Die Lehre von der Wiedergeburt. 6
Unvermoͤgen, das Gute zu thun, und denen fleiſchlichen Begier⸗ den zu wiederſtehen; Er hatte eine herrſchende Neigung, Liebe und Verlaugen nach ſundlichen fleiſchlichen und weſtlichen Din⸗ gen. Hingegen in der Wiedergeburt wird er aufs kraͤfftigſte zum Guten gelencket, und mit dem innigſten Abſchen, Haß und Eckel vom Boͤſen abgezogen. Er verlangt nichts mehr als die Gemeinſchafft GOttes in Chriſto JEſu, und laͤſt ſich vom heili⸗ gen Geiſt bequem machen, theils ſeinen Willen dem Willen GOt⸗ tes zu ſubmirriren, theils den befehlenden Willen GOttes un Thun und Leiden zu vollbringen. Ja es erſtrecket ſich dieſe ſo ſonder⸗ bare Reformation und Veraͤnderung auf die Einbildungs⸗ Krafft/ auf alle Affecten und Begierden des Menſchen, wel⸗ che dem Regunent des erleuchteten Verſtandes und geheiligten Willeus in der ſchoͤnſten Orduung unterworffen ſind. Ja auch in dem Temperamen und Beſchaffenheit des Leibes gehet in der Wiedergeburt eine groſſe Veraͤnderung vor. Denn obgleich das Gebluͤt und die Gaͤnge deſſelben, durch welche es getrieben wird, in der nenen Geburt nicht geaͤndert werden, ſo wird doch alles verbeſſert und geheiliget. c. gr. Ein Cholericus, der vor ſeiner Wiedergeburt hochm thig und zaͤnckiſch geweſen, auch in allen Handlungen ſeine eigene Ehre geſuchet hat, der hoͤret zwar nicht auf in der Wiedergeburt ein Cholericus zu ſeyn, aber theils wird die Unordnung, die ſeinem Temperament anhaͤngt, wegge⸗ nonnnen, theils wird der hefftige und feurige Trieb ſeiner Na⸗ tur geheiliget, und aufs Gute gelencket, ſo daß er GOtt eifrig lie⸗ bet, im Dienſt des Naͤchſten ſich gantz unverdroſſen befindet, und ſeine Ehre nur darinnen ſucht, wenn er um Chriſti willen geſchmaͤ⸗ het wird, und etwas leiden ſoll. Nebſt der Verbeſſerung des Temperaments werden auch alle aͤuſſerliche Glieder und Sinnen un Dienſte der Gerechtigkeit dargeſtellet, und alſo auch das Le⸗ een des Leibes GOtt dem HErrn gehetliget, denn die innerliche Veraͤnderung des Sinnes zeucht auch nach ſich eine Veraͤnderung der Gebaͤrden, der Worten, Sitten, Shulen. Geſellſchafften; u. ſ. w.


