Teil eines Werkes 
Vierter Band (1812)
Entstehung
Seite
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Getreidearten. 23

Ob und wo ßie wild wachſen, und wo folglich ihr Vaterland ſey, iſt noch Charakter zweifelhaft. Denn, daß man ſie an einigen Orten ohne Kultur angetroffen habe, beweiſt nichts. Sie gleichen darin, und daß ſie vielleicht eben ſo ſehr arten. von ihrem natürlichen Zuſtande abgewichen ſind, den Hausthieren, die mit ihnen, dem Menſchen in alle Klimate folgten, und ſich an verſchiedene Lebens⸗ weiſe gewoͤhnten.

Vor anderen Gräſern unterſcheiden ſie ſich ökonomiſch durch ihren groͤ⸗ ßeren oder mehlhaltigeren Saamen, und dieſer iſt der Grund ihres Anbaues. Denn nahrhaft und gleichartig in ſeiner Natur iſt der Saame vieler anderen Graͤſer auch, und wird wirklich zur Nahrung benutt, wie der Saame der Trespe und des Schwadens.

Sie ſcheinen alle urſpruͤnglich und in wärmern Klimaten einjährig zu ſeyn, und es ſind nur einige durch die Kultur an Durchwinterung gewoͤhnt, da die Sommerzeit bei uns zu ihrer Reifung nicht zureichte.

Sie haben mit den meiſten Gräſern die Neigung gemein, ſich zu beſtau⸗ den oder zu beſtocken, aus ihren untern Knoten Wurzeln, und ſodann neue Sproſſen und Halme zu treiben, beſonders wenn an dieſe Knoten friſche Erde gebracht, und ihr Schoſſen aufgehalten wird. Durch ſorgfältige Verhinderung des letztern kann man ſie ſogar mehrere Jahre erhalten und zur Bildung eines dichten Raſens noͤthigen.

Durch Befoͤrderung ihres Beſtaudens und Abtrennung der Sproſſen kann man ihren Saamenertrag zu einer enormen Vermehrung bringen. So brachte der Irrlaͤnder Miller aus einem Weizenkorn welches er im Junius ſteckte, indem er im Herbſte und im folgenden Fruͤhjahre mehreremal Ableger davon machte und verpflanzte in einem Jahre 21,109 Aehren, und in ſelbigen 576,840 Koͤr⸗ ner hervor, und glaubt daß er dieſes noch weiter haͤtte treiben koͤnnen. Meh⸗ rere andere haben bei minderer Sorgfalt doch 40,000 Koͤrner aus einem in einer Jahresfriſt hervorgebracht, weswegen es lächerlich iſt, von einer 80 bis oofältigen Vermehrung gewiſſer Kornarten, als etwas bewundernswuͤrdigen, ohne naͤhere Angabe des Raums, des Bodens und der Kultur, reden zu hoͤren.