stehen. Jeder Lufttheil hat aber dieselbe Drehungsgeschwin- digkeit von Westen nach Osten wie der unter ihm befindliche Erdstrich, im Norden also eine geringere als am Aequator;
Luft, die von den Polen zum Aequator strömt, kommt also mit geringerer Drehungsgeschwindigkeit an Orien an, die eine grössere Drehungsgeschwindigkeit haben, und bleibt daher gegen diese zurück, d. h. erscheint als östliche Strömung. Desbalb entsteht kein Polarstrom am Aequator, sondern die bekannten Passate. Das Uebrige gehört nicht hierher. Jene Theorie, nebst dem Dove'schen Gesetz der Drehung der Winde ist schon sehr vollständig in Kant's physikalischer Geographie mitgetheilt, aber wie so manches Andere des grossen Mannes nicht verstanden und vergessen, weil die Leute nach ihm viel zu viel mit Ausspinnen ihrer eignen unreifen Träumereien zu thun hatten. Er und jeder Physiker weiss, dass die Drehung der Erde gar keinen Luftstrom veranlassen kann, geschweige denn einen von dem Aequator nach den Polen; jeder Physiker weiss, dass ein solcher Polarstrom, wie Herr M. ihn statuirt, als Thatsache gar nicht existirt. Nun sagt Liebig:
18. 22.„Derselbe Luftstrom, welcher veranlasst durch die Umdrehung der Erde seinen Wes vom Aequator 2 zu den Polen zurückgelegt hat.“ Dieser Satz(das„veranlasstte hatte ich auch in mei-
nem Büchelchen gesperrt drucken lassen), so wie er dasteht, ist entschieden eine monströse Unwissenheit, indem er als Veranlassung des Aequatorialstromes die Axendrehung der Erde angiebt. Uebrigens gestehe ich gern, dass ich fest überzeugt bin, dass L. die Sache besser versteht, und ich habe sie ausdrücklich nur als Beweis für L.s Flüchtigkeit und später beiläufig als Scherz angeführt.
9.„S. 11 behauptet Sch., dass die Erfahrung, nach welcher trockene Sommer und kalte Winter ohne Schnee die Fruchtbarkeit des Bodens vermindern, für die Löslichkeit des Humus spreche. Diese Behauptung ist indess nicht begründet, weil sonst nasse Winter eben so gut wie trockene, wenn sie nur kalt sind, dasselbe leisten müssten.“


