Druckschrift 
Das liebreiche Einladen und holdselige Bewillkommen des Herrn Jesu bey der Bekehrung eines armen Sünders wurde in einer ... zu Laubach gehaltenen Prob-Predigt 1739 / vorgestellt und dem Drucke übergeben von Johann Valer. Ludwig Nieder
Einzelbild herunterladen

22 Das Einladen und Bewillkommen des Hrrn

nimt, daß er ihn vor ſein liebes Kind, vor ſeinen Sohn, vor ſeine Tochter erklaͤret, daß er ihm ſeinen Heil. Geiſt ſchencket, der in ſei⸗

nem Hertzen wohne, und ihn zu allem Guten antreibe.

Wer aber die Suͤßigkeit der Vergebung der Suͤnden recht ſchmecken und genieſſen will, der muß davon eine goͤttliche Gewiß⸗ heit durch den Heiligen Geiſt in ſich wircken laſſen, damit er ohne

den Wiederſpruch ſeines Gewiſſens mit aller Freudigkeit und vol⸗

ligen uͤberzeugenden Gewißheit ſagen koͤnne: ich glaube eine Ver⸗ gebung der Suͤnden; Ich glaube, daß GOtt auch mir elenden Hoͤllen⸗Brand alle meine Suͤnde vergeben und erlaſſen, daß er mich 64 Gnaden angenommen, daß er meinen Nahmen in das Regiſter ſeiner Kinder eingeſetzet, und daß mich hinfort als ſeinen Liebling tractren, und mir alle Guade und Liebe in Zeit und Ewig⸗ keit erweiſen werde. Wer nun dieſer unausſprechlichen Gnaden und Guͤte bey dem Hinzunahen zu JEſu Chriſto dem guten Hir⸗ ten gewuͤrdiget wird, ſolte der nicht von einer groſſen Seligkeit zu ſagen wiſſen, da alsdenn die lrſache alles Janmers, Elendes, Hoͤllen, Todes und Verdamniß von ihm genommen, und er mit Chriſti Gerechtigkeit bekleidet worden iſt? O Ja, in dieſem Zu⸗ ſtand hat der Menſch den Himmel auf Erden, denn wo Vergebung der Suͤnden iſt, da iſt auch Leben und Seligkeit. Inſonderheit aber iſt damit verknuͤpfft 1

III. Die Annehmung an Kindesſtatt, ſintemal die Kindſchafft GOttes unzertrennlich mit der Vergebung der Suͤnden vereiniget iſt; Da GOTT einen ſolchen Suͤnder, dem er die Schuld und Strafe erlaſſen, nun auch vor ſein Kind erklaͤret, und ihn zu Gna⸗ den annimt; Joh. I, 12. Es iſt aber dieſes nicht ein bloßer Titul und Nahine, wenn glaubige Kinder GOttes genennet werden; ſondern ſie genieſſen auch wircklich aller der Vorrechten, Privilegien und Vorzuͤgen, die nur leibliche Kinder von ihren Eltern erhalten koͤnnen. Denn GOtt thut hinfort an ſeinen Kindern alles das⸗ jenige, jg unendlich mehr, als ein leiblicher Vatter an ſeinen Kin⸗ dern. Er liebet ſie auf das allerzaͤrtlichſte und innigſte um ſeines geliebten Sohnes willen, deſſen Sinn, Muſter und Bild Man