Druckschrift 
Ueber die Schaafzucht, insbesondere über die Race der Merinos / Auf Befehl Sr. Excellenz des Minister des Jnnern herausgegeben ; bearbeitet von Tessier, Mitglied des National-Instituts, des Ordens der Ehrenlegion, der Societät des Ackerbaues und der Arzneischule in Paris, des Unterrichts-Ausschusses der Thierarzneischule zu Altorf, und General-Inspektor der Staats-Schäferein ; Jns Deutsche übertragen, mit Anmerkungen und Zusätzen von W. Witte, Mitglied der Potsdamer ökonomischen Gesellschaft und der Pariser Societät des Ackerbaus, Erbherrn auf Falkenwalde
Entstehung
Seite
259
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ſtalt eingeriſſen iſt, daß nicht nur die Schaͤfer, ſon⸗ dern alle andere Domeſtiken Schaafe in der Heerde ihres Herrn haben. In dem Devartement de l'Avey- ron werden dieſe Arten von Gehalt die Hiver- nes genannt. Aufgeklaͤrte Landwirthe geben den Schaͤ⸗ fern, wie ihren andern Dienſtboten, reines Gehalt und Aufmunterungs⸗ Praͤmien.

In der Lammzeit zeigt ſich die vorzugliche Ge⸗ ſchicklichkeit des Schaͤfers. Hat ein Schaaf Muͤhe zu lammen, ſo muß ihm der Schoͤfer zu Huͤffe tommenz meiſtens reicht es jedoch zu, wenn er die Finger, nach abgeſchnittenen Nägeln, mit etwas Oel beſtrichen, zwiſchen der Deffnung der Mutterſcheide und der Geburt hin und ber bewegt. Geht das Lammen nur einigermaßen gut, ſo muß der Schaͤfer das Thier ſich ganz ſelbſt uͤberlaſſen. In der Re⸗ gel haben dieſe Leute eine plumpe, rauhe, Att zu verfahren) welche gar oft mehr ſchadet als hilft. Vor dem Austreiben muͤſſen in der Lammzeit die Schaafe gut durchgeſehn werden) und man läßt diejenigen zu Hauſe, welche bald lammen wollen. Fuͤr unvermu⸗ chete Fälle rrägt der Schafer eine Taſche mit ſich⸗ in die er das kleine Lamm gleich nach der Geburt auf dem Zelde ſteckt. Will eine Mutter ihr Lamm nicht nach der Geburt gleich lecken, ſo beſtreut es der Schoͤfer mit ein wenig Salz; will ſie es gar nicht annehmen, ſo ſperrt er ſie mit dem Lamm in eine beſondere kleine Buchr.

In der Normandie, in den Gegenden am Mee⸗ resgeſtade, wo Regen und Hag elſchauer bäufig und