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Das liebreiche Einladen und holdselige Bewillkommen des Herrn Jesu bey der Bekehrung eines armen Sünders wurde in einer ... zu Laubach gehaltenen Prob-Predigt 1739 / vorgestellt und dem Drucke übergeben von Johann Valer. Ludwig Nieder
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eines armen Suͤnders bey dem OErrn Jſu⸗ 2

Provident GOttes an die Hand gegeben worden. Es ift nemlich der arme Menſch von Natur ſo ſehr in den Stricken des Teufels verwickelt, er liegt ſo tief in dem Koth und Schlamm der Suͤn⸗ den vergraben, ſo verzweiffelt boͤß ſind die Wunden ſeiner See⸗ len, ſo ſehr iſt er durch die Ergetzung und vermeinte Suͤßigkeit der Suͤnden eingenommen, ſo bezaubert, gefeſſelt und bethoͤret/ daß er gar nicht an ſich ſelbſt und ſrinen elenden Zuſtand geden⸗ cket, und ſich nicht vorſtellet, was das endlich vor ein betruͤbtes und erſchreckliches Ende mit ihm nehmen werde, wenn er auf dieſem Irrwege fortgehet; ja daß er nicht einmahl ein rechtes Verlangen hat, aus ſolchem Elende ſich zu erretten, geſchweige Kraͤffte beſitzet, ſich in einen beſſeren Zuſtand zu verſetzen. Lieſſe ihn GOtt in dieſem elenden Zuſtand, Verderben und geiſtlichem Tode liegen, ſo muͤſſe er in alle Ewigkeit verlohren gehen und verdamumt werden. Allein ſeine unendliche Liebe, nach welcher er ſich die verirrte und verlohrne Schafe duͤrch ſein GOttes⸗Blut zu ſeinem Eigenthum wieder erworben und erkaufft hat, kan ſol⸗ oes nicht uͤber das Hertz bringen; ſondern treibet und beweget

ihn vielmehr, daß er uns mit der zaͤrtlichſten Erbarmung und innigſtem Mitleiden anſiehet und betrachtet, und ſich alle nur er⸗ ſinnliche Muͤhe giebet, und davon zu erretten und loßzumachen.

Diß iſt ſeine zuvorkommende und zuvorlauffende Gnade, da er ſucht das Gewiſſen rege zu machen, und an dem Hertzen des Suͤn⸗ ders zu grbeiten; da er die allererſten Bewegungen zum Guten in dem Hertzen und in dem Gemuͤthe den kraͤfftigen Eindruck gie⸗ bet, von welchem hernach das gantze Werck der Bekehrung de- pendiret. Wenn einem unter dem Anhoͤren oder Leſen des goͤtt⸗ lichen Wortes bang ums Hertze wird; wenn da ſolche Gedancken um Gemuth aufſteigen: du befindeſt dich auch noch nicht in dem rechten Zuſtand, wenn du in dieſen Umſtaͤnden ſterben ſolteſt, darin du dich jetzo befindeſt, wie wuͤrde es um deine arme Seele ſtehen, und wo wuͤrde dieſelbe hinfahren? wenn der Menſch fer⸗

ner ſich dadurch, da er bißher als ein Trunckener, ja als ein Un⸗ jnni⸗