Teil eines Werkes 
Theil 2 (1781)
Entstehung
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Von der Adminiſtration eines Salzwerks. 471

dem Druck der verſuchungsvollen Nahrungsſorgen zu liegen, kann an und fuͤr ſich der rechtſchaffenſte, der redlichſte Mann von der Welt ſein, aber das grauſame Schickſal hat ihm die noͤthigſte Be⸗ duͤrfniſſe zu ſeinem und der ſeinigen Lebensunterhalt entzogen, aus der Tiefe ſeines gebeugten Herzens ruft ihm unaufhoͤrlich eine Stim⸗ me zu: wo nehmen wir Brod her? Ein ſolcher Mann, wann er nicht einen Heldenglauben, wie Abraham und die Apoſtel, hat, iſt zu Veruntreuungen genoͤtiget. Und ob er gleich mehr Nach⸗ ſicht und eine gelindere Beurtheilung verdienet, als Andere, ſo iſt doch die Herrſchaft mit ihm ſo gut, wie mit jenen, betrogen. Es giebt noch eine vierte Gattung von Menſchen, welche die Sorge der Nahrung nicht druͤckt, und denen es eben ſo beſchwerlich iſt, Reich⸗ thuͤmer zu ſammlen, wann ſie ihnen nicht auf einer Schuͤſſel ge⸗ bracht werden, als Ausſchweifungen zu begehen; ich meine die Waſſerkeoͤpfe, welche ihr hoͤchſtes Gut in der Ruhe ſuchen, und alles verabſcheuen, was ihnen Muͤhe und Nachdenken verurſachen koͤnnte. Dieſe koͤnnen oft ehrlich ſein, und dabei die ſchaͤdlichſte Menſchen fuͤr das herrſchaftliche Intereſſe abgeben. Durch ihre Nachlaͤſſigkeit und Traͤgheit wird nicht nur der Nutzen fuͤr eine Herrſchaft nicht weiter befoͤrdert, ſondern es gehet auch darneben vieles zu Grund, weil ſie weder auf die Sache ſelbſt, noch auf die Perſohnen ſehen, welche ihr Amt treulich verwalten ſollten. Ein Landesherr iſt daher in der That uͤbel dran, wann er ſeine Salz⸗ werke ſelbſt adminiſtriren laſſen will, und die kurze vorbemeldte Be⸗ trachtungen moͤgen daher auch manche Finanzeollegia hauptſaͤchlich bewogen haben, eine Verpachtung der Salzwerke einer eigenen

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