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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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steht, in einem höhern Grade zu bemerken als unter entgegengesetzten Umständen.

Soll die Durchschneidung von der hintern Fläche der Hufbeinbeugesehne her geschehen, so trennt man die letztere und die Sehne des Kronbeinbeugers an der Operationsstelle etwas auseinander, schiebt dann das spitze Tenotom mit den Flächen gegen die Sehnen ge- richtet zwischen diese, kehrt dann die Schneide des Messers gegen die Hufbeinsbeugesehne, und durchschnei- det dieselbe mittelst Anwendung der oben angegebenen Handgriffe.

Wenn man die Durchschneidung des Kronbeinbeu- gers bewirken will, kann man entweder das sichelför- mige Tenotom unter der Haut über die hintere Fläche der Sehne führen und dieselbe von dieser Seite her durchschneiden, oder man führt ein schmales, sanft ge- und Huf bein-

beuger und bewirkt die Trennung von vorn nach hin-

halltes Bistouri zwischen den Kronen-

ten. Im erstern Falle kann, wenn dies die Nothwen- digkeit bedingt, dann noch die Hufbeinsbeugesehne in derselben Richtung durchschnitten werden,— im letztern Falle aber diese Sehne schon vorher durchschnitten sein.

Als Abweichungen von dem bezeichneten Verfah- ren sind zu nennen: 1) daſs man zwischen die Sehnen eine Hohlsonde bis zur andern Seite der Haut schiebt und auf der Hohlsonde die Durchschneidung der Sehnen mit einem Knopfbistouri ausführt;— 2) daſs Dela- fond die zu durchschneidende Sehne von den umge- benden Theilen trennt, sie auf eine nach der Fläche ge- bogene Scheere nimmt, so daſs sie an der Oberfläche der Wunde liegt und sie dann durchschneidet.

Durch diese Vorsicht wird zwar in beiden Fällen die Verletzung der Blutgefäſse und Nerven sicherer ver- mieden, aber auch die Wunde mehr ausgedehnt, mehr gereizt, mehr der Luft ausgesetzt, und in Folge dessen entsteht heftigere Entzündung, zu reichliche Eiterung und spätere Heilung mit gröſsern Narben.

§. 164.

Nach dem Durchschneiden der Sehnen mufs der Fes- sel sich leichter und im stärkern Grade vorwärts strek- ken lassen. Gelingt dies bei Anwendung einer mälsi- gen Kraft mit den Händen nicht, sind die Sehnen unter einander verwachsen, und war auch das Zurücktreten

ihrer Enden an der Schnittstelle nur gering, so kann

man, nach Professor Dick, versuchen, die Theile durch

eine gröſsere Kraftanwendung nachgiebiger zu machen, indem der Operateur sein Kuie gegen die vordere Fläche des Fesselgelenks setzt und mit, der einen Hand das Schienbein festhält, mit der aber den Huf ergreift und diesen nebst dem Iessel so stark vor-

andern wärts zieht, dafs die Adhäsionen der Sehnen hiurei- chend nachgeben müssen.— Sollte auch dies Verfahren nicht genügen und nur der Hufbein- oder uur der Kron- beinbeuger durchschnitten worden sein, so würde man nun die zweite Sehne(wie bereits oben angegeben) noch durchschneiden müssen. Man darf jedoch über ein mäſsiges Nachgeben des Gelenks nicht zu ängstlich sein, da dasselbe sich, wenn erst das Pferd wieder auf den Fuſs auftritt, nach und nach bedeutend vermehrt und bessert.

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Sollte ein Gefäſs bei der Operation verletzt sein und stark bluten, so unterbindet man es oder man dre- het es zu. Dann reiniget man die Wunde, legt über dieselbe eine Werg-Compresse und eine desgleichen an die entgegengesetzte Seite der Sehnen, und umwickelt den Fufs von der Krone au bis zum Fufswurzelgelenk mit einer mälsig fest und recht gleichmäfsig angelegten Binde. Dieterichs(a. a. O.) empfiehlt das Heſften der Wundränder durch die blutige Naht und dann das Ausstreichen des etwa wieder in ihr angesammelten Blu- tes vor dem Anlegen des eben bezeichneten Verbandes; ich kann jedoch dies Verfahren als zweckmäſsig nicht anerkennen, weil uach meinen Beobachtungen diese Wunden niemals durch schnelle Vereinigung heilen, so- mit die Naht nichts nutzt, dagegen ein wenig Blut in der Wunde nicht schadet.

Nach angelegtem Verbande läfst man das Pferd entfesseln und aufstehen, führt es in den Stall und be- handelt es daselbst den Umständen dies unten im§. 167. angedeutet wird.

§. 165.

5) Die Ausführung der subkutanen Durch- schneidung geschieht folgendermaafsen: Nachdem das Pferd in der oben bezeichneten Weise liegend befesti- get und der Fufs von einem Gehülfen gehalten ist, um- falst der Operateur mit seiner linken Hand das Schien-

angemessen, wie

bein an der Operationsstelle und spannt kierdurch die Haut straff an; dann untersucht er die Lage der Gefäſse und Nerven und entscheidet sich darüber: ob er die be- treffende Sehne 1) in der Richtung von hinten nach vorn oder 2) entgegengesetzt durchschneiden will und wählt hiernach den Einstichpunkt für das spitze Teno- tom. Dieser soll nämlich immer so angebracht werden, daſs er nicht gerade gegenüber der Sehnenwunde steht und den Eintritt der Luft zu derselben gestattet; sondern er muls deshalb im ersten Falle immer 6— S Linien vor der Sehne, d. h. dem Schienbein zu, im Falle 2 aber eben so weit hinter der Sehne sein.

An der bezeichneten Stelle steche man nun das spitze Messer, und zwar stets die Schneide nach dem Fessel, den Rücken nach dem Kunie gekehrt, durch die Haut, schiebe es so, indem es mit einer Fläche gegen

diese liegt, im Zellgewebe unter derselben mit der Spitze

bis an die Grenze der zu durchschneidenden Sehne,— z. B. wenn die Hufbeinbeugesehne von hinten her durch- schnitten werden soll, von vorn bis an die Zusammen- fügung dieser Sehne mit der des Kronbeinbeugers, wo- bei fortwährend der Zeigefinger der linken Hand fühlend Ist das Messer hinreichend vorgerückt, so läfst man durch den

die Spitze des Messers unter der Haut leitet.

Gehülfen den Fuſs(selbst etwas das Knie) beugen, um die Sehnen zu erschlaffen,— erhebt den Stiel des Mes- sers fast bis zur senkrechten Stellung und dringt mit der Klinge, die Flächen gegen die Sehnen gerichtet, zwischen der Kroubein- und der Hufbeinