„Daß Oich das Mäuslein beißt!“ Dieſer grauſame Wunſch, der für uns zum leichten Scherzwort geworden iſt, hat mit einer Maus nichts zu tun. Mit dem Tierchen hätte jeder fertig werden können. Nein, das Mäuslein iſt entſtanden aus Meiſel, das heißt Mieſelſucht, und die Verwünſchung bedeutet daher:„Daß dich die Mieſelſucht beſtehe(befalle)!“ Auch von den Peſtkranken hielt ſich jeder fern. Wir haben auf unſerem Gange durch die Stadt freilich nirgends geſehen, daß vor einer Haustür ein großes P geſchrieben ſtand. Man hat uns aber erzählt, daß zur Warnung ein P an jedes Haus gemalt wurde, wenn ein Peſt⸗ kranker darin war. Die Redensart, einem ein großes P vor⸗ ſchreiben kennen wir noch. Sie bedeutet, daß man einem Mit⸗ menſchen Hinderniſſe in den Weg legen will, wenn er etwas unternimmt, was uns nicht gefällt.— Plötzlich meldet ſich neben uns eine ſeltſame Stimme. Ein Bänkelſänger, auch fahren⸗ der Sänger genannt, iſt auf eine Bank geſtiegen und verkündet laut die neueſte Zeitung. Wir denken bei dieſem Worte ſofort an unſere Tageszeitung. Aber der zappelige Menſch da oben hat nichts Gedrucktes in der Hand. Eine neue Zeitung iſt für ihn die letzte Nachricht oder Kunde. Er hat das jüngſte Kriegsereignis oder irgendeine Moritat in Reime gebracht und gröhlt ſie nun über den Marktplatz hin.— Den meiſten Zuſpruch aber finden die Wahrſager, Poſſenreißer und Taſchenſpieler. Mit ihren Alfanzereien unterhalten ſie die Leute, daß ſie Mund und Augen aufſperren. Das Wort Alfanzerei, das Be⸗ trügerei bedeutet, klingt uns recht fremdartig Und doch iſt es grunddeutſch, abgeleitet aus ali, das heißt fremd, und fant, das heißt leichtfertiger, eitler Menſch(vgl. Uhland: Roland Schild⸗ träger). Was dieſe Leute an immer neuen Poſſen(Späßen) treiben, läßt die Zuſchauer nicht aus dem Staunen kommen. Ein Taſchenſpieler zaubert aus ihrer Taſche allerhand Gegenſtände, die vorher ganz gewiß nicht darin geweſen waren. Der Mann kennt unzählige Kniffe und Künſte. Er kommt nie in Verlegen⸗ heit, die gaffende Menge zu beſchwindeln. Sie nennen ihn darum inen Tauſendkünſtler. Ohne Mühe verſteht er, Sachen aus dem AÄArmel zu ſchütteln, die der Zuſchauer nicht darin vermutet. Wenn einem Schüler eine Rechenaufgabe oder das Erzählen von Geſchichten leicht und ſpielend gelingt, ſagen wir wohl auch von ihm, daß er alles nur ſo aus dem AÄrmel ſchüt⸗ telt. Der Zauberer auf dem Jahrmarkte geht freilich nicht ganz ehrlich zu Werke. Bevor er ſeine Kunſtſtücke zeigt, läßt er einen blauen Rauch aufſteigen. Er macht alſo den Leuten blauen Dunſt vor, damit ſie ſeine Kunſtgriffe nicht genau erkennen können. Außerdem ſieht die Sache dann geheimnisvoller aus. Und nun erleben die neugierigen Gaffer wirklich blaue Wunder, wenn er in der Rauchwolke ſeine Täuſchungen voll⸗ führt. Es kommt ja auch bei uns noch vor, daß der eine oder der andere ſeinen Mitmenſchen blauen Dunſt vormacht, das heißt, er betrügt ſie und ſpiegelt ihnen etwas Falſches vor, ohne vorher blauen Rauch zu entwickeln. Auch blaue Wunder gibt es noch. Denn es geſchieht manchem, daß er etwas erlebt, was er ganz und gar nicht erwartet hat. Vielleicht ſteht er dann ſogar mit offenem Munde da, wie die Leute hier auf dem Markte.— Doch wir haben genug von dieſen Dingen und gehen einige Schritte weiter. Dort treibt nämlich ein Riemenſtecher, auch ein betrügeriſcher Landläufer, ſeine Durchſtechereien. Er rollt einen„Riemen zuſammen und läßt andere darein ſtechen. Dabei macht er dann, daß der Stich allemal neben den Riemen geht“. Wie er das macht, begreifen wir nicht recht. Doch darin beſteht ja ſeine Zauberkunſt. Dieſer kleine Schwindel iſt ein ganz harmloſer Scherz gegen die böſen Durchſtechereien(Betrügereien), von denen wir jetzt dann und wann im Gerichtsteil unſerer Zeitungen leſen.
Der Hund iſt dafür zu ſchade
Im Städtchen X. war Ausſtellung und Vorführung von Schäferhunden. Viele Freunde dieſer klugen Hunderaſſe hatten ſich zuſammengefunden. Ort der Ausſtellung war der Tanzſaal eines Gaſthofes. Im Garten desſelben
war zu verſtehen, daß ſie durſtig geworden waren.
C
Aber auch die vorführenden Beſitzer der Hunde waren durſtig. Die Anſpannung des Tages, das viele Reden, die Aufregungen und die Gewohnheit vieler, täglich ihr Quantum Bier uſw. zu ſich zu nehmen, ließ ſie nach dem ſchäumenden Naß verlangen. So hatten die Kellner bei ihnen wie auch bei den zahlreichen Zu⸗ ſchauern viel zu tun.
Ein neben mir ſitzender Vorführer war ſehr lebhaft und erregt, denn gleich ſollte er ſeinen Hund vorführen. Es waren gerade die üblichen Aufgaben des Polizeihundes zu löſen. Sein Hund war ein prächtiges Tier. Es ſchien zu ahnen, daß es gleich dran komme, und war aufgeregt und kaum zu halten. Eben beſtellte der Herr noch ſchnell einen Schoppen„zur Stärkung“. Seinem Hund hing die Zunge zum Halſe heraus.„Aber Harras müßte auch ſchnell nochmal Waſſer haben!“ rief der Herr.„Daß auch ſo ſchlecht hier für Waſſer geſorgt iſt!“ Ich wandte ein:„Ja, für Bier iſt beſſer geſorgt. Aber die fleißigen Hunde müſſen dürſten. Geben Sie ihm doch einen Schuß Bier in den Napf!“ Die ſchroffe Antwort war: „Na, ich werde meinen Hund doch nicht dämlich machen! Der kriegt nie einen Tropfen Bier!“—— M. Gühloff.
— and dann die Vorführung ſtatt. Die Hunde hatten ſchon manche tüchtige Aufgabe gelöſt, und es
Ein Motiv, das auf rein geometrischen Erwägungen beruht, ist die Hemmung eines Turmes durch Läufer oder umgekehrt, herbeigeführt etwa durch Besetzung des Schnittpunktes der Linien eines Läufers und eines Turmes. Ein schönes Beispiel für die Ausnützung von Hemmungen ist folgende Studie: 3
ENDSPIELSTUDIE No. 53
Vvon Troĩtzki
C d
d b 8 2
b
Shhſh c
d
Weiß zieht und gewinnt
Der Läufer kann den f-Bauern von as aus aufhalten, der Turm den b-Bauern von der b-Linie aus, oder der Läufer den b-Bauern von f4 aus, der Turm den f-Bauern von der f-Linie aus. Schwarz hat die Wahl. Um nun die beiden Figuren bei diesen Aufgaben in Verwirrung zu bringen, lenkt Weiß den Turm von der fünften Reihe ab. Es geschieht dies durch Verwendung des Springers. 1. Sf2— ds. Wenn nun Lel— as so 2. b5—= b4. und gewinnt leicht. Also 1. Tdö dö. Nun 2. f6— f7. Wenn 2. Tds— f3, so 3. b6— b7, und Lcl— fX verstellt nun den Turm, und wenn 2. Lcl— as, 80 3. b5— b4, Lasxb4, 4. b6— b7, und der Läufer verstellt wieder den Turm. Man beachte, wie sehr in der ursprünglichen Stellung Bg sowohl Turm wie Läufer hemmt.
Die Motive einer Kombination können außerordentlich verwickelte sein. Sie sind verzweigt, mit einander verknüpft und verflochten. Was eint die Vielheit der Motive? Eben die Idee, die darum etwas Schöp- ferisches hat. Motive, wie etwa ein mehrfacher Angriff auf ungeschützte Steine oder ein Absperren von Fluchtfeldern des Königs, haben etwas Handwerksmäßiges, die Idee etwas Künstlerisches.
Selbst die eben bezeichneten einfachen Motive atmen Kunst, wenn sie zu dem Zwecke gebraucht werden, Felder zu erobern, die scheinbar dem Gegner gehören. Beispielsweise betrachte ich diese Studie von E. Kubbel(Aus„150 Endspiele“ des feinsinnigen Autors).
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WM, ſſh ,, 1, . 5 M ſhhhſch 4 5 h) 15 hhhhſ
a Weiß zieht und gewinnt Kontrollstellung:
Weiß: 3 Steine: Kbil, DfS, 884.
Schwarz: 5 Steine: Kbë, De?, Sc, Ba4, c6.
Der Springer kann Schach durch Abzug bieten, aber wohin soll er ziehen? Er ist nirgends, im gewöhnlichen Sinne des Wortes, geschützt — denn die Dame, die dann angreifen soll, darf ihre Zeit damit nicht verlieren, den Springer zu schützen, und ein anderer Stein ist nicht nahe vorhanden. Da hilft das Motiv, daß K und D in einer und derselben Linie schwach stehen. Folglich darf sich der Springer unge- schützt in die Linie der Dame stellen, weit von der Dame, so daß die Dame verloren geht, wenn der König den Springer schlägt. Und nun erwächst ein Gewebe von Motiven, das die Idee des Komponisten offen- bar macht, wie folgt:
1. 8g4— es Khs—gs(am besten). 2. DfS— g4 † Kgs— fa.
3. Dga- 44.†f. Kfa--Ea[am besten). 4. Dra- fi+h.———— Der Springer ist gleichsam gedeckt, da der König ihn wegen Df1— el † nicht nehmen darf. 4.————— Ke2— da. 5. Df1— di+. Kda— c,
6. Ddi— e2+ Kcs— b4. Auf Kda ginge durch Ses-— fö4 die Dame ver- loren. 7. De2— b2+ Scö— b(am besten). 8. Db2— as† und gewinnt die Dame ocder setzt matt.
74. —
Für die Schriſtleitung verantwortlich: Oscar Quint.
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