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Erster Band (1809) Begründung der Lehre und des Gewerbes : Oekonomie oder die Lehre von den landwirthschaftlichen Verhältnissen
Entstehung
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6 Begriff der rationellen Landwiehſchaft.

5. 12.

Die wiſſenſchaftliche Lehre der Landwirthſchaft muß, ohne ſpecielle Regeln zu geben, die Reſultate der bisher gemachten Erfahrungen und des Nachdenkens kennen und wuͤrdigen lehren, ſie bis auf ihren erforſchbaren tieſſten Grund erklären, Licht uͤber alle Operationen verbreiten, den Grund und Ungrund angenommener Meinun⸗ gen aufdecken, und in jedem individuellen Falle zur Selbſterfindung der Regel fuͤhren, die wir zu beſolgen haben, und jeden Erfolg derſelben vorauszuſehen und zu berech⸗ nen lehren. Da der wiſſenſchaftliche Landwirth dieſe ſelbſt erfundene Regel immer richtiger verſteht, wie die von einem andern mitgetheilte, und ſie ſich im Momente der Anwendung ſeinem Verſtande klarer darſtellt, ſo wird er ſie vollkommener aus⸗ fuͤhren, und jede waͤhrend der Ausfuͤhrung noͤthige Modification treffen. Nur dieſe wiſſenſchaſtliche Lehre kann die Widerſpruͤche der von einzelnen Wahrnehmungen ab⸗ gezogenen Regeln vereinigen, und die Erfahrungen ſichten und läutern. Sie erweckt das Talent uͤber alle bei der Ausfuͤhrung des Gewerbes vorkommenden Fälle, ſelbſt zu urtheilen und auf eigenes Urtheil einen Entſchluß zu gruͤnden. Auch ſetzt ſie uns allein in den Stand, uͤber das Verfahren anderer richtig zu urtheilen, und lehrt uns, voreiligen Tadel zuruͤckzuhalten, zu welchem der bloß kunſtgerechte Landwirth ſo geneigt iſt.

S. ag⸗

Wiſſenſchaftlich iſt die Landwirthſchaft nur in einzelnen Theilen, nicht im ganzen Zuſammenhange und von allgemein gultigen Gruͤnden ausgehend, gelehrt worden. Die Lehre war entweder bloß empiriſch, auf beſondere Lokalitäten und individuelle Anſichten gegruͤndet, oder, wenn ſie ſyſtematiſch und allumfaſſend ſeyn ſollte, eine Compilation von Fragmenten, ein Gemenge widerſprechender Reſultate heterogener Erfahrungen.

Alle Wiſſenſchaften dieſer Art haben nur Fortſchritte durch ſolche Koͤpfe gemacht, welche Theorie und eigene Praxis Wiſſenſchaft und Ausfuͤhrung vereinigten.

Die Theorie des Ackerbaues hat bisher faſt nur ſolche Koͤpfe beſchaͤſtigt, die wenig

Praxis und Gelegenheit zu Beobachtungen und Pruͤfungen hatten. Dagegen hatten

die Praktiker nur ihre Wirthſchaftsart vor Augen, und zu wenig Bekanntſchaft

mit den Erfahrungen anderer und den Entdeckungen der Naturforſcher. Und da es ihnen uͤberdem an mathematiſchen, logiſchen und Sprachbegriffen fehlte, ſo verirr⸗ ten ſie ſich, ſobald ſie aus ihrer engern oder weitern Sphaͤre heraustraten.