Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1810)
Entstehung
Seite
255
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Mineraliſche Duͤngungsmittel. 241

Man hat zwei Hauptmethoden ihn dem Acker beizumiſchen, bei welchen dann freilich noch mancherlei Verſchiedenheiten in der Manipulation ſtatt finden.

Die eine iſt die: daß man die Kalkſtuͤcke auf einen Haufen zuſammenbringt, in der Naͤhe eines Orts, wo man genugſames Waſſer haben kann. Man uͤber⸗

gießt ihn dann mit ſo vielem Waſſer, als erforderlich iſt ihn zu loͤſchen, d. h. ihn

zu einem feinen Pulver, aber nicht zum Teig zu machen. Er muß hierbei durch⸗ gearbeitet werden, und die unzerfallnen groͤßeren Stuͤcke muͤſſen herausgeholt, wie⸗ der zuſammengebracht, und aufs Neue benetzt werden, damit alles in ein feines Pulver zerfalle. Der Kalk zieht hier ſein durch das Brennen verlornes Kryſtalli⸗ ſationswaſſer wieder an, aber wenig von ſeiner Kohlenſaͤure, und bleibt folglich noch in ſeinem ätzenden Zuſtande. Er wirkt daher auf die Weiſe wohl am ſtaͤrk⸗ ſten und zerſtörendſten auf unzerſetzte organiſche Materien im Boden, auf die In⸗ ſekten, Pflanzenfaſern und ſelbſt wohl auf manche Unkrautsſamen, die er zerſtort, auflöſt, und zu fruchtbarem Moder umwandelt. Er wird ſodann gleich mit Wa⸗ gen oder Karren auf den Acker ausgefahren, und von dem Fuhrwerke ab mit Schaufeln auf den umgepfluͤgten Acker ausgeſtreuet. Da dieſer Staub ſehr be⸗ ſchwerlich iſt, ſo muß man ſich bei dem Zuge des Wagens ſorgfaͤltig nach dem Winde richten, ſo daß dieſer ihn von den ausſtreuenden Menſchen auch von den Pferden wegwehe. Man hat, wo dieſe Kalkduͤngung ſehr gebraͤuchlich iſt, auch an den dazu beſtimmten Karren mit dem Rade umlaufende Walzen angebracht, ungefaͤhr wie an den Saͤemaſchinen, welche das Kalkpulver ausſtreuen.

Die zweite gebraͤuchlichere und bequemere Art iſt die: daß man die Kalk⸗ ſtuͤcke in kleine Haufen, etwa eines Scheffels ſtark, auf den Acker in gehoͤrigen Zwiſchenraàumen vertheilt, und ſolche dann mit Erde, die man ringe um den Hau⸗ fen ausſticht, und dadurch zugleich einen kleinen Abzugsgraben fuͤr das Waſſer macht, bedeckt. Wenn der Kalk mehrentheils zerfallen iſt, ſo ſticht man ihn mit der Erde durch, und ſind noch Stuͤcke darunter, ſo ſetzt man ihn noch mahl wie⸗ der auf, und bedeckt ihn mit neuer Erde. Dieſe Bedeckung mit Erde hat man zwar vermuthlich in dem falſchen Wahne, als verlöre der Kalk einen fluͤchtigen Stoff, zuerſt eingefuͤhrt; aber ſie iſt doch reell nutzlich, weil ſich ohne ſolche Be⸗ deckung bei regnigter Witterung uͤber den Kalkhaufen eine Borke erzeugt, welche

Zweiter Theil. Hb