4 Begriff der rationellen Landwirthſchaft.
§. 5.
Die handwerksmaͤßige oder mechaniſche Erlernung beſteht in der nach⸗ ahmenden Uebung der Handgriffe, des Augenmaaßes, und des Taktes oder der Zeit⸗ wahru hmung. Sie iſt eine bloße Abrichtung, und der handwerksmäßige Landwirth kann bloß nachahmen, und bei ſeinen gewohnten, nach Raum und Zeit mehr oder minder modificirten Handgriffen bleiben, wovon er keinen Verſtandsbegriff hat oder zu haben braucht.
6 Kunſt iſt Darſtellung der Idee in der Wirklichkeit. Der bloß kunſtmaͤßige Landwirth nimmt die Idee oder die Regel ſeines Verfahrens von anderen auf Glau⸗ ben an. Die kunſtmaͤßige Erlernung beſteht alſo in dem Auffaſſen fremder Ideen, oder in der Eriernung von Regeln, und in der Uebung, dieſe Regeln in Aus⸗ fuͤhrung zu bringen.
5. 7.
Die wiſſen ſchaftliche Lehre ſetzt keine poſitive Regeln feſt, ſondern ſie ent⸗ wickelt die Gruͤnde, nach welchen man fuͤr jeden vorkommenden ſpeciellen Fall— den ſie ſcharf unterſcheiden lehrt— das moglich beſte Verfahren ſelbſt erfindet. Die Kunſt fuͤhrt ein gegebenes und angenommenes Geſetz aus, die Wiſſenſchaft giebt ſelbſt das Geſetz.
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Nur die wiſſenſchaſtliche Lehre allein kann allgemein guͤltig und allumfaſſend ſeyn, und zur Erreichung des Hoͤchſten unter allen und jeden Verhaͤltniſſen fuͤhren. Alle poſitive Regeln und Erlernungen ſind nur auf beſtimmte Lagen anwendbar, und jede bedarf beſonderer, die nur die Wiſſenſchaft ſo geben kann, daß das moͤglich Beſte in jedem Fall erreicht werde. Der hoͤhere Ackerbau kann alſo allein rationeller Ackerbau genannt werden, und beides iſt eins.
Wie der Schiffer, der mit Compaß und Charte das Weltmeer umſegelt— mit deren Huͤlfe jeden Wind und Strömung benutzt, um ſich ſeinem Ziele, wenn gleich oft durch manche Umwege und langſamen Schritts zu naͤhern, Klippen und Hinder⸗ niſſe ſicher umgeht, in jeder Lage die vortheilhafteſte Richtung waͤhlt, und immer glcklich in moͤglich kuͤrzeſter Zeit den Hafen erreicht— ſich zu dem Kuͤſtenfahrer


