Getreidearten. 25
Im natuͤrlichen Zuſtande ſind dieſe drei Beſtandtheile nur miteinander ge⸗ mengt. Durch das Kochen und Brodbacken werden ſie inniger mit einander vereinigt und koͤnnen danach nicht mehr getrennt werden. Durch das Kochen entſteht eine kleiſterartige Maſſe, beim Brode aber geht eine Gaͤhrung vor, welche Kohlenſaͤure erzeugt und alles verdaulicher macht.
d) Die Huͤlſen, welche aus Faſerſtoff hauptſaͤchlich beſtehen, der von der Verdauung unaufloͤslich ſcheint. Indeſſen enthalten ſie doch noch etwas auflosliche und gewiſſermaßen aromatiſche Materie, und uͤbertreffen in ihrer Nahrhaftigkeit wenigſtens das Stroh.
e) Feuchtigkeit, welche auch in dem trockenſten Getreide vorhanden iſt, das Gewicht der Maſſe vermehrt, aber doch das ſpecifiſche Gewicht vermindert. Sie giebt keine Nahrung und bringt keinen Nutzen, befoͤrdert aber im groͤßern Maaße das Verderben des Getreides, weshalb es moͤglichſt trocken gehalten werden muß. Die kuͤnſtliche und ſtärkere Austrocknung, wie ſie in den noͤrd⸗ lichern Oſtſeeiſchen Gegenden vermittelſt der Darrſcheuern gebraͤuchlich iſt, be⸗ wirkt, daß ſich ſolches Getreide lange halten kann, insbeſondere wenn es in großen Haufen aufgeſchuͤttet wird, in welchen es weniger Feuchtigkeit wieder anziehen kann. Das ungedoͤrrte Getreide muß dagegen luftig und in flachen Lagern aufbewahrt und oft umgeruͤhrt werden, damit die Feuchtigkeit, welche es natürlich hat und immer wieder anzieht, verdunſten koͤnne. Es iſt nach ver⸗ ſchiedenen Bemerkungen glaublich, daß durch voͤllige Abſchneidung der atmos⸗ phaͤriſchen Luft Getreide unverderblich gemacht werden koͤnne, jedoch muß es vorher ohne Zweifel ſehr ausgetrocknet ſeyn.
Dieſe Beſtandtheile ſind nicht nur in den verſchiedenen Getreidearten, ſondern auch in derſelben Art quantitativiſch verſchieden. Jahres⸗Witterung, Boden und Duͤngungsart, Reifegrad, Ernte, bewirken dieſen Unterſchied. Das auf naſſem Boden und bei naſſer Witterung gewachſene Getreide hat eine ſtrkere Huͤlfe, und dem zufolge in gleichem Volumen ein geringeres Gewicht. Aber auch die uͤbrigen Beſtandtheile koͤnnen, wie ſchon beim Kle— ber bemerkt worden, verſchieden ſeyn. Daher die Erfahrung, daß in einem Jahre das Getreide beſſer naͤhre wie im andern.
Vierter Theil. D


