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Die Alpenſkibindung erfordert eine beſondere Lauftechnik, die Lilienfelder Technik, über die ihr Erfinder ein ſehr tem⸗ peramentvolles, anſchauliches, aber etwas exzentriſches Buch geſchrieben hat. Die ſtarre Verlötung— wenn man ſo ſagen darf— des Fußes mit dem Brett durch eine um eine Achſe auf- und abwärts dreh⸗ bare elaſtiſche Stahlſohle, die nach der Fußlänge und Fuß⸗ breite verſtellbar iſt, verhindert ein ſeitliches Ausweichen des Fußes vollſtändig. Daher können Stürze leicht folgen⸗ ſchwer werden. Die Lilienfelder wiſſen, warum ſie nicht ſpringen. In ſteilem Gelände, wie es in Lilienfeld ge⸗ geben war, vermeidet man aber folgenſchwere Stürze am beſten durch Bogenfahren. Anſtatt die Ski gerade bergab in voller Fahrt laufen zu laſſen, laviert man den Berg in Schlangenbögen herab. Das Bogenfahren iſt aber leichter bei vollkommener Beherrſchung der Ski, die ihrerſeits durch eine ſtarre Bindung ermöglicht wird. Eine geringere Länge der Ski als die übliche iſt dem Bogenfahren gleichfalls dien⸗ lich, und ſchließlich ſind ganz ebene Laufflächen ohne die norwegiſche Längsrinne ein erheblicher Vorteil gegenüber Skiern mit Ninnen. Alle dieſe drei Merkmale hat aber der Alpenſki. Er iſt kürzer als der Telemarkſki und hat keine Rinne. Die Lilienfelder Technik des Bogenfahrens iſt alſo ohne Zweifel eine Tugend, die nur aus der Not des ſteilen Geländes und der ſtarren Bindung heraus entſtand, oder, was das gleiche beſagen will, die Nachteile der ſtarren Bindung wurden bewußt durch die Modifikation der Skiform und die Bogentechnik gemildert. Der Lilienfelder Alpenſki und ſeine Bindung ſind alſo etwas Beſonderes, aus beſonderen Ver⸗ hältniſſen herausgewachſen. Wer aber ſeine Skier einmal in voller Fahrt ſauſen laſſen will— und wen käme nicht einmal die tolle Luſt dazu an?— oder wer ſpringen will, kurz, wem die kunſtvoll geſchlängelte Fahrart als Normal⸗ ſtadium paßt, der ſoll nicht Alpenſkibindung fahren. Alteren Herren, welche ſich eine gewiſſe Vorſicht im Tempo auferlegen, iſt ſie zu empfehlen. Das Gehen in der Ebene oder bergauf, wo man den vor der Schuhſpitze hängenden Ski leicht vor ſich herſchieben kann, hat etwas überraſchend Angenehmes für ſich; noch mehr bei der Bilgeribindung, einer neueren Nach⸗
Alpenſkibindung.


