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Die wahre Lehre von der Wiedergeburt, wurde in einer Gast-Predigt, … zu Laubach Anno 1739. den 24. May. am Fest der Heiligen Dreyeinigkeit … in der Stadt-Kirche zu Laubach / abgehandelt, gehalten, und dem Drucke überlassen von Johann Valer. Ludwig Nieder
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18 Die Lehre von der Wiedergeburt.

w. ſo daß man alles dasjenige, von deſſen Suͤndlichkeit man uͤberzeuget iſt, in ſeinem gantzen Wandel ableget. Je profaner nun ein Menſch vorhero in ſeinen Gebaͤrden, je ruchloſer in ſeinen Worten, je frecher in ſeinen Thaten, je Welt⸗foͤrmiger in ſeinen Sitten und liederlicher in ſeinen Geſellſchafften geweſen: deſto⸗ mehr leuchtet hernach bey ihm ſeine Veraͤnderung nach ſeiner Be⸗ kehrung jedermann in die Augen, ſo daß alle diejenige, welche die⸗ ſen Menſchen ſehen, ſich uͤber ihn verwundern muſſen, und kaum glauben koͤnnen, daß es noch der vorige Menſch ſey, weil die Gna⸗ de eine ſo groſſe Veraͤnderung in ſeinen innerlichen und aͤuſſerli⸗ chen Handlungen angerichtet hat. Die vierte Eigenſchafft der Wiedergeburt iſt

) Die hoͤchſte Nothwendigkeit derſelben; welches unſer Heyland in unſerem Evangelio bezeuget; v. 3. ſpricht er: Wahr⸗ lich/ wahrlich/ ich ſage dir/ es ſey denn daß jemand von neuem gebohren werde/ kan er das Reich GOttes nicht ſehen. Und denn v. 5. wahrlich/ wahrlich/ ich ſage dir, es ſey denn daß jemand gebohren werde aus Waſſer und Gaſt⸗ ſo kan er nicht in das Reich GOttes kommen. Nach unſerem Evangelio iſt dieſe Nothwendigkeit zu ſuchen theils auf Seiten GOttes, theils auf unſerer Seiten.

1. Auf unſerer Seiten iſt ſolche Nothwendigkeit zu ſuchen in dem abſcheulichen tiefen Verderben unſerer Natur, welches un⸗ ſer Heyland in unſerem Evangelio v. 6. mit dieſen Worten aus⸗ drucket: Was vom Fleiſch gebohren iſt/ das iſt Fleiſch. Da das Wort Fleiſch allhier dem Geiſt entgegen geſetzet wird; ſo bedeutet es näch ſolchem Gegenſatz den Menſchen, ſofern er nach der Erb⸗Suͤnde betrachtet wird. In welchem Verſtand es auch Rom. IIX. 1. 5. 6. 7. Eph. II. z. Gal. V. 19. 24. VI. 8. Gen. VI. z.

ſenommen wird. Die Veranlaſſung zu dieſer Bedeutung des Worts Fleiſch iſt wohl daher genominen, weil die Erb⸗Suͤnde durch die natuͤrliche Sonzp onnenng geſchiehet. Durch dieſes Wort Fleiſch wird der gantze Menſch nach Leib und Seele, mit

allen

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