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Die wahre Lehre von der Wiedergeburt, wurde in einer Gast-Predigt, … zu Laubach Anno 1739. den 24. May. am Fest der Heiligen Dreyeinigkeit … in der Stadt-Kirche zu Laubach / abgehandelt, gehalten, und dem Drucke überlassen von Johann Valer. Ludwig Nieder
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22 Die Lehre von der Wiedergeburt.

wenn ſie ſich nemlich daher, daß ſie vormals in ihrer Kindheit getaufft, durch die Tauffe wiedergebohren, und des geiſtlichen Lebens theichafftig gemacht worden, anſehen als wiedergebohrne Leute, die noch jetzo im Stand der Wie⸗ dergeburt lebten, ob ſie gleich keine Fruͤchte und Wercke der Wiedergeburt in ihrem Leben zeigen und bringen, und eben damit beweiſen, daß, da ſie ehe⸗ mals in der heiligen Tauffe wiedergebohren worden, ſie doch nichtim Stande der Wiedergeburt ſtehen geblieben, ſondern daraus 1 ſeyn; denn es iſt

jetzo nicht die Frage, ob man in der Tauffe wiedergebo nd ein Kind GOt⸗ tes worden; denn das wird ohne Wiederſpruch zugeſtanden, ſondern es iſt die Frage, ob man auch nachgehends ein Kind GOttes und in der Wiedergeburt geblieben, und ob man noch jetzo in derſelben ſtehe. Was hilffts, wenn man JEſum in der Tauffe durch die neue Geburt von oben ogen, und dadurch die Rechte der Kinder GOttes gewonnen? wenn man uun durch muthwillige Suͤnden wieder ausgezogen, und dadurch die Vorrechteer Kinder GOttes wieder verlohren. Was hilffts, daß GOtt durch die Wiedel heburt einen Bund mit uns aufgerichtet, darinnen er verſprochen, unſer lieber Batter zu ſen, und darinnen wir verſprochen, daß wir uns als gehorſams Kind en ihn verhal⸗ ten wollen, wenn man das Verſprechen gebrochen, G Ott de Gehorſam auf⸗ geküͤndiget, und ſich dem Satan ſamt der Suͤnde, welchen man in der Tauffe aufs nachdruͤcklichſte abgeſaget, zum Gehorſam dargeſtellet? Kan wohl. ein Deſer⸗ teur, wenn er zur Straffe gezogen werden ſoll, ſich auf den Eyd beruffen, den er gebrochen? Kan er wohl bey der Fahne, die er treuloß verlaſſen hat, Schutz ſuchen? Wie kan denn einer, der ſeinen Tauf⸗Bund ubertretten, und ihn 8 nie durch wahre Buſſe wieder erneuret hat, ſich ſeiner Tauffe ruͤhmen? Wie

er dieſelbe als einen Beweiß ſeiner Wiedergeburt anfuͤhren? Wie kan er die Hof⸗ nung ſeiner Seligkeit darauf gruͤnden? Wie kan er hintretten, Todt, Teufel und Hoͤlle gleichſam trotzen, und ihnen einmal uͤber das andere ins Angeſicht ſingen; ich bin ein wiedergebohrner getauffter Chriſt! wird nicht der Satan in der Todes⸗ Stunde ſeiner wieder ſpotten und ihm ins Angeſicht ſagen: du magſt ein getauff⸗ ter Chriſt ſeyn, oder ein beſchnittener Jude, oder ein unbeſchnittener Heyde, gnug, daß du in deinem Leben ein Ubelthaͤter geweſen. Empfange nun den Sold dei⸗ ner Suͤnden, und laß dir gefallen mir Geſellſchafft zu leiſten in dem Pful, der mit Feuer und Schwefel brennet.

Darum, ihr Lieben, ſoll euch geholffen, wollet ihr aus eurem unſeligen Zuſtand errettet, und in den ſeligen Zuſtand der Wiedergeburt verſetzet werden; ſo neh⸗ met folgende Stuͤcke in acht: 2

Betruͤbet euch hertzlich daxuͤber, daß ihr bißher Sclaven des Sans ge.

gs weſen;