Das Kapital. 29
§. 55
Das Betriebskapital giebt oft einen Ertrag, den man haͤuſig überſieht, indem ſolcher nicht baar in die Kaſſe zuruͤckkommt, ſondern unmittelbar zum Grundkapitale geſchlagen, oder zur Verbeſſerung des Gutswerths angelegt wird. Wird Geld oder Arbeit direkte auf Meliorationen verwandt, ſo fallt es zwar bei genauerer Rechnungs⸗ fuͤhrung wohl in die Augen; weniger aber, wenn man durch Aufopferung eines Theils des Ertrages die Kraft des Bodens vermehrt, indem man ſtatt einer verkaͤuf⸗ lichen Frucht, die den Boden erſchoͤpft, eine andere baut, die ſeine Kraft nicht nur erhaͤlt, ſondern auch durch Umwandlung in Duͤnger betrachtlich vermehrt. Weil aber hierdurch das Betriebskapital zum Vortheile des Grundkapitals vorerſt vermin⸗ dert wird, ſo muß jenes um ſo hoͤher ſeyn oder beſtaͤndigen Zufluß erhalten.
Hierin liegt eigentlich der Grund, warum man ſagt, daß bei dem Uebergange zu einem beſſern Ackerſyſtem, insbeſondere auf erſchoͤpftem Boden, immer Verluſt ſey. Es iſt aber kein Verluſt, ſondern Sne Anlage in das Grundkapital, die, mit gehoͤriger Ueberlegung gemacht, allemal einen großen Gewinn giebt. Jedoch kann ſie das Betriebskapital, wenn es zu ſchwach angelegt iſt, und keine Zuſchuͤſſe erhaͤlt, leicht erſchoͤpfen. Solche Verbeſſerungen vermehren in der Regel den Kredit nicht gleich, und deshalb iſt mancher dadurch banquerott geworden, deſſen Kredit ſchon vorher zu ſehr geſpannt war, wenn er im Uebrigen gleich richtig verfuhr. Der Feh⸗ ler lag nur darin, daß er etwas Groͤßeres unternahim, als wozu ſein Betriebs⸗ kapital reichte.
So werden aus Mangel dieſes Kapitals faſt alle große Verbeſſerungen gehin⸗ dert, um ſo mehr, je groͤßer die Guͤter ſind. Die Unvermoͤgendern koͤnnen es nicht finden, weil der Kapitaliſt in der Verwendung auf Verbeſſerungen keine Sicherheit findet. Die reichern Gutsbeſitzer glauben es nicht zu koͤnnen, weil ſie ſich zu einem Aufwande gewiſſermaßen verpflichtet halten, der ihre Rente mindeſtens konſumirt. Sie denken nur auf den jaͤhrlichen baaren Geld-Ertrag, und wollen dieſen in keinem Jahre geſchmaͤlert haben, gleich als lebten ſie von Leibrenten, und ginge ſie das 6 Kapital nichts an. Noch andre wollen es nicht, weil ſie vom Einkommen und Ka⸗ pitale einen einſeitigen Begriff haben, und ſich darunter nur baares Geld, was zinsbar belegt werden kann, denken. Daher geldgeizige Wirthe in der Regel immer ſchlechte Wirthe ſind, und es am deutlichſten beweiſen, daß Geiz die Wurzel alles Uebels ſey.
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