer⸗ den / Alſo thut vnſer lieber Himmliſcher Vatter auch / wenn ſein zorn / welcher iſt ein verzehrendes Feuwer / anbreñet/ daß er ein vnglůck vber Deut. 4. die Gotrloſen ergehen laſſen vnd ſraffen wil ſo raffet er ſeneKinder/ Pſalm·. ſo jm lieb ſind / zuuor hinweg / daß jre Augen das kuͤnfftige Vngluͤck nit ſehen ſollen / Wie zu erſehen am frommen Joſia/2. Reg. 22.
Denn auch das woͤrtlein Vngluͤck Malum)zweyerley verſtan⸗ den / malum cuipa, vnd malum pœnæ, das ſſt / die ſchuldt der Boß⸗ heyt / vnd miſſethat / darnach die Straffe / in maſſen es auch Amos ʒ. Non eſt malum in civitate, quod non fecit Pominus. Das iſt / Amosʒ. Iſt auch ein vnglůck in der Statt / das der H E RR nit thue? Von der Sůnde aber ſagt das Buch der Weißheyt: Der Gerechte / ob er gleich hie ʒeitlich ſiurbt / iſt er doch in der ruhe / deñer gefellt Gott wol / vnd iſt jm lieb / vnd wirt weggenom̃en auß dem Leben vnder den ſuͤn⸗ dern / vnd wirt hingeruckt / daß die boßheyt ſeinen verſtandt nicht ver⸗ kehre / noch falſche Lehr ſeine Seel betriege / Denn die boſen exempel verfuͤhren vnd verderben einem das gute / vnnd die reytzende luſt ver⸗ kehret vnſchuldige Hertzen. Darauß wir ſehen / was Gott eygentlich damit meyne / wenn er die ſeinen wegrafft / nemlich / daß ſie nicht iehr ſundigen / vnd Gott weiter erzuͤrnen. Denn ſo lang wir in dieſem le⸗ ben ſind / ſo machen wir deß ſundigens jmmer mehr / weil das Fleyſch⸗ gelůͤſtet wider den geyſt. Vnd ob ſchon der geyſt willig iſt /ſoiſt doch das fleyſch ſchwach. Darumb auch S. Paulus vnd alle glaubigen ſeufftzen / vnd ruffen: Ich elender Menſch / wer wirt mich erloͤſen von dem Leib dieſes Todts Diß iſt ein beſondere groſſe genade / welches auch Auguſtinus erkennet / darumb ſpricht er: Non ſolum non eſſe Auguſt com- fidelibus inutilem mortem, verùm etiam utilem reperiri: quo- ni niam peccandi periculis hominem ſubtrahit, & in non peccand ſecuritatem conſtituit. Das iſt / Der Todt ſey nit allein den glau⸗ bigen nicht vnnůtz / ſondern werde jhnen auch nuͤtzlich befunden / dar⸗ umb / dah er den Menſchen auß der gefahr jmmermehr zu ſuͤndigen
C hinweg
Sap. 4.


