Teil eines Werkes 
Vierter Band (1812)
Entstehung
Seite
19
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Die Saat. 19

Bei den meiſten mechaniſch⸗praktiſchen, ſonſt guten und aufmerkſamen Landwirthen, findet man mehr Neigung ihre Einſaat zu verſtaͤrken als zu vermindern. Dies ruͤhrt zum Theil vom Vorurtheile und von der Maxime, lieber zu viel als zu wenig zu thun, dann aber auch wohl daßer, daß eine dichte Saat nach dem Aufgehen und in der erſten Vegetationsperiode immer ein mehr verſprechendes Anſehen hat, als eine duͤnne. Ich habe immer gefunden, daß man ſich lebhaft daruͤber freuete, unerachtet es augenſcheinlich war, daß der groͤßte Theil der Pflanzen unterdruͤckt werden muͤſſe, wenn der kleinere Theil auſkommen ſoll. Im Kampfe mit einander, ermatten die Pflanzen ſämtlich; weswegen immer eine Periode eintritt, wo ſolche dichtſtehende Felder ein gel⸗ bes Anſehen bekommen; und iſt dann die Wicterung unguͤnſtig, ſo gehen ſie wohl ſaͤmtlich aus, und es entſtehen Fehlſtellen gerade da, wo vorher die Pflanzen am dichteſten gehaͤuft waren. Ich leugne nicht, daß die ausgehenden Pflanzen den übrigbleibenden nachmals als Duͤnger dienen koͤnnen; aber dies iſt immer ein theurer Duͤnger, und nicht ſelten geben ſie, beſonders bei den Winterſaaten auch Veranlaſſung zu einer allgemeinen Faͤulung.

Als einen Hauptgrund einer ſtärkeren Ausſaat, giebt man hauptſaͤchlich die Unterdruͤckung des Unkrauts an. Ich habe aber durchaus nicht gefunden, daß man dieſen Zweck dadurch erreicht habe. Eine ſich ſtark beſtaudende den Acker dicht belegende und nachmals ſchnell empor wachſende Frucht, un⸗ terdruckt das Unkraut, aber nicht eine dicht ausgeſtreuete Saat. Iſt Boden und Wieterung dem im Acker oder in der Saat befindlichen Unkraute guͤnſtiger als der ausgeſaͤeten Frucht, ſo wird jenes ſo gut hervortreiben wie dieſe, und ſeinen Platz beſſer behaupten. Die Frucht wird gerade ihres zu dichten Standes wegen nicht ſchnell empor kommen. Ich habe hier das Oderbruch vor Augen, wo man in der Regel das doppelte der gewoͤhnlichen Ausſaat, vom Hafer oft uͤber 3 Scheffel pro Morgen auswirft; aber das Unkraut iſt ſo arg wie irgendwo, es ſtreitet immer erſt mit dem Getreide, und die das letztere mehr oder minder beguͤnſtigende Witterung entſcheidet, was die Oberhand gewinnen ſoll, wenn jenes nicht, wie von den kleineren Wirthen gewoͤhnlich ge⸗ ſchiehet, ausgezogen wird. Ich beharre bei meiner Weiſe um die Hälfte ſchwaͤcher wie meine Nachbarn zu ſäen, leide aber vom Unkraute wenigſtens

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