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Volk-Kunst-Wissen / für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint
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oder wenigſtens nicht verboten hatte, ließ man ſich auch durch des Kaiſers Willen nicht nehmen. Maskenverbote tauchten frei⸗ lich immer wieder auf, ſo im Jahre 1399, dann wieder dies⸗ mal in Paris im Jahre 1509, wo nicht nur die Träger der Masken, ſondern auch die, die Masken angefertigt und verkauft hatten, beſtraft und die Maskenanzüge ſelbſt öffentlich verbrannt wurden. Doch das half ebenſowenig als einſt Kaiſer Karls Ver⸗ bot. Die paar luſtigen Tage vor den langen Faſtenwochen ließ man ſich nun einmal nicht verbieten, und dabei iſt es bis heute geblieben..

In jedem Land trieb der Faſching ſeine eigenen bunten Blüten. In Belgien hatte man ſeinen Spaß daran, Rieſen⸗ ſiguren, Rieſenſchiffe und ⸗tiere in den Umzügen mitzuführen, ein Brauch, dem man auch jetzt noch, ebenſo wie in Frankreich, treu geblieben iſt. In Madrid wieder gab es diereina cuaresma zu ſehen. Eine Puppe in Geſtalt eines alten Weibes mit einem Kranz von Sauerampfer und Spinat auf dem Kopf und ſieben langen mageren Beinen, die unter dem Geſang von

Trauerliedern die Trauer galt dem Ende des Faſchings

durch die Straßen gezogen wurde. Damit war der Spaß aber noch lange nicht zu Ende, denn die ſieben langen Beine der alten Dame verſinnbildlichten die ſieben Faſtenwochen, und ſo hatte man den Brauch eingeführt, die Puppe nach beendetem Karneval irgendwo öffentlich aufzuſtellen und ihr jede Woche eines ihrer Beine abzuſchneiden. Am Karſamstag wurde ihr dann das letzte Bein genommen und der übrige Reſt unter dem Jubel des Volkes in tauſend Stücke zerriſſen.

Im Mittelalter, als das Karnevalstreiben ſeine Hochblüte erlebte, ſchuf die Freude am groben Schabernack allmählich einen neuen Brauch: das Faſtnachtsſpiel. Es begann damit, daß junge Leute, zur Unkenntlichkeit vermummt, zu ihren Freunden oder in Wirtshäuſer gingen und dort kurze Szenen aufführten, wofür ſie kleine Geſchenke erhielten. Die Szenen waren freilich von einer Derbheit, die kaum zu überbieten war, aber die Späße gefielen ſo, daß man nach und nach zu Aufführungen überging, die bereits in dramatiſcher Form irgendeine komiſche Begebenheit darſtellten. Am beliebteſten waren hierbei Szenen aus dem Bauernleben, bei denen möglichſt viel geſtritten und gerauft wurde. Natürlich bemächtigte ſich bald auch das fahrende Volk der Aufführung dieſer Faſtnachtsſzenen, aber die Künſte der Gaukler und Poſſen⸗ reißer waren ebenſo einfach wie roh und unanſtändig, doch be⸗ gannen ſie wenigſtens ſchon, ſich zu den Spielen in die Perſonen zu verkleiden, die ſie darzuſtellen hatten. Die Bürger in den Städten hatten ſchließlich aber doch das Bedürfnis, in dieſen Spielen etwas anderes und beſſeres zu ſehen und zu hören, als die Gaukler es bieten konnten. So entſtanden jene Faſtnachts⸗ ſpiele, die, von Meiſterſingern verfaßt, den alten Scherzſpielen allmählich eine andere Wendung gaben. Zuerſt waren zwar auch dieſe noch derb genug; was uns von dem erſten dieſer Meiſter⸗ ſinger des 15. Jahrhunderts, Hans Roſenplüt, bekannt iſt, ſtellt noch eine recht dürftige Miſchung von Zoten und ſchlechten Witzen aller Art dar. Allein dann tauchte Hans Sachs auf, der den Faſt⸗ nachtsſpielen endlich wirklichen

Humor und einen originellen Leinenband 3 Mark. Verlag von Quelle& Meyer in

Inhalt verlieh. Aus dieſen tnuchteielen des Hans Sachs iſt dann nach und nach das Luſtſpiel entſtanden, das mit der Faſt⸗ nacht nichts mehr zu tun hatte, und ohne das ſich heute kein Theater mehr denken läßt.

Leben und Treiben in einem Dorſe der Steinzeit Von Dr. G.

Es wird vielfach angenommen, der Menſch der vorgeſchichta⸗ lichen Zeit habe ſich mit Vorliebe im Urwalde aufgehalten und verborgen. Das iſt ein Irrtum; denn der Urwald iſt ungaſtlich und üghe nicht einmal unſtet ſchweifenden Jägerhorden den

Schwantes*)

notdürftigſten Unterhalt. Sowohl der afrikaniſche als auch der aſiatiſche Urwald iſt leer von Menſchen.Der Stille entſpricht die Ode der Wälder, ſagt Brehm.Wer ſich der Hoffnung hingeben

wollte, in ihnen ein friſchfröhliches Jägerleben führen zu können,

würde ſchmerzlich enttäuſcht werden. Meilenweite Strecken er⸗ ſcheinen oder ſind, mindeſtens zeitweilig, ſo tierleer, daß der Forſcher wie der Jäger verzweifeln möchte. Mitunter ſpurlos leer, oder beſſer geſagt: zum Verhungern leer findet Middendorf die Urwälder Sibiriens. Wäre Deutſchland ganz von Urwäldern bedeckt geweſen, wie gemeinhin angenommen wird, ſo wäre die dichte Beſiedlung in der Steinzeit und die verhältnismäßig hohe Kultur dieſer Periode undenkbar. Gerade der bunte Wechſel von Wald, Steppe, Heide und Moor hat die ſteinzeitlichen und ſpäteren Anſiedler in unſer Vaterland gelockt. Den offenen Landſtrichen folgend, drangen ſie bis ins Innere vor; auf dem waldloſen einſtigen Steppen⸗ und Tundraboden lagen ihre Anſiedlungen. Mit der trefflichen Steinaxt fällte man die Bäume am Rande des von geheimnisvollem, Grauen erregenden Dunkel erfüllten Ur⸗ waldes, der Heimat böſer Geiſter.

