Teil eines Werkes 
Erster Band (1809) Begründung der Lehre und des Gewerbes : Oekonomie oder die Lehre von den landwirthschaftlichen Verhältnissen
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen

28 Das Kapital.

als Landwirth um ſo beſſer fahren, je mehr er davon als Betriebskapital zuruͤckhäͤlt, und deshalb die Anlage des Grund⸗, und ſelbſt des ſtehenden Kapitals nicht zu hoch macht. Denn der reine Ertrag des Gewerbes richtet ſich weniger nach dem Umfange der Wirthſchaft, als nach der Summe der auf ihren Betrieb verwandten Koſten.

Es verſteht ſich jedoch von ſelbſt, daß dieſe Anlage ihre Grenzen habe, die aber diel weiter hinausliegen, als man waͤhnt.

Ich ſage als Landwirth, denn der Guͤterhaͤndler hat ganz andere Regeln in ſeinem Gewerbe zu befokgen, welches zu gewiſſen Zeiten und unter gewiſſen Konjunkturen allerdings noch vortheilhafter, als der Betrieb der Landwirth⸗ ſchaft war.

In England, wo merkantiliſcher Kalkul und Scharfſinn ſich lam meiſten uͤber alle Gewerbe verbreitet hat, uimmt man an, daß das Betriebskapital, worunter man aber daſelbſt das ſtehende Kapital immer mit begreift, ſieben bis neunmal ſo ſtark ſeyn muͤſſe, als die Zinſen des Grundkapitals oder die Landrente. Wer ein Gut von jaͤhrlich 1000 Rthlr. pachtet, muß 7 bis 9000 Rthlr. disponibles Vermoͤgen haben. Man berechnet dann den Gewinn ſeines Gewerbes nicht nach der Pacht, ſondern nach dieſem Betriebskapitale, und nimmt an, daß man 12 Prozent davon haben muͤſſe, von 9000 Rthlr. alſo 1080 Rthlr. uͤber die Pacht. Iſt er Eigenthuͤ⸗ mer, ſo zieht er vom reinen Ertrage erſt jene Pacht oder Landrente ab, die er, ohne Wirthſchaft zu betreiben, auch haben koͤnnte, und das Uebrige rechnet er als Ge⸗ winn des Gewerbes. Er wird aber nie ſo fehlerhaft ſchließen: Weil mir die Wirth⸗ ſchaſt auf dieſem Gute 2080 Rthir. eintraͤgt, ſo iſt der Kapitalwerth des Guts gleich der Summe, die ich durch Multiplikation mit 25 aus jenem Wirthſchaftsertrage erhalte. Und hieraus erhellt, wie fehlerhaft es ſey, aus dem Ertrage eines Guts direkte auf deſſen Werth zu ſchließen, wie dennoch bei den gewoͤhnlichen Anſchlaͤgen geſchieht. Man ſucht den Fehler zwar durch einen andern Fehler wieder auszuglei⸗ chen, indem man den Ertrag weit geringer annimmt, als er bei einer gehoͤrigen Bewirthſchaftung ſeyn koͤnnte. Nichts deſtoweniger aber bleibt dieſe Veranſchla⸗ gung unbeſtimmt, verleitend und von den nachtheiligſten Folgen fuͤr das Gewerbe.

Selbſt das ſtehende Kapital— obwohl deſſen verſtaͤrkte Anlage zum Ertrage der Wirthſchaft vieles beitraͤgt— kann doch bei beſchraͤnktem Vermoͤgen zu groß gemacht werden, wenn dadurch das umlaufende Kapital zu ſehr geſchwaͤcht wird. Durch eine zu große Verwendung auf den Ankauf des Viehes hat ſich mancher außer Stand geſetzt, gehoͤriges Futter fuͤr ſelbiges bauen zu koͤnnen.