blieben ohne Einfluss; erst die Schweizer erkämpften ihrer Theorie den Weg. Sie bahnten auch den freieren Verssystemen, wie sie ebenfalls im Madrigal und Recitativ, sowie bei Brockes und an- deren Dichtern des Hamburger Kreises 35 vorlagen, den EFintritt in die deutsche Dichtung. Auch Gottsched äusserte sich im Sinne
der Schweizer und gab während der zwanziger Jahre wiederholt
Proben von reimlosen Versen. Aber die reimlosen Gedichte, wie sie in der nächsten Zeit mehr und mehr Aufnahme fanden, traten aus dem Rahmen der bisher üblichen Metrik nie heraus, d. h. es waren stets Verse von jedesmal fest bestimmtem Mass und Rhyth- mus. Im Jahre 1740 erschien Breitinger's»Kritische Dichtkunst.. Breitinger wies(Theil II S. 467 u. ff.) auf die Einbusse an Wohl- klang hin, die unser Vers durch die beständige Monotonie erleide, und riet den Dichtern an Stelle des langweiligen Alexandriners zu dem»kurzen achtsilbigen Vers, mit welchem sich unsere Vor- eltern vor Opitzens Zeit behulfen«, zurückzukehren, und diesem
in der Aussprache seinen natürlichen Laute zu geben. Er führte diesen Gedanken weiter aus, indem er die Ansicht aussprach, dass»man besser thäte, so man die Regel, die befiehlt, die hohen und tiefen Accente beständig mit einander abwechseln zu lassen, fahren liesse und erlaubte nach dem Exempel der Ausländer, auf jedem Pritte, alleine die Abschnitte ausgenommen, hohe oder tiefe, lange oder kurze Silben zu setzen, zumal da es nicht fehlen könnte, dass man auf diese Weise nicht einen angenehmen Wechsel von natürlichen Jamben, Trochäen und Daktylischen erhalten würde, welche ganz unbegehrt und ungesucht in den Vers kommen wür- den Dieser Hinweis Breitinger's auf den alten deutschen Vers blieb vor der Hand zwar unbeachtet; um so mehr aber regte sein Werk zu anderen metrischen Gebilden an, besonders zur Nachahmung der antiken epischen und lyrischen Silbenmasse.
ge ²) begannen 1742 damit in den Freundschaft-
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Pyra und Lan
¹) vgl. Koberstein a. a. O. Bd. II§ 198 8. 104 u. ff.
²) Pyra und Lange dichteten wiederholt Oden in vierzeiligen Strophen, in denen der kurze letzte Vers in demselben Gedichte das Versmass willkürlich wechseln konnte. Vgl.»Thirsis und Damons freundschaftliche Lieder.« Hrsg. von M. Samuel Gotthold Langen. 2. Aufl. S. 35— 46. 50— 52. 71— 72. Die auf S. 36 befindlichen vierten Verse der Strophen in derselben Ode lauten
z. B. folgendermassen:


