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Volk-Kunst-Wissen / für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint
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elbſt den größten Gefallen getan hat. Der Beitritt kann in der Blſt dans di en pwen Berlin SW. 61, Dreibundſtraße 5, voll⸗ zogen werden. Walter Victor.

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Der ganz einfache Menſch

Von Alired Auerbach

Mir gegenüber ſitzt eine Bauersfrau aus dem Schwarzwald.

Sie freut ſich, daß ſie plaudern kann und verſtanden wird.

Die Blicke der Stadtdamen gleiten an dem zeitloſen Hut und dem Zweckgewand der Frau überlegen herab.

Sie fühlt das, aber ſie antwortet mit keinem Blick.

Sie hält ſich an die kleine Genugtuung des Geſprächs. Gan einſam, drei Stunden Fußweg von der Eiſenbahnſtation, hauſt ſie im Tal. Ein dünner Bach fließt vom Berg herab. Waſſer muß gepumpt werden. Die Maſchine klopft Tag und Nacht.

Die Damen aus der Stadt werden aufmerkſam auf unſer Geſpräch..

Ratten wuſeln um's Haus. Nach drei erſchlagenen tauchen ſechs neue auf. 3

Die Kinder bekommen einen Preis für jede tote Ratte.

„A Mark per Schtück.“

Das Geſchäft geht gut..

Aber der Bauer wehrt ab:„Die Tiere wellet au leba.

Die Stadtdamen rümpfen die Naſe. 3.

Ich vermute, die ganz einfache Frau hat eine kleine Bosbeit harmlos verpackt. 4

Sie glaubt, ihr ganzes Leben vor mir hinzeichnen zu müſſen. Der Krieg hat auch in das entlegene Tal hineingegriffen, zwei Söhne herausgeholt— für immer..

Das erſparte Vermögen hat der Nachkrieg weggeſtohlen.

Die jüngſte Tochter muß in den Dienſt. Die Mutter ſiebt ſich nach guten Herrſchaften um...

Die Stadtdamen flüſtern mit einander. Sie möchten gern anknüpfen, aber die Frau achtet ihrer nicht.

Sie politiſiert mit mir.

Ich bin ſtarr.

Die Frau denkt fortſchrittlich.

Sie klagt über die Leut', die immer noch den Krieg anbeten. „Und fromm teant ſe au no drzue!“

Sie biegt zur Modefrage ab und meint:„Ha, des mit dene Hoor iſcht net domm, i tät mer ſe au no ronterſchneide laſſa, wenn i net z' alt drzue wär ond die kurze Röck ſend au vernenftig.“

Die Damen aus der Stadt möchten ſich brennend gern äußern, aber die Frau achtet ihrer nicht.

Sie hört, daß ich von Stuttgart bin..

„Jo, en Schtuegert han i e Mädle verlore. A liebs Kind, ſchparſam, älles hot'’s heimg'ſchickt. En jede Pfennig.'s iſcht auf im Schloßplatz von der Trambahn falſch abg'ſchprunge, an Auto hat’s überfahre. Nachts iſcht einer ins Tal komma ond hot gſait, mer tät ons telephoniſch drüba em Ort verlanga.“

Die Frau berichtet ganz ruhig.

Der Zug hält.

„Alſo adies, ond gute Reiſ' ond auf Wiederſehen.“

Die Damen plaudern vom Modetanz.

Jenal Die Verwendung der Himbeere

Himbeerſaft kann durch verſchiedene Verfahren hergeſtellt werden. Man erhitze die zu Saft beſtimmten Beeren, ſchütte ſie in ein Leinentuch oder in einen Leinenbeutel, hänge den Beutel auf und laſſe den Saft etwa 30 bis 36 Stunden lang abtropfen. Dann koche man ihn mit Zucker etwa 4 Stunde. Auf ein Pfund Rohſaft(½ Liter) rechnet man ½ Pfund Zucker. Nachdem der fertige Saft einen Tag geſtanden hat, fülle man ihn in Flaſchen, die gut verſchloſſen werden müſſen. Wenn es nicht darauf an⸗ kommt, einen klaren Saft zu gewinnen, können die Beeren auch ausgepreßt werden. In dieſem Falle bringe man den Saft gleich auf das Feuer.

Auf kaltem Wege wird Himbeerſaft hergeſtellt, indem man auf je drei Pfund Himbeeren einen Liter gekochtes und wieder erkaltetes Waſſer ſowie 40 Gramm Weinſteinſäure zuſammen⸗ rührt und die Himbeeren darin zerdrückt. Nachdem die Maſſe 24 Stunden geſtanden hat, wird ſie in einen Beutel zum Ablaufen der Flüſſigkeit getan. Der Saft wird mit 141 Pfund Zucker auf ein Pfund Saft vermiſcht, zwei bis drei Tage ſtehen laſſen und dann in Flaſchen gefüllt, die mit Mull⸗Läppchen verbunden werden. Schaum, der ſich vor dem Einfüllen bildet, wird entfernt. Dieſe Art der Herſtellung iſt jedoch wenig zu empfehlen, da der Saft leicht in Gärung übergeht.

Ein vorzüglicher Zuſatz zum Trinkwaſſer iſt Himbeereſſig, der auf folgende Art hergeſtellt wird: Auf vier Pfund Himbeeren gieße man einen Liter Weineſſig und laſſe ſie damit 24 Stunden zugedeckt ſtehen; dann drücke man beides durch einen leinenen Beutel, vermiſche den ausgepreßten Saft mit zwei Pfund Zucker uend laſſe ihn kochen, bis er nicht mehr ſchäumt. Nachdem der Himbeereſſig 24 Stunden geſtanden hat, fülle man ihn in aus⸗ geſchwefelte Flaſchen.

Himbeergelee wird zunächſt wie Himbeerſaft behandelt. Man ſetze jedoch den Saft ſofort nach dem Austropfen auf das Feuer, und füge unter ſtetem Rühren auf je ein Pfund Saft ein Pfund

Zucker hinzu. Wenn der Saft zu kochen anfängt, nehme man ihn vom Feuer, laſſe ihn ½ Stunde ruhig ſtehen, befreie ihn von der ſich bildenden Haut und fülle ihn in Gläſer. Nach 48 Stunden bedecke man das Gelee mit Salizylpapier und binde die Gläſer zu.

Zu Himbeermarmelade verwende man ungewaſchene oder nur ganz leicht gewaſchene Beeren, weil die Näſſe der Haltbar⸗ keit der Marmelade von Schaden iſt. Ein Pfund Früchte erfordert ein Pfund Zucker. Man bringe den Zucker zum Kochen, ſchäume ihn ab und gebe die Früchte hinein. Dann nimmt man beides vom Feuer, rührt bis zum Erkalten und fülle es in Gläſer. Ein ganz vorzüglicher Brotaufſtrich!

Schach⸗Ecke

Die Schachecke wird bearbeitet von J. Bruchhäuſer, Frankfurt a. M., Waldſchmidtſtraße 29, wohin auch alle Zuſchriften und Löſungen zu ſenden ſind.

Schachſpiel und Arbeiterſchaft

Die Berliner Genossen veranstalteten eine Rundfrage über dieses Gebiet deren Ergebnis in der Festschrift des Osterturnieres niedergelegt ist. Viels Antworten darauf sind interessant; heute wollen wir die von Erich Mlülhsam hervorheben. Er schreibt:

„In einer vernünftigen, d. h. sozialistischen Gesellschaft wird die Arbeit nicht mehr wie unter dem kapitalistischen Wirtschaftssystem eine lebenszer- rüttende Qual sein, sondern ein Bestandteil des einheitlich geführten und Anpfundonen⸗ den Geist erhöhenden Lebens selbst. Das Spiel, diese in allen Gesellschaftsformen wichtige Erholungs-Massage des Geistes, wird dann oeben- falls erst zu seiner eigentlichen Aufgabe kommen, dem natürlichen Bedürfnis der Menschen nach Heiterkeit und Geselligkeit zu dienen. Heute müssen Spiel und Sport dem Proletarier helfen, die Elastizität des Körpers und des Geistes zu bewahren, die die scheußlichen Methoden der kapitalistischen Produktion aufreiben. Die Beschäftigung mit Wissenschaften, Künsten, Sport und Spiel ist daher für den Arbeiter ein Akt der Selbsthilte gegen das Bestreben der be- sitzenden Klasse, ihn zu einem willen- und widerstandslosen Ausbeutungs- mechanismus zu erniedrigen.

