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Offenes Sendschreiben an Hrn. Dr. Justus Liebig in Giessen, eine gegen mich gerichtete Anmerkung im Juniheft der Annalen der Chemie und Pharmacie betreffend : nebst einigen Bemerkungen zu der Schrift: Ueber Liebig's Theorie der Pflanzenernährung und Schleden's Einwendungen gegen dieselbe von Karl Winkelblech, Professor in Kassel / von M.J. Schleiden, Dr., ausserordentlichem Professor in Jena
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kungsweise nicht etwa zu etwas Anderm geworden, aber doch eigenthümlich modiſficirt sind. Mit fast endlosen Schwierigkeiten hat hier der Forscher zu kämpfen, bis es ihm gelingt, die Gesammterscheinung, wie sie auch dem ungebildeten Auge ent- gegentritt, auf die einzelnen dabei mitwirkenden Factoren zu-

rückzuführen, jedem dabei seine richtige Stelle anzuweisen,

sein Maass zu besiimmen und zu zeigen, von welcher freien Naturkraft er stammt, auf welche Art und Weise diese in ihm durch das Gebundensein an die bestimmte Form verändert worden ist. Zu diesem Behufe muss die Physiologie beständig die Resultate der andern Naturwissenschaften in ihren Bereich ziehen, sie von ihrem eigenthümlichen Standpunct auffassen und verarbeiten. Aber die gesammten Naturwissenschaften sind viel zu umfassend, um von einem Einzelnen gleich voll- kommen beherrscht zu werden, und wenn nicht an die Ober- flächlichkeit der ganze Fortschritt verloren gehen soll, so muss Theilung der Arbeit eintreten, die selbst bis in die einzelnsten Zweige fortschreiten kann. Ja wenn wir die Geschichte an- sehen, finden wir, das entschiedne Fortschritte grade dann am

meisten erfolgten, wenn ein einzelner genialer Ropf seine Thä-

tigkeit auf den kleinsten Theil beschränkte. So wurde durch Newwton die Bewegungslehre, durch Lavwoisier die Chemie, durch Gauss der Magnetismus, durch Seebech die Elektricitätslehre u. s. w. durch Intensität in einem kleinen Gebiete mit Riesen- schritten gefördert. Wir finden aber noch auf andre Weise eine Theilung der Arbeit in der Geschichte, indem in einzelnen Perioden sich fast alle Männer vorzugsweise dem Studium einer Disciplin hingaben, diese bis zu einem gewissen Puncte förderten, bis eine folgende Generation eine andre Seite vor- ziehend und weiter führend, jene vorläufig ruhen liess; so haben Luftdrueck, Magnetismus, Elektricität, Chemismus u. s. w. immer für einzelne Zeiten die ganze Wissenschaft beherrscht. Von allen jenen einzelnen grossen Männern, von allen diesen Zeiten hat keiner ganz Recht, keine die ganze Wahrheit, aber alle trugen, so weit an ihnen lag, ihr Scherflein zum allge- meinen Schatze menschlichen Wissens bei. Allen diesen

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