Die zugerichteten Stämme ſenkte man als Pfoſten in die Erde. Ein Rutengeflecht, das mit Lehm beworfen ward, bildete die Wand. Noch heute deutet dieſer Name auf jene Bauart, die noch immer hier und da auf dem Lande angewandt wird; dennWand hängt zuſammen mitwinden. Der Innenraum der Hütte war vielfach vertieft; nicht ſelten findet man nur dieſe Vertiefung, eine ſogenannte Wohngrube. Oft liegen dieſe meiſt runden oder un⸗ regelmäßigen Gruben, deren Größe, Tiefe und Geſtalt ſehr wechſelt, in Menge beieinander und bezeichnen die Stätien ehe⸗ maliger Dörfer. Aſchen⸗ und Kohlenreſte, geſchwärzte Erde, Un⸗ maſſen von Topfſcherben, Steingeräte, Tierknochen und andere Reſte der Mahlzeiten bilden die Füllung der Gruben. Oft liegen

*) Dieſe anſchauliche und lebendige Schilderung entnehmen wir dem weitverbreiteten, jetzt ſchon in 4. Auflage vorliegenden WerkAus Deutſchlands Urgeſchichte. Auf Grund genaueſter Kenntniſſe gibt der Verfaſſer hier eine allgemeinverſtändliche, friſch geſchriebene Darſtellung der deutſchen Mgeſchicte. In

eipzig.

heute kaum faßliche Schwierigkeiten zu überwinden. Es war in der Entwicklung begründet, daß man zunächſt verſuchte, den elek⸗ triſchen Lichtbogen, den der große engliſche Phyſiker Humphrey Davy 1813 entdeckt hatte, für dieſen Zweck auszunutzen. Vor allem verurſachte das ungleichmäßige Abbrennen der Kohlekerzen und das Abreißen des Lichtbogens großen Verdruß. Dazu kam, daß man anfangs nicht mehrere Lampen im gleichen Stromkreis brennen laſſen konnte.

Der erſte, der dieſe Schwierigkeiten praktiſch überwand, war

der in Paris lebende ruſſiſche Ingenieur⸗Offizier Jablochkoff. Schon vor ihm hatten andere Männer verſucht, durch ähnliche Vorrichtungen, wie ſie die heutigen Bogenlampen aufweiſen, die abbrennenden Kerzen in immer gleichen Abſtand voneinander zu halten. Es gelang Jablochkoff, ſeinen Kerzen eine Form zu geben,

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erſtenmal auch in Berlin bei einer Illumination verwendet.

Die Nachteile der Jablochkoff⸗Kerze wurden bei ſpäteren Konſtruktionen, die wieder andere Wege gingen, überwunden. Die modernen Bogenlampen erfordern nur eine geringe Wartung. Sie arbeiten ſelbſttätig und mit großer Sicherheit und über⸗ fluten Straßen und Plätze mit Tageshelle. Der Weg vom Kien⸗ ſpan zum ſonnenhellen Bogenlicht erſcheint faſt wie ein Symbol der Menſchheit, die ſeit Jahrtauſenden aus dem Dunkel zum Licht aufwärts ſtrebt.

Trude der neue Modetanz

Amerika will die Alte Welt wieder einmal mit einem neuen Produkt ſeiner Tanzkunſt beglücken. Der neue Tanz, von dem behauptet wird, daß er ſowohl den Charleſton als auch den Black Bottom verdrängen ſoll, heißtTrude Er ſoll nicht ſowahn⸗ ſinnig ſein wie die beiden erſten Tänze, er iſt zu Ehren der Meiſterſchwimmerin Gertrud Ederle komponiert.Trude ſoll eine Art äſthetiſcher Paraphraſe des Schwimmens darſtellen. Alle Bewegungen und Figuren des neuen Tanzes ſollen die ſchneidige Grazie deramerikaniſchen Undine, wie Gertrud Ederle jen⸗ ſeits des Ozeans genannt wird, nachahmen. Die Arme werden geſchwungen wie im Kampfe mit den Wellen, die Füße harmoniſch bewegt. Der Trude⸗Tanz verdankt ſeine Entſtehung den Film⸗ aufnahmen, die von dem Flugzeug, das Gertrud Ederle begleitete, hergeſtellt worden ſind. Er ſoll eine Verherrlichung der ſport⸗ treibenden Frau des 20. Jahrhunderts darſtellen und neue Schön⸗ heiten der weiblichen Bewegungen enthüllen. Kein Geringerer als Irvpin Berlin, der gefeierte amerikaniſche Tanzkomponiſt, ſoll in der Muſik des neuen Tanzes einen neuen künſtleriſchen Aus⸗ druck für die Darſtellung der ſchwimmenden Frauenſchönheit ge⸗ funden haben Es iſt das bewährte Rezept ſchmachtender ameri⸗ kaniſcher Tanzmuſik: melancholiſche Sehnſucht nach Floridas Strand, Mondſchein, ſchöner Garten auf einer Inſel. Der Char⸗ leſton iſt tot, es lebe dieTrude!

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