Die Lehre von der Wiedergeburt. 19
allen Kraͤfften, Geſchicklichkeiten und Tugenden vor einen abge⸗ ſagten Feind GOttes erklaͤret, an welchem ſeine Seele einen Eckel hat, Rom. IIX. 8. kan man nun in ſolchem natuͤrlichen Zuſtand GStt nicht gefallen, und alſo auch nicht ſelig werden: ſo iſt da⸗ hero hoͤchſt nothwendig, daß/gleichwie GOtt, der ſich mit dem Men⸗ ſchen vereinigen will, ein Geiſt iſt, er auch Geiſt vom Geiſt ge⸗ bohren, und alſo der goͤttlichen Natur theilhafftig werde.
2. Auf GOttes Seiten iſt dieſe Nothwendigkeit zu ſuchen in ſeiner weſentlichen Heiligkeit und Reinigkeit; nach welcher er ohnmoͤglich mit einem Menſchen ſich vereinigen und denſelben zu Gnaden annehmen kan der noch in Suͤnden⸗Unreinigkeit ſich her⸗ um waͤltzet, die heßliche und ſchaͤndliche Larve des Teufels an ſich traͤget, und von demſelben nach ſeinem Willen beherrſchet und re⸗ gieret wird. Hebr. XII. 14. heiſt es, ohne Seligunn kan nie⸗
mand den HErrn ſehen. Es erhellet die Nothwendigkeit der Wiedergeburt ferner
3. Weil keiner, wer er auch ſey, nach dem Ausſpruch unſeres Heylandes in unſerem Evangelio, ohne die Wiedergeburt das Reich GOttes kan ſehen, i. c. heilſamlich erkennen, und denn auch wircklich genieſſen und erfahren. Das ſind alſo die Eigenſchaff⸗ ten der Wiedergeburt. 3
Dritter Theil.
Aſſet uns noch mit wenigem die vornehmſten Kennei⸗ Wen der Wiedergeburt betrachten. Es ſind dieſelben olgende:
1. Das erſte Kennzeichen der Wiedergeburt iſt die le⸗ bendige Erkaͤnntniß der Leutſeligkeit und Freundlichkeit GOttes und Chriſti JEſu. Daher Paulus ſpricht Tit. III. 4. Es iſt er⸗ ſchienen die Leutſeligkeit und Freundlichkeit GOttes. Und Pe⸗ ein Epiſt. II. 3. Ihr habt geſchmecket, daß der HErr freund⸗ ich iſt.
2. Das andere Kennzeichen iſt der Geiſt der Kind⸗
C 2 chafft;


