Begriff der rationellen Landwirthſchaft. 5
verhaͤlt, der das Ufer nicht aus dem Auge verlieren darf, wenn er ſich nicht dem blinden Schickſale uͤberlaſſen will; ſo der rationelle Landwirth gegen den an⸗ gelernten.
§. 9.
Die handwerks⸗ und kunſtmäßige Erlernung iſt jedoch dem Landwirthe, der ſich bis zur Wiſſenſchaſt und zum deale erheben will, nicht unnuͤtz. Es iſt gut, wenn er die Handgriſſe kennen und die erforderliche Kraft gleichſam fühlen gelernt hat, um die mechaniſche Ausfuͤhrung beurtheilen zu koͤnnen. Auch gehoͤrt Uebung des Augen⸗ maaßes und Ausdauer dazu, um den vom Verſtande gebildeten Begriff in der Wirklichkeit ausfuͤhren zu koͤnnen.
Aber der bloß gelernte Landwirth darf ſich nie ohne beſtimmte Anweiſung von ſeinem Leiſten entfernen, obwohl dieſer nur fuͤr eine beſondere Lage paſſend ſeyn kann.
Er darf nur ſeiner einmal angenommenen Regel oder der beſtimmten Vorſchrift des Einſichtsvollern folgen, und wird, wenn er ſelbſt denken und frei handeln will, dem Soldaten gleich ſeyn, der voll perſoͤnlichen Muthes aus Reihe und Glied hervortretend Feuer giebt, und ſtatt die gute Sache zu foͤrdern nur Alles in Ver⸗ wirrung bringt.
Deshalh iſt es oft ſehr richtig, wenn man ſagt, daß Wirthſchaftsverwalter, die in anderen Gegenden und unter anderen Verhaͤltniſſen der Sache gluͤcklich vorgeſtanden haͤtten, nun, anders wohin verſetzt, durchaus bei jedem Schritte ſtrauchelten und das Ganze in Verwirrung brachten. Ihre auf Glauben angenommene Regel vaßte nicht bei verſchiedenem Boden, verſchiedenem Maaße der Kraͤfte und verſchiedenen Verhaͤltniſſen. Und ſo erklaͤrte man dieſe auf ihrem Flecke kunſtgerechte Oeconomen fuͤr unwiſſende. Der wahre rationelle Landwirth dagegen wird ſich in den verſchie⸗ denartigſten Lagen orientiren, wenn er ſich die Zeit nimmt, dieſe richtig kennen zu lernen.
5 11. Wenigen Gebrauch kann deshalb der nicht wiſſenſchaftlich gebildete Landwirth
vom Leſen ſelbſt der beſten Buͤcher machen. Er weiß die neuen Ideen nicht zu ord⸗ nen und in das Ganze zu verweben. Sie richten daher nur Verwirrung in und durch ihn an. Hochſtens darf er nur ſolche Buͤcher leſen, welche auf die eren Verhaͤltniſſe, worin er ſich befindet, nahen Bezug haben⸗


