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Der Hund, seine verschiedenen Zuchten und Varietäten, Geschichte seiner Verbreitung und Schicksale, Erziehung, Benutzung, Krankheiten und Feinde / von Friedrich Ludwig Walther
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Bei vielen Voͤlkern erſetzt der Hund das Rindvieh, indem er geſchlachtet und geſpeiſet wird. Gut zuge⸗ richtet ſoll Hundefleiſch von Hammelfleiſch kaum zu un⸗ kerſcheiden ſeyn. Schon in den aͤlteſten Zeiten man es in Carthago, in Griechenland, und in Rom. Noch heut zu Tag werden Hunde zu dieſem Behuf auf der Goldkuͤſte in Africa gemaͤſtet. Eben dieß geſchieht in Angola. Nach Haſſelquiſt halten die Aegiptiſchen Frauenzimmer junge gekochte Hunde ſehr hoch, weil dieſe Speiſe ihnen eine aufgedunſene ſchlaffe Fettigkeit verſchafft. die nach ihren Vorurtheilen zu einer weibli⸗ chen Schoͤnheit gehoͤrt. Auf dem Thuͤringer Wald haͤlt der gemeine Mann Hundefleiſch fuͤr ſehr geſund, be⸗ ſonders fuͤr Auszehrende. b

Die Illinois in Amerika eſſen ebenfalls Hundefleiſch, und es iſt die vornehmſte Speiſe ihrer Krieger. In ganz Auſtralien gehoͤrt Hundefleiſch unter die Lecker⸗ ſpeiſen. Beſonders fand Cook die in der Erde gebra⸗ tenen Hunde der Taheitier ſehr delicat. Sie fuͤttern und maͤſten ſie blos mit Brodfruͤchten, Cocosnuͤſſen, und Yamwurzeln. An das Futter auf den engliſchen Schiffen wollten ſie ſich durchaus nicht gewoͤhnen. Dieß geht nur bei ganz jungen Hunden an. Auf Neu⸗ Seeland wird die eine Art Hunde daſelbſt ebenfalls geſpeiſet, und auf den Sandwichs⸗Inſeln ſind Hunde nur eine Speiſe der Vornehmen.

In China zieht man das Fleiſch gemaͤſteter Hunde

dem Eſelsfleiſch, das man daſelbſt ebenfalls gerne ge⸗ nieſet, vor. Wenn die Metzger in China mit todten und lebendigen zum Abſchlachten beſtimmten Hunden beladen uͤber die Gaſſe ziehen, haben ſie genug zu thun, ſich der herumlaufenden Hunde zu erwehren, die der Geruch ihrer todten, und das Geſchrei ihrer

lebenden zur Schlachtbank beſtimmten Mitbruͤder ganz

wuͤthend gegen die Metzger macht.

Weniger bekannt iſt es, daß ſelbſt noch in Europa bei einer Nation Hundefleiſch geſpeiſt wird. Dieß iſt der Gebrauch in den Staͤdten Caſalnuovo und Lecce, wo taͤglich Hundefleiſch feil gehalten und verkauft wird. Man ſieht daſelbſt keinen Hund auf der Gaſſe.

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