die Alpenſkibindung in das einfache kleine Wort„varruckt“ zuſammengefaßt wurde. Obwohl es jetzt ruhiger geworden iſt, ſo hat doch die unbeſchreibliche Tonart, in der andere als die allein ſeligmachende Bindung bekämpft wurde, zu dem Reſultat geführt, daß die Bindungsfrage nun ein„Blümlein rühr' mich nicht an“ geworden iſt.„Bindung iſt Privatſache.“ Das iſt nunmehr der Ausweg, den man aus Rückſicht auf die zahlreichen Bindungsgläubigen aller Bekenntniſſe geht, und der Individualismus iſt als einzig wahre Philoſophie für das Nätſel der Bindung erklärt worden. Wenn den Ver⸗ faſſer das nicht hindert, zwiſchen guten und ſchlechten Bin⸗ dungen zu unterſcheiden, ſo möge man dieſen Verſtoß gegen die jetzt übliche Bindungstoleranz entſchuldigen. Er fühlt ſich in gewiſſem Sinne verantwortlich für alle Verrenkungen und Sehnenzerrungen, die dadurch entſtehen könnten, daß er ſolchen Leſern, die erſt durch die Lektüre ſeines Büchleins zum Skilaufen kommen, nicht genügend klaren Wein über Bindungen einſchenkt, die als gefährlich bezeichnet werden müſſen.
Im allgemeinen kann man ſagen: Je ſtarrer der Fuß mit dem Brett verbunden iſt, deſto leichter kann er es lenken, aber deſto ſchwerer„kommt er heraus“, aus der Bindung nämlich, und deſto eher iſt's, beſonders für Anfänger, möglich, einmal bei einem Sturz die Sehnen zu verzerren oder einen Knöchel zu brechen. Mit der alten Meerrohrbindung, die in den neunziger Jahren, der Sturm⸗ und Drangperiode in der Kunſt des Skilaufs, die gebräuchlichſte war, ſind die wildeſten Dinge in Abfahrten und Sprüngen geleiſtet worden. Die Kühnheit war bei weitem größer, als die Fertigkeit. Aber es iſt ſelten etwas paſſiert. Man„kam eben immer heraus“, wenn man fiel. Oft ſchon vorher. Nun wird aber die Kunſt des richtigen Fallens meiſt erſt ziemlich ſpät gelernt. Sie iſt aber ſehr wichtig, beſonders jetzt, wo die loſen alten Bin⸗ dungen nicht mehr benützt werden. Sich beim Fallen ohne krampfhafte Muskelanſpannung zuſammenrollen wie ein Igel, ein möglichſt kleines Bündel aus ſich machen und ruhig fallen laſſen, was fallen will, das lernt man gewöhnlich erſt, wenn man es nicht mehr ſehr nötig hat. Der Anfänger aber ſchlägt meiſtens in zu raſcher Fahrt mit gekreuzten Skiern in voller Wucht ſteif und lang vornüber, wenn er es nicht vorgezogen hat, rechtzeitig nach hinten abzuſitzen. Sind nun die Füße ſo feſt in die Bindung eingepreßt, daß ſie ſich nicht


