3 Das Einladen und Bewillkommen des Bierrn
ſinniger auſſer ſich ſelbſt geweſen, bewegen laͤſſet, daß er ſein gan⸗
tzes voriges Leben, das er von Kindes⸗Beinen an biß auf die ge⸗ genwaͤrtige Stunde gefuͤhret, betrachtet und mit Ianigge⸗
theyiſchen Aug anſiehet, und erweget, theils, was GOtt an ihm
gethan von ſeiner Mutter⸗Leibe an im Geiſtlichen und Leiblichen; theils aber, wie er ſich hinwiederum gegen GOtt verhalten, und was er vor eine unnatuͤrliche Undanckbarkeit unter ſo unzehlich vielen Wohlthaten gegen ſeinen Heyland bewieſen. Da kominen denn ſolche und dergleichen Gedancken bey ihm zum Vorſchein in ſeiner Seele: Ach! ich armer Wurm, was mache ich doch? wa⸗ rum gehe ich doch der ewigen Liebe aus dem Wege? die mich ſo beweglich und mit einer ſo erbarmenden Meigung ſuchet und ver⸗ folget? warum bin ich doch dem Zuge GOttes ſo wiederſpenſtig, der mir ſchon ſo manchen Schlag bey ſo mancher Gelegenheit an mein Hertz gegeben; der mich ſo offt zur Buſſe gelocket, der mir ſo offt ſeine Guade umſonſt anbieten laſſen, ſannt ſeinem gantzen Himmelreich, wenn ich nur die Luͤſten dieſer Welt verleugnen und zu ihm kommen wolte? Ach wie bin ich bißher ſo gottloß, ſo ungehorſam der Hirten⸗Stimme meines Heylandes geweſen! wie habe ich meine Leibes⸗und Seelen⸗Kraͤffte ſo uͤbel angewendet! wie iſt mein Verſtand ſo voller Finſterniß, Irrthuͤmer, und fleiſch⸗ licher Concepten von GOtt und hättlhen Dungee wie iſt mein Gedaͤchtniß ſo voll von boͤſen und fuͤndlichen Diuhen meine Phau⸗ talic und Einbildungs⸗Krafft ſo voll von ſchaͤndlichen Bildern und ldcen, die ich eingeſamlet habe! wie iſt mein Wille ſo verkehrt und eingenommen von der Liebe zur Suͤnde, die doch die allerheß⸗ lichſte und verfluchteſte Mißgeburt des Teuffels iſt, an welcher keine Schoͤnheit anzutreffen! wie habe ich meine Glieder des Lei⸗
bes bißher zum Dienſt der Suͤnden dargeſtellt, und zu Waffen der Ungerechtigkeit gemacht meinen Schoͤpfer damit zu beſtreiten, der mir ſo viele Liebe erwieſen! das ſind lauter Wirckungen der zuvorkommenden Gnade, lauter Schritte und Tritte, die der gute Hirte nach einem armen Schaaf thut, daſſelbe aus der Irre— t


