Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1810)
Entstehung
Seite
261
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Mineraliſche Duͤngungsmittel. 247

Mergel, der anders ausſah, als die ihm bekannte Art. So ließ der große Frie⸗ derich— der die geſundeſten und richtigſten Begriffe vom Ackerbau hatte, aber end⸗ lich durch den geringen Erfolg, den ſeine Anordnungen, weil man ſie mißverſtand, hatten, davon abgeſchreckt wurde— in den ſechziger Jahren viele Mergelgraͤber kommen, welche die ſaͤmmtlichen Marken durchreiſen, und nach Mergel ſuchen muß⸗

ten, erhielt aber von allen Orten her den Bericht, daß, der ſorgfaͤltigſten Unterſu⸗

chung ungeachtet, nirgends Mergel aufzufinden ſey; und dennoch liegt in den Mar⸗ ken der Mergel im groͤßten Ueberfluſſe, und zwar gerade von einer ſolchen Beſchaf⸗ ſenheit, wie ſie dem groößern Theile des Bodens am angemeſſenſten iſt. Das Vor⸗ urtheil, daß hier kein Mergel zu finden ſey, war ſo eingewurzelt, daß man mich beinahe verſpottete, wie ich anfangs vom Mergeln ſprach. Dieſe aus gebirgigten Orten hergekommenen Mergelgraͤber kannten vermuthlich nur den ſteinigen Mergel, der ſich freilich nicht anders als in gebirgigten Gegenden findet. In andern Gegen⸗ den kannte man nur den weißen Mergelkalk, welcher ſich nicht leicht anders als in Riederungen und in wenig maͤchtigen Lagern findet. Der lehmige Mergel, welcher in den Ebenen am meiſten verbreitet iſt, war faſt allgemein verkannt, und wo der Zu⸗ fall deſſen Rutzen gelehrt hatte, wie in der Pretzer Probſtey in Hollſtein(Vergleiche Thaers vermiſchte Schriſten Bd. I. S. 631., da glaubte man, ausgegrabener Lehm thue dieſe Wirkung, und nahm nun freilich zu Zeiten Lehm, der kein Mergel war, hatte alſo auch nicht die erwartete Wirkung davon. Die Chemie konnte uns zuerſt Aufſchluſſe uber die Erfahrungen geben, die im Widerſpruch mit einander zu ſtehen ſchienen.

Ferner ſtand der Verbreitung des Mergelns der Mißbrauch entgegen, welchen man davon gemacht hatte. Wo man ſich namlich von ſeiner großen duͤngenden Eigenſchaft uͤberzeugt hatte, berechnete man häufig, daß er wohlfeiler als der Miſt ſey; glaubte des letztern entbehren zu koͤnnen, ſchraͤnkte den Viehſtand ein, und ver⸗ kaufte Hen und Stroh an andere, die nicht mergelten. Natuͤrlich ward alſo der Bo⸗ den, nachdem die chemiſche Wirkung des Mergels voruͤber war, unfruchtbar, und eine zweite Mergelung half bei einem humusleeren Voden ſehr wenig. Deshalb entſtand ſchon vor mehreren hundert Jahren das Sprichwort; der Mergel mache reiche Väter, aber arme Kinder; und das Wort ausmergeln; welches man, ſelbſt ohne Rückſicht auf ſeinen Urſprung, überhaupt fuͤr das Erſchoͤpfen des Bodens ge⸗