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Der Hund, seine verschiedenen Zuchten und Varietäten, Geschichte seiner Verbreitung und Schicksale, Erziehung, Benutzung, Krankheiten und Feinde / von Friedrich Ludwig Walther
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b) Chroniſche Krankheiten der Hunde.

3) Kraͤmpfe. Die Hunde bleiben ſtehen, winſeln, der Leib wird krampfhaft eingezogen, ſie fallen auch uͤbern Haufen. Ein Loͤffel reines Baumoͤhl eingeſchuͤt⸗ tet, oder einen Biſſen friſche Butter in den Rachen ge⸗ ſteckt. 4) Schwindel. Sie bekommen ihn leicht, wenn ſie unter dem Ofen liegen. Man muß alſo dieſen un⸗ ten mit einem Gitter einzaͤunen.

5) Kopfweh, 6) Schlafſucht,) Lungen⸗

und Waſſerſucht. Sind gewoͤhnlich mit einander

verbunden und das Ende alter, viel gebrauchter Huͤh⸗ nerhunde. Oder es ſchwellen ihnen alle Druͤſen an, auch das Scrotum, ſo daß ſie nicht mehr gehen koͤn⸗

nen. Hier iſt keine Rettung mehr moͤglich. Man mache ihrem Leiden ein Ende.

In Polen ſind die Hunde(auch Fuͤchſe und Woͤlfe) dem Weichſelzopf Plica polonica unterworfen. Vor dem Ausbruch deſſelben haben ſie viel zu leiden, wie ihre Geberden und Geſichtszuͤge beweiſen. Viele Hunde werden deswegen umgebracht, weil ſie dann faſt alle Zeichen der Hundswuth bekommen. Sie tra⸗ gen den Schwanz haͤngend zwiſchen den Fuͤſen, der Mund ſchäumt. Sie bellen nicht, beiſſen alle Leu⸗ te*), ſelbſt ihre Herrn, freſſen nichts, ſcheinen blind zu ſeyn, rennen an alle Waͤnde an. Nur vor Waſſer fuͤrchten ſie ſich nicht. Sie ſaufen vielmehr in dieſer Krankheit ſehr Viel. Endlich bricht unter Convulſionen der Weichſelzopf aus. Wenn ſie einen Hund auch nur von Weitem ſehen; ſo fangen ſie an zu bellen, wagen

es aber nicht auch nur den kleinſten Hund anzupacken.

Entſteht aber ein Streit und ſchuͤttelt ihn der Andre beim Weichſelzopf; ſo bekommt er auf der Stelle Convulſionen, die oft 2 Tage anhalten. Nach und nach freſſen ſie wieder, bleiben aber melancholiſch, bis nach etlichen Monaten der Weichſelzopf abfaͤllt. Er kommt aber mehmahls wieder, und toͤdtet.

*) Aber der Biß eines ſolchen Hundes verurſacht nicht die Hundt⸗ wuth. 4 4

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