Stallfutterungsſyſtem. 365
tität und Qualität nach den hoͤchſten Ertrag geben. Die Entwickelung und Aus⸗ dehnung der meiſten Futterkräͤuter nimmt naͤmlich bis auf einen gewiſſen Punkt pro⸗ greſſiv zu, und geht am ſchnellſten und ſtärkſten vor ſich, je mehr ſie ſich dieſem hoͤch⸗ ſten Punkte naͤhert. In ihrer erſten Jugend iſt dieſer Zuwachs geringe in einer be⸗ ſtimmten Zeit, wird aber dann am ſtärkſten, wenn die Bluthe ſich zu entwickeln anfaͤngt. Wird dieſer Zeitpunkt, wie bei der Weide geſchiehet, nicht abgewartet, ſo kann der hochſte Ertrag nicht davon erfolgen. Sobald das Aufbluhen aber geſche⸗ hen iſt, ſteht der Wachsthum des Krautes wieder ſtill, und bei der Bildung des Sa⸗ mens vermindert ſich die Nahrhaftigkeit des Krautes. Dieſer gluͤckliche Zeitpunkt kann folglich nur beim Abmaͤhen gehoͤrig beobachtet werden. Durch Samenanſatz
ungeſchwächt, macht es alsdann oft vermehrte Schuͤſſe, die man wieder bis zu dem⸗
felben Grade der Vollendung kommen läßt.
e) Indem dadurch verhuͤtet wird, daß durch das Auftreten des Viehes keine Pflanze zerſtoͤrt oder in ihrem Emporkommen gehindert werde, welches auf der Weide mit betraͤchtlichem Nachtheile geſchieht.
Hierdurch erreicht man der Erfahrung gemäß, daß mit hoͤchſtens der Hälfte des
zur Weide erforderichen Landes— den Acker von derſelben Guͤte und derſelben Kraft angenommen— das Vieh ſo reichlich und ſo vollkommen ernaͤhret werden kann, wie mit dem Ganzen, unb daß man folglich wenigſtens die Hälfte des Landes zu andern Zwecken oder zur Ernährung mehreren Viehes erſpart.
§. 376.
2) Der Miſt, um deſſenwillen das Vieh beim Ackerbau groͤßtentheils gehalten wird, kann nur bei dieſer Wirthſchaft auf das vollkommenſte benutzt werden.
Bei jeder Weidewirthſchaft geht immer der groͤßere Theil des beſſern Sommer⸗ miſtes verloren. Auf den beſtaͤndigen Huͤtungsplätzen der Felderwirthſchaft verliert ihn der Ackerbau völlig, ohne daß er ſelbſt die Weide betrochtlich aufhuͤlfe, indem wir nicht bemerken, daß alter unaufgebrochener Anger, wo beſtaͤndig Rindvieh wei⸗ det, in dem Verhältniſſe des darauf gefallenen Miſtes an Kraft zunehme. Der Miſt thut vielmehr oft keine andere Wirkung, als daß er dem Viehe die Stellen, worauf er fiel, auf mehrere Jahre verleidet; weshalb man haͤufig die Rindviehhirten dazu ermuntert, dieſen Miſt aufzuſammeln und zu ihrem Vortheile zu benutzen. Nicht


