Teil eines Werkes 
Vierter Band (1812)
Entstehung
Seite
22
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Was unter Getreide zu verſiehen ſey.

22 Die Saat.

ſind. Nur durch die Wohlthat des Behackens und Heranbringung der Erde wird dieſer Nachtheil bei weitem uͤberwogen. Ich werde uͤber dieſe Beſtel lungsmethode unten das Wichtigſte anfuͤhren, nachdem ich von der gewöhnli⸗ chen Beſtellungsart der Getreidearten gehandelt habe.

Das Hervorkommen der Saat geſchiehet nach Beſchaffenheit ihrer Natur, dann aber auch des Bodens lund der Witterung, fruͤher oder ſpater. Alle Pflanzen treten hervor entweder mit einem zuſammengewickelten pfriemenfoͤr⸗ migen Blatte, oder mit zwei Saamenkoͤpſchen. Erſteres chun alle Gräſer und folglich

die Getreidearten

von denen wir nun zudoͤrderſt reden, und erſt im Allgemeinen etwas daruͤber ſagen.

Im engern Sinne des Worts werden unter Getreide nur die halmtra⸗ genden oder grasartigen Fruͤchte verſtanden, die wir ihrer groͤßern und nahr⸗ baftern Saamenkoͤrner wegen bauen. Andre begreifen zwar die ſämmtlichen Fruͤchte darunter, welche der nahrhaften Koͤrner wegen hauptfächlich angebauet werden; da indeſſen jene eine ausgezeichnete Natur haben, worin ſie unterein⸗ ander mehr als mit den uͤbrigen uͤbereinſtimmen, ſo eignen wir das Wort Ge⸗ treide beſtimmter den grasartigen Kornfruͤchten an, und begreifen die ſammt⸗ lichen Kornfruͤchte beſſer unter den Namen Korn oder Koͤrner.

Das Wort Korn, oder das gleichbedeutende in anderen Sprachen, wird zwar oft provinziel einer Art ausſchließlich beigelegt, naͤmlich derjenigen, welche die allgemeinſte Nahrung daſelbſt ausmacht. So heißt im nordoͤſtlichen Deutſch⸗ lande der Rocken, im ſuͤdweſtlichen und in Frankreich der Weizen, in andern Provinzen der Spelz, beſonders der enchuͤlſete, in Schottland der Hafer, in Amerika der Mais, Korn. Es iſt aber unrichtig und giebt zu Mißverſtänd⸗ niſſen Veranlaſſung, wenn man dieſes Wort, anders als in der Provinzialſprache des gemeinen Lebens, in dieſem Sinne gebraucht.

Man hat dieſe Fruͤchte auch Cerealien genannt, weil ſie, nach den alten Mythen, Ceres den Menſchen kennen gelehrt oder geſchenkt hatte.