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§. 233.
Ich uͤberlaſſe es uͤbrigens den Kunſtkennern unter meinen Leſern, nachzuforſchen, ob ſich in der Kunſtwelt nicht auch das entgegengeſetzte Uebel offenbare, nämlich ein Myſticis⸗ mus der Kunſt, welcher da ſich kundgeben muͤßte, wo ſich in einem Kuͤnſtler das Genie mit großem Uebergewicht ent⸗ wickelt haͤtte, wo es alſo einſeitig, ohne gehörige Maͤßi⸗ gung und Bildung durch ſeinen Gegenſatz, das Talent, produktiv waͤre. Objektiv wuͤrde ſich dieſer Myſticismus in Kunſtwerken offenbaren, deren Sinn ſchwer zu entraͤthſeln waͤre, deren Schoͤnheit ſich moͤglichſt charakterlos offenba⸗ ren wollte;*) er wird aber zu den ſeltenen krankhaften Erſcheinungen in dieſem Gebiete gehoͤren, wie der krank⸗ hafte religioͤſe Myſticismus(als Uebermacht der Contem⸗ plation in dem ſeinigen. Ungleich allgemeiner oder ausge⸗ breiteter iſt dagegen das entgegengeſetzte Kunſtuͤbel, wie es der Formalismus im Gebiete der Religion und der Empi⸗ rismus in dem der Wiſſenſchaft iſt.— Man erkenne uͤbri⸗ gens den Parallelismus zwiſchen Kunſt und Wiſſenſchaft auch noch darin, daß in beiden Gebieten ſelbſtſtaͤndige Pro⸗ duktivitaͤt ungleich mehr auf der Seite des Echten, Geſun⸗
*) Es verſteht ſich uͤbrigens, daß von dieſem krankhaften My⸗ ſticismus der wahre Kunſtmyſticismus eben ſo unterſchieden werden muß, wie vom geſunden religioſen Myſticismus ein krankhafter, be⸗ ſtehend in einem Uebergewicht der contemplativen Seite des religioſen Lebens, wovon an ſeinem Orte(Fh. 107. 108.) die Rede war. Alle echte(ſchoͤne) Kunſt iſt ihrer Natur nach myſtiſch, weil deren zeu⸗ gende Kraͤfte dem Gemuͤthe angehören, und weil die innere Kunſt⸗ anſchauung eine Offenbarung der Kunſtideen im Gefuͤhl iſt, welche aber durch die aͤußere Anſchauung(gemäß den allgemeinen Erkennt⸗ nißgeſetzen) bedingt wird.


