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Die wahre Lehre von der Wiedergeburt, wurde in einer Gast-Predigt, … zu Laubach Anno 1739. den 24. May. am Fest der Heiligen Dreyeinigkeit … in der Stadt-Kirche zu Laubach / abgehandelt, gehalten, und dem Drucke überlassen von Johann Valer. Ludwig Nieder
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Die Lehre von der wiedergeburt. 21

daß man auch wircklich von allen Suͤnden ablaſſe, und durch ſeine Aufrichtig⸗ beit die Reue bezeuge, welche Paulus 2. Timoth. II. 13. nennet; ein Abtret⸗ ten von der Ungerechtigkeit. Da man die Partheh der Sunden und des Sa⸗ tans, dem man bißher gedienet, verlaſſet, ſo daß man keine einige Suͤnde mit Vorſatz und Wohlgefallen mehr vollbringe auch gegen alle ſuͤndliche Neigun⸗ gen ernſtlich ſtreite, di Gelegenheiten zu ſundigen fliehe, auch nach Moͤglich⸗ keit den Schaden e den man durch die begangene Suͤnden verurſachet. Das

9te Kennzeichen iſt ein ernſtlicher Kampf gegen die Suͤnde/ die welt und den Teufel/ und derſelben Ulberwindung. Denn wer von GOtt gebohren iſt, uͤberwindet die Welt, und unſer Glaube, welcher in der Wiedergeburt gewintet worden, iſt der Sieg, der die Welt uͤberwunden hat.

n endlich iſt die Liebe zum Creutz und Leiden/ demſelben. Denn ſo ſagt Paulus Hebr. XII. 5e⸗ro. ſo ihr die Zuchtigulſg erdultet/ ſo erbeut ſich euch GOtt als Kindern. Wenn man noch mehuce Kennjeichen der Wiedergeburt zu leſen verlanget, ſo darff man nur den IMhannem in ſeiner erſten Epiſtel nachſchlagen und leſen, ſo wird man noch mehrere Kennzeichen der Wiedergeburt daſelbſt finden koͤnnen.

Anwendung.

As waͤre denn alſo die Lehre von der Wiedergeburt; nun iſt nichts noͤ⸗ thiger, als daß ein jeder ſo viele Treue und Liebe gegen ſeine eigene 9 Seele beweiſe, und ſich nach dieſen Kennzeichen unterſuche, ob die wah⸗ re neuf Geburt auch bey ihm zu Stande gekommen ſey; findet man dieſe Kenn⸗ zeichen nicht, ſo iſt das Gemuͤth und der gantze Wandel von dieſen Eigenſchaff⸗ ten noch weit entfeynet. Ach ſehet! Geliebte, wie die Wiedergeburt eine Sa⸗ che ſeye, dietzum Aorſen des Chriſtenthums gehoͤre, und daß kein Glaube, keine Kindſchafft G Ockes, und keine Seligkeit ſtatt finden koͤnne. Es iſt dieſelbe allen und jeden, die nur ſelig werden wollen, ohne einige Ausnahm von noͤthen. Denn unſer Heyland ſagt zweymahl, es ſey denn, daß jemand von neuem ge⸗ bohren werde, jemand, er ſey wer er wolle. Gleichwie kein Menſch, auch der groͤſte Kayſerliche Printz, einen andern Eingang in dieſe Welt hat als durch die enge Pforte der leiblichen Geburt; ſo hat auch keiner keinen andern Eingang in das Reich GOttes, als durch die enge Pforte der Wiedergeburt.

Man kan daraus erkennen, was es vor ein elender nichtiger Troſt ſey, den ſich die Menſchen aus der heiligen Tauſſe machen, welche ſonſt mit recht heiſt und iſt: Das der Wiedergeburt und Eenuns des heiligen Geiſtes;

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