Teil eines Werkes 
Vierter Band (1812)
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen

Die Saat. 9

Ruf ihrer Saat dem letztern eben ſo ſehr wie dem erſtern zu verdanken haben. Wo nun eins oder das andere fehlt, da kann allerdings eine Erneuerung der Saat auch mit beträchtlichen Koſten okonomiſch rathſam ſeyn, aber fuͤr unbe⸗ dingt nöthig halte ich ſie nicht; bin vielmehr uͤberzeugt, daß man unvollkomm⸗ nere Saat, wenn man anders fuͤr ſelbige geeigneten Boden hat, bei ſich ſelbſt zu immer höherer Vollkommenheit bringen koͤnne, ſo daß ſie dann jede fremde Saat uͤbertreffe.

Diejenigen, welche die Nütlichkeir einer Saatveränderung unbedingt an⸗ nehmen, ſind darin ſtreitig, ob man ſie von einem ſchlechtern oder beſſern, ſchwächern oder ſtärkern Boden, aus einem mildern oder rauhern Klima her⸗ nehmen ſolle? Ohne Zweifel daher, wo das Saamenkorn jeder Art am vollkommenſten und geſundeſten iſt. Nicht immer iſt dies der ſtärkere Boden, das mildere Klima; die Frucht ſteht hier oft zu dicht, iſt den Einwirkungen der Atmoſphaͤre und des Lichts zu wenig ausgeſetzt, um die vollkommenſte Aus⸗ bildung des Saamenkorns zu bewirken; das Korn wird hier oft groß, aber ſtärker an Huͤlſe wie an Mehl, welches letztere nur die Nahrung des jungen Pflänzchens ausmacht. Wenn dagegen aber der Boden ſo ſchwach iſt, daß er nicht Nahrung genug zur voͤlligen Ausbildung des Saamenkorns hergiebt, ſo wird dieſes ebenfalls zur Reproduktion vollkommener Pflanzen unfaͤhig ſeyn. So wird Weizenſaat von einem Boden, der nur erzwungen Weizen traͤgt, eine unvollkommene Saat liefern, und eine Erneuerung derſelben von eigentlichem Weizenboden her verlangen.

Es iſt uͤbrigens gewiß, daß bei den Pflanzen wie bei den Thieren, Staͤrke und Schwaͤche, Geſundheit und Krankheit, nicht bloß auf die nächſte Genera⸗ tion, ſondern auch auf die folgenden forterbe, und nur almählig durch andere Einwirkungen umgeaͤndert werde.

Mißlich bleibt eine Veraͤnderung der Saat immer, wenn man nicht mit der groͤßten Vorſicht dabei zu Werke geht. Insbeſondere hat man auf die Reinheit von Unkrautsſaamen zu ſehen, indem man ſich ſonſt ein vorher nicht gekanntes, hoͤchſt ſchädliches Unkraut, z. B. die gelbe Wucherblume(Chry- santhemum segetum) auf ſeiner Feldmark zuzieben kann. Weiß man ſeine Saat von gewiſſen Unkrauts ſaamen nicht zu reinigen, ſe kann dies eine Ver⸗

Vierter Theil. B