Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1810)
Entstehung
Seite
260
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Der Mergel.

Meinungen uͤber den Mergel.

246 Mineraliſche Duͤngungsmittel in ſich begreiſt. Von dem Marmorſtaube aus den Werkſtäten der Steinhauer hat

man ſehr gute Wirkung geſehen.

Selbſt der alte Mörtel ſcheint ſich mit der Zeit aufzulöſen, wenn er in Verbin⸗ dung mit faulenden Theilen kommt. Er thut wenigſtens, auf Wieſen gebracht, eine ſehr auffallende Wirkung, aber erſt nach einigen Jahren.

Der Mergel beſteht aus Thon und kohlenſaurem Kalk, wie wir wiſſen, in ſehr verſchiedenen Verhaͤltniſſen, aber innig mit einander vermiſcht, ſoll er anders den Namen Mergel verdienen. Mittelſt dieſer Beſtandtheile wirkt er als Duͤngungsmit⸗ tel auf eine doppelte Weiſe; phyſiſch durch den Thon, indem er die Konſiſtenz des loſen Bodens dadurch verbeſſert, und zwar auf eine beſtändig nachhaltende Weiſe, und chemiſch durch den Kalk oder eigentlich duͤngend, welche Wirkung ſich aber nach und nach vermindert, und endlich ganz verliert. Dieſe beide Wirkungen muͤſſen wir wohl unterſcheiden. Er thut mehr die eine oder die andere, je nachdem der Thon oder der Kalk in ihm uͤberwiegt. Um die erſtere merklich durch den thonigen Mer⸗ gel zu erreichen, muß er natürlich weit ſtärker aufgefahren werden, wie der kalkige Mergel, von dem man nur die letztere erwartet, und jene phyſiſche nachhaltende Ver⸗ beſſerung findet auch nur auf demjenigen Boden ſtatt, welcher deren bebarf; woge⸗ gen einem ohnehin zu thonigen Boden das Auffahren des Thonmergels, wenigſtens nachdem die Wirkung des Kalkes voruͤber iſt, nur nachtheilig werden koͤnnte.

Durch die innige Mengung der beiden Beſtandtheile hat der Mergel den großen Vorzug vor dem bloßen Thon oder Lehm, und vor dem kohlenſauren Kalk, oder etwa vor einer kuͤnſtlichen Vermengung beider, daß er ſich von ſelbſt vollkommen zertheilt, in das feinſte Pulver zerfaͤllt, und ſich in den kleinſten Partikeln mit der Ackerkrume

vermengen laͤßt.

F. 63.

Der Nutzen des Mergels iſt ſchon in uralten Zeiten bekannt geweſen, und er iſt hier und da, wo einige Betriebſamkeit im Ackerbau herrſcht, immer aufgefahren wor⸗ den. Daß ſich ſein Gebrauch nicht mehr verbreitete, lag wohl hauptſächlich an der unkenntniß ſeiner Natur. Man verband den Begriff des Mergels immer nur mit einem Mineral von einer gewiſſen in die Sinne fallenden Beſchaffenheit. Da nun der Mergel ſo mannigfaltige Geſtalten und Farben hat, ſo erkannte Niemand den