Druckschrift 
Christliche Leichpredigt, Bey dem Begräbnuß weiland deß Gestrengen, Edlen vnd Ehrnvesten, Melchior von Langenstein, genandt Guntzenrodts, Fürstlichen Würtzburgischen gewesenen Amptman zu Murstatt, vnd Burgkman zu Schrecksbach, [et]c. : Welcher im Herrn seliglichen entschlaffen Montags früe vmb 2. vhr, den 20. Martii jeztlauffenden 1592. Jahrs, vnd folgenden Donnerstag, welcher war der 24. iusdem, in der Krichen zu Schrecksbach ehrlich vnd Christlich zur Erden bestattet worden / Gehalten Durch Joannem Milnerum, Diener am Wort Gottes vnd Pfarrherrn daselbst, [Valentinus Schonerus, Rodolphus Goclenius, Hieron. Treutlerus]
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Chriſtliche Leichpredigt. 7

oder vngeheuwren Peſtilentz beſorget / ſo ſchickt er ſeine liebe Kinder ʒeitlich auß dem wege / damit ſie nicht mit dem vngluͤck betretten wer⸗ den / Alſo thut vnſer lieber Himmliſcher Vatter auch / wenn ſein zorn / welcher iſt ein verzehrendes Feuwer / anbreñet/ daß er ein vnglůck vber Deut. 4. die Gotrloſen ergehen laſſen vnd ſraffen wil ſo raffet er ſeneKinder/ Pſalm·. ſo jm lieb ſind / zuuor hinweg / daß jre Augen das kuͤnfftige Vngluͤck nit ſehen ſollen / Wie zu erſehen am frommen Joſia/2. Reg. 22.

Denn auch das woͤrtlein Vngluͤck Malum)zweyerley verſtan⸗ den / malum cuipa, vnd malum pœnæ, das ſſt / die ſchuldt der Boß⸗ heyt / vnd miſſethat / darnach die Straffe / in maſſen es auch Amos ʒ. Non eſt malum in civitate, quod non fecit Pominus. Das iſt / Amosʒ. Iſt auch ein vnglůck in der Statt / das der H E RR nit thue? Von der Sůnde aber ſagt das Buch der Weißheyt: Der Gerechte / ob er gleich hie ʒeitlich ſiurbt / iſt er doch in der ruhe / deñer gefellt Gott wol / vnd iſt jm lieb / vnd wirt weggenom̃en auß dem Leben vnder den ſuͤn⸗ dern / vnd wirt hingeruckt / daß die boßheyt ſeinen verſtandt nicht ver⸗ kehre / noch falſche Lehr ſeine Seel betriege / Denn die boſen exempel verfuͤhren vnd verderben einem das gute / vnnd die reytzende luſt ver⸗ kehret vnſchuldige Hertzen. Darauß wir ſehen / was Gott eygentlich damit meyne / wenn er die ſeinen wegrafft / nemlich / daß ſie nicht iehr ſundigen / vnd Gott weiter erzuͤrnen. Denn ſo lang wir in dieſem le⸗ ben ſind / ſo machen wir deß ſundigens jmmer mehr / weil das Fleyſch⸗ gelůͤſtet wider den geyſt. Vnd ob ſchon der geyſt willig iſt /ſoiſt doch das fleyſch ſchwach. Darumb auch S. Paulus vnd alle glaubigen ſeufftzen / vnd ruffen: Ich elender Menſch / wer wirt mich erloͤſen von dem Leib dieſes Todts Diß iſt ein beſondere groſſe genade / welches auch Auguſtinus erkennet / darumb ſpricht er: Non ſolum non eſſe Auguſt com- fidelibus inutilem mortem, verùm etiam utilem reperiri: quo- ni niam peccandi periculis hominem ſubtrahit, & in non peccand ſecuritatem conſtituit. Das iſt / Der Todt ſey nit allein den glau⸗ bigen nicht vnnůtz / ſondern werde jhnen auch nuͤtzlich befunden / dar⸗ umb / dah er den Menſchen auß der gefahr jmmermehr zu ſuͤndigen

C hinweg

Sap. 4.