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Der Hund, seine verschiedenen Zuchten und Varietäten, Geschichte seiner Verbreitung und Schicksale, Erziehung, Benutzung, Krankheiten und Feinde / von Friedrich Ludwig Walther
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von der Oberlippe bedeckt. Die Geruchs⸗Nerven⸗ haut iſt ſtark gefaltet und ſo gros, daß, wenn man ſie auseinanderzieht, der ganze Koͤrper des Hundes damit bedeckt werden kann. Die Naſenloͤcher ſind halbmondfoͤrmig, und auswaͤrts gebogen. An beiden Seiten des Maules ſtehen 5 bis 6 Reihen borſtiger Haare. Zaäͤhne: in Allem 42.

Die Zunge iſt lang, glatt, etwas flach. Ver⸗ moͤge einer eigenen Muſtelfaſer muſculus mychloideus kann der Hund die Zunge herausſtrecken, und beim Saufen loͤffelartig biegen. Schneidet man dieſe Faſer heraus und wirft ſie ins Waſſer; ſo kruͤmmt ſie ſich wurmfoͤrmig. Der gemeine Mann nennt ſie daher Wurm, und haͤlt dieſen Wurm fuͤr die Urſache der Hundswuth, und laͤßt ſeinem Hund den Wurm ſchnei⸗ den, im vollen Glauben, daß er nun nicht toll wer⸗ den koͤnne*). Dieſer Glaube und dieſe Gewohnheit iſt denn auch in Teutſchland uralt. Wir finden ſie ſchon bei Colerus(Oeconomia ruralis. S. 173.), und werden nicht ſehr irren, wenn wir den Plinias als die Quelle anſehen, aus welcher dieſes und man⸗ ches andere unter dem Volk uüͤbliche Heilmittel, deren

man bei ihm eine Menge findet**), geſchoͤpft iſt. Er

*) Nach Andern iſt dieſer ſogenannte Wurm eine unter der Zunge ſizende Drüſe glandula fublingualis, welche zur Abſonderung des Speichels dient. Auf alle Fälle kann dieſes Wurmſchneiden die Tollheit nicht verhüten, was auch die Erfahrung lehrt.

**) So hat z. B. nach ihm die allbekannte wohlriechende Reſeda

ihren Namen von reledare ſtitlen, lindern, XXVII. 12. p. 438. diſcutit cellectiones inflammationesque omnes. Qui curant ea, addunt haec verba: reſeda morbos Reſeda! Scisne, ſcisne quis hic pullos egerit? radices nec caput nec pedes habeant. Haec ter dicunt, to- tiesque deſpuunt. Wem fältt nicht dabei der gutge⸗ meinte Seegen ein, den unſre alten Kinderwärterinnen herſagen,

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wenn ſich das Kind geſchnitten hat: Heile, heile Segen! Drei Tage Regen, Drei Tage geht der Wind, Hefle, heil', mein liebes Kind Probakum esr.