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Der Hund, seine verschiedenen Zuchten und Varietäten, Geschichte seiner Verbreitung und Schicksale, Erziehung, Benutzung, Krankheiten und Feinde / von Friedrich Ludwig Walther
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ſie aber, ſo wie uͤber den Verluſt ihrer Freiheit, fuͤrch⸗ terlich heulen. Ihre Nahrung beſteht blos in Fiſchen, beſonders in Fiſchaas: denn die Fiſche werden zu Tau⸗ ſenden in Gruben geworfen, und mit Stroh und Bret⸗ tern zugedeckt, Im Winter bekommen ſie gefrorne und getrocknete Fiſche. Brod ruͤhren ſie nicht an. Iſt das

iieſende Waſſer zugefroren; ſo loͤſchen ſie den Durſt

mit Schnee oder Eis. Vor der Reiſe fuͤttert man ſie gar nicht, und wenn ihre Station zu Ende iſt; laͤßt man ſie erſt eine Stunde ausruhen. Haben ſie 5 bis 6 Tage hinter einander, taͤglich 40 bis 50 Werſte zu⸗ ruͤckgelegt; ſo giebt man ihnen einen Tag Raſttag, wo ſie reichlich gefuͤttert werden. Sind die Hunde gut dreſ⸗ ſirt; ſo duͤrfen ſie auch beim groͤſten Hunger ſich nicht an ihren ledernen Riemen vergreifen. Sonſt ſind ſie Erzdiebe, zeigen wenige Anhaͤnglichkeit an ihren Herrn, und ſind auch nicht wachſam. Ihre Brauchbarkeit be⸗

ſteht blos im Ziehen. Die Poſtſtationen ſind 30, 40

bis 50 Werſte von einander entfernt. Fuͤr einen Rei⸗ ſenden und ſeine wenige Equipage iſt ein Poſtſchlitten mit 6 Hunden erforderlich. Vor ihm faͤhrt ein Kamt⸗ ſchadale ebenfalls in einem ſechsſpäannigen Schlitten mit dem Reſt der Equipage, und dieſer fuͤhrt die Hun⸗ de wieder zuruͤck. Sechs Hunde koͤnnen einen Schlit⸗ ten von 640 Pfund bei guter Bahn mit Leichtigkeit fort⸗ ziehen, und mit den gewoͤhnlichen Poſthunden legt man in einer Stunde 10 bis 12 Werſte(7 auf eine teutſche Meile), und mit den beſten Rennhunden wohl 15 20 zuruͤck. Gewoͤhnlich laufen ſie Trab, und

zwar ſehr gleichfoͤrmig, und man reiſet mit Poſthun⸗

den Tag und Nacht. Geleitet werden ſie blos mit Worten. Voran geht der Leithund, auf dem Alles be⸗ ruht. Er gehorcht dem Commando des Fuͤhrers, daher wird er auch mit 140 bis 150 Rubeln bezahlt, die ge⸗ woͤhnlichen Zughunde mit 30 bis 40. Dieß macht die Hundezucht in Kamtſchatka wichtiger als die Pferde⸗

zucht, nicht allein weil die Hunde da zu brauchen ſind,

wo die Pferde es nicht ſind, ſondern auch, weil ſie keines Heues noch Hafers beduͤrfen, im Fruͤhjahr, Sommer und Herbſt ihr Futter ſelbſt ſuchen, im Win⸗

ter aber blos mit Fiſchen vorlieb nehmen, und gar

keiner beſondern Pflege beduͤrfen. Das nothwendigſte