Keino Tätigkeit in den Freistunden des Proletariers ist so geeignet, gleich- zeitig das Bedürfnis nach Geselligkeit und Spiel zu befriedigen und die(ielenkig- keit des Geistes zu ilben, wie das Schachspielen mit Klassengenossen. Der hohe Wert des Schachspiels gerade für den Arbeiter liegt nicht nur in dem Charakten des Spiels, das nahezu ganz die gleichen Aufgaben stellt wie die Kunst der Strategie: richtige Abschätzung der eigenen wie der gegnerischen Kräfte, Aus- nutzung materieller oder positioneller Schwächen des Gogenspielers, aggressive oder defensive Taktik je nach Lage des Spiels und psychologische Beurteilung des Partners; der Wert liegt zugleich darin, daß das Schachspiel eine so stacke Konzentration der Gedanken verlangt, dab hier neben der Ablenkung von allem Elend im Betrieb und von allen Sorgen des Privatlebens, die jeder Soor bietet, die Denkfähigkeit in demselben Maße gesteigert wird, wie das sonst nur die intensive Beschäftigung mit wissenschaftlichen Problemen zustande bringt. Dabet kommen die natürlichen Eigenschaften des Menschen auf ihre Rechnung, die dern kapitalistische Frondienst verdorren läßt oder korrumpiert: der Ehrgeiz, im Wettbewerb ohne materiellen Gewinn und ohne liebedienerisches Ausstechen des Kameraden die höchste Leistung hervorzubringen; die gesunden Affekte doer Freude über ein gelungenes Manöver auf dem Brett oder des Aergers über eine Dummheit, die einen in die vom Gegner gestellte Falle laufen ließ; endlich die Befriedigung des Gefühls darüber, daß Gewinn und Verlust bei Schach von keiner anderen Einwirkung abhängig ist als von der Schärfe und Klarheit der Ueber- legung und der Beherrschung der Nerven. Das Schachspiel bedeuteot zwar eine Anstrengung des Geistes, aber diese Anstrengung hinterläßt keine die Aktivitäb des Menschen lähmende Erschöpfung, sondern im Gegenteil das Empfinden erhöhter Klarheit und Regsamkeit.

Bedingung der für die ganze Arbeiterklasse nittzlichen Auswirkung des Arbeiter-Schachspiels scheint mir das unbedingte Festhalten an dem Grundsatz, daß die Proletarier auch ihr Spiel als kämpferische Klassenange- legeonheit betrachten. Wettkämpfe zwischen proletarischen und bürgerlichen Schachvereinigungen müssen ebenso unmöglich bleiben, wie die Degradierung des Arbeiterschachs zu einer Erwerbsquelle. Sonst wird der Ehrgeiz des prole- tarischen Schachspielers auf klassenfremde Spekulationen abgelenkt und sein Kampf gegen die Ausbeuterklasse, dessen er auch beim Spiel eingedenk bleiben soll, gerät in Vergessenheit. Das Schachspiel sei dem Arbeiter keine Spielerei mit dem Kampf, sondern ein Kampfspiel und ein Symbol des revolutionären Klassenkampfes.— Schach der Bourgeoisie!“

Partie Nr. 30

Gespielt im Internationalen Arbeiter-Schachturnier 1927. Mannschaftshaupt- turnier, 8. gegen 6. Kreis.

Weit: Knothe(Gera). Schwarz: R. Bär(Dresden). 1. c2²-— 4, G7— 5; 2. g2— g3, Sb8— c6; 3. b2— b3, Sg8— f6; 4. Lfl— gê, g?— g6; 5. Lcl.— b.(In der Turnierpraxis verschwindet das Doppelfianchetto immer mehr. Es ist doch zum mindesten in einem so frühen Eröffnungsstadium sehr fraglich, ob die Lüufer nier am besten stehen.) 5... LfS— g7; 6. Sgl— 1f3, 0—0; 7. 0— 0, d?— d'; 8. da— d3, Le8— d7; 9. Sb1— d.(Hier war h3 nebst Khz notwendig.) 9..„ Dd8— c8; 10. Tfl el, Ld— h3; 11. Sfs— gö? Lh3.; 12. Kg1 α ½, h7-— h6; 13. 8g5— f. (Weiß ist aus dieser Operation mit einer geschwächten Königsstellung hervor- gegangen.) 13..„ a7— a6; 14. Tal— b1, e7— eö.(Bevor man Flankenangriffe unternimmt, soll man sich in der Mitte sichern.) 16. Sd— e4.(Kommt dem Schwarzen entgegen. Schwarz plante sowieso f5.) 16... Sf6— es8; 17. 8e1— e3, Se8— 7; 18. Sc3— a4.(Sdö scheitert an S.db nebst Sb4.) 18.„Dc8-— d8; 19. Sf8— d2, b7— b5; 20. Sa4— c3, DdS d7; 21. Sd-— fl, f7— 15; 22. 02—3, 15— f4: 23. f2— f3, TfS— f7; 24. e3 α 4, cöα 4; 25. g3— g4, h6— h5; 26. h2— h3, hö g4. (Weiß kann Schwarz die h-Linie kaum streitig machen. Das Eindringen auf dieser Linie dürfte aber entscheiden.) 27. h3. 4, Dd⁴?— d8; 28. Ddl— d, Lg7— da. 29. Se3— e2, DdS8— h4; 30. Sez² dd, Tf7— h7.(Ein korrektes Figurenopfer. Auf 31. Seꝰ folgt zunächst Se6t mit der Drohung 8g5. Schlägt aber Weiß mit dem S auf 14, so geschieht einfach Dhi† mit Thaf, und Schwarz bekommt die D fürn † und 8. Folgt aber D« f4, so erhält Schwarz durch Dhi† nebst Se5 Gewinn- stellung.) 31. Tel— e4.(Befreit die Dame aus der unglücklichen Lage.) 31...„ c5 dd; 32. Lb dA, Sc6 dd; 33. Te4*d, Sc7- e6; 34. 1d4 do, Tas8-— e8.(lüs gibt keine Rettung mehr für Weiß.) 35. Tbl— el.(Ls ist schon einerlei, was Weit spielt.) 35... Dh4— h1 †; 36. Kg2- f2, Thi— haf; 37. Sfl xh2, Dhi h †; 38. Kf- fI, DH2d?; 39. Tel et, Tes 6; 40. †⁴ô ν 6, Dd2 d; 41. Kfl- fg, be4 ¼α ⁴; 42. b3% 4, Kgs- fl; 43. Te6— e4.(Weiß gab dann nach weiteren belang- losen Zügen auf.)(Anmerkungen von K. Bür.)

Spvielabende des Arbeiter⸗Schachklubs Frankfurt a. M. Abt. 1(Innenstadt): Montag, Hotel„König von Lngland“, Battonstraße 68. Abt. 2(Riederwald): Mittwoch bei Blank.

Abt. 3(Bockenheim): Mittwoch,„Zum Freischitz“, Leipziger Straße 64. Abt. 4(Bahnhofsviertel): Donnerstag,„KRegenbogen““, Gutleutstraße. Abt. 5(Nordend): Freitag bei Walter, Weberstratse 84.

Abt. 6(Rödelheim): Mittwoch bei Geyer, Lschborner Landstraße.

7(Boruheim): Mittwoch bei Pauly, Germaniastraße 49.

8(Niederradh: Samstag, Sportpiatz der Lreien Turner, Halmstraſze. 9(Sachsenhausen): Dienstag bei Adrian, Affentorplatz.

Abt. 10(Gallusviertel): Mittwoch bei Israel, Franken-Allee 234.

Für die Schriſtleitung verantwortlich: Oscar Quint.