226 Vegetabiliſche Duͤngungsmittel.
Furche Zeit hat, um deſto mehr Kraft wird es gewinnen. Der mit Hederich am
meiſten angefuͤllte Acker wird am meiſten Nutzen von der Brache haben, ſelbſt
ohne Hinſicht auf den Vortheil, der aus der Zerſtoͤrung dieſes Unkrauts erfolgt. Auch ſelbſt die Stoppel, welche von den meiſten Fruͤchten im Acker zuruͤck⸗
bleibt, giebt ihm wenigſtens einigen Moder zuruͤck. Je ſtärker dieſe Stoppel iſt, um deſto mehr bewirkt ſie, und daher wird der Acker bei gleicher Miſtduͤngung
merklich weniger in ſolchen Gegenden ausgeſogen, wo man den Gebrauch hat, eine ſehr hohe Stoppel beim Schneiden des Getreides ſtehen zu laſſen. Es iſt
dann aber von Wichtigkeit, dieſe Stoppel bald unterzupfluͤgen, weil ſie nur im
Boden in eigentliche Fäulniß uͤberzugehen ſcheint; der Luft ausgeſetzt aber mehr
verwittert. Die Stoppel anderer Fruͤchte, die ſtärkere Stengel und Wurzeln haben, uͤberwiegen zum Theil die Getreideſtoppel in der Maſſe deſſen, was ſie
dem Boden zuruckgeben. Am auffallendſten dungen aber diejenigen Gewächſe durch ihre umgepfluͤgte Stoppel und zerſtörte Wurzeln, welche nicht durch Rei⸗
fung des Samens in duͤrres Stroh verwandelt wurden, ſondern noch ſchleimige
Theile in ſich behielten. Daher die anerkannte verbeſſernde Eigenſchaft der gruͤ⸗ nen Wicken und des Klees, die in der Regel vor ihrem Unterpfluͤgen uͤberdem noch
neue ſaftreiche Blaͤtter und auch bei ihrer Aberntung manche Abfälle
auf dem Felde zuruͤcklaſſen Am wirkſamſten dnge der Raſen oder die Grasnarbe, die ſich nach einer ſin
gern Ruhe auf dem Boden erzeugt. Das dichte Gewebe von Kraut unb Wurzeln,
gemengt mit der thieriſchen Materie der abſterbenden Wuͤrmer und Inſekten, wo⸗
zu ſich noch der Ruͤckſtand des Duͤngers des weidenden Viehes geſellt, giebt dem Erdboden eine betraͤchtliche Kraft, welche mehrere Ernten ohne aufgefahrnen
Duͤnger zu geben vermögend iſt. Man hat dies faͤlſchlich der Ruhe des Ackers ſelbſt zugeſchrieben, welche doch keine andere als eine negative Wirkung haben kann. Berjenige Boden, welcher in der groͤßten Kraft niedergelegt worden, und
daher die reichſte Grasnarbe zu bilden vermag, wird waͤhrend ſeiner Ruhejahre,
nicht durch ſeine Unthaͤtigkeit, ſondern gerade durch ſeine produzirende Kraft am
meiſten an neuer Kraft gewinnen. Der irrige Begriff von Ruhe hat vielleicht mit 8 3 9
dazu Veranlaſſung gegeben, oder doch das gewoͤhnliche Verfahren erhalten, daß
man nur erſchoͤpften Acker zu Graſe niederlegt, in der Hoffnung, er werde durch


