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Das liebreiche Einladen und holdselige Bewillkommen des Herrn Jesu bey der Bekehrung eines armen Sünders wurde in einer ... zu Laubach gehaltenen Prob-Predigt 1739 / vorgestellt und dem Drucke übergeben von Johann Valer. Ludwig Nieder
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eines armen Suͤnders bey dem HErrn JEſu. 5/

Keines Menſchen Verſtand iſt capable und faͤhig, die Hoͤhe, Tieffe, Laͤnge und Breite dieſer Liebe des Heyland zu begreiffen. Er iſt in und bey ſich ſelbſt ſchon ohne uns vollkommen ſelig, und lebet in beſtaͤndigem Vergnuͤgen; und dennoch traͤgt er ſo ein bren⸗ nendes und begieriges Verlangen nach unſerer Seeligkeit, als waͤ⸗ re ihm ohne uns der Himmel zu enge, und als koͤnte er ohne uns nicht ſelig und vergnuͤgt genug ſeyn. Wie es denn eintzig und allein aus ſeiner innigen Liebe und zarten Erbarmung herruͤhret, daß er ſelbſten in ſeinem Wort ſo theuer ſchweret; er wolle nicht den Todt des Sünders; daß er ſo ernſtlich ruffet: Kommt doch her zu mir alle; daß er ſo inbruͤnſtig bittet: Gib mir mein Sohn dein Hertz; und daß er ſo wehmuͤthig und bekuͤmmert fraget/ wenn man ſeiner Lock⸗Stinnne kein Gehoͤr geben will: Ey! was hab ich dir denn gethan mein Volck, und womit hab ich dich beleidi⸗ get? Hierbey hat nun der liebe IEſus keine andere Abſichten, als unſere unartige und wiederſpenſtige Gemuͤther zu bewegen, daß wir uns aus unſerem unſeligen Fuſtand und erſchrecklichen Verderben erretten, und uns in ihm aller Seligkeit und alles Ver⸗ gnügens theilhafftig machen laſſen ſollen. So begierig nun der HErr IEſus in unſerem heutigen Evangelio denen Zoͤllnern und elenden Suͤndern in den Taden ſeines Fleiſches nachgegaggen und unter ſeinen Hirten⸗Staab zu bringen geſuchet: ſo und viel begieriger und freundlicher empfaͤnget und bewillkonnet er diejenige, die ſeiner Hirten⸗Stimmie folgen, und auf ſein Rufen ſtch bey ihm einfinden. Kein eintziger Redner, wenn er auch die beredſte Zunge haͤtte, iſt vermoͤgend dasjenige mit Worten aus⸗ zudrucken, was ein armer Suͤnder in ſeinem Hertzen erfaͤhret, wenn er zum erſtenmal in die Hirten⸗Arme ſeines Heylandes kommt, und im Glauben ſich mit ihm vereiniget. Es ſolle aber democh etwas weniges hievon in dieſer Stunde gelallet werden, da mir von gnaͤdigſter Herrſchafft gnaͤdigſt befohlen worden, uͤber ein ſchoͤnes Zeugniß der Hirten⸗Treue unſeres Heylandes aus dem Propheten Ezechiele ein Prob⸗Predint anjetzo zu halien.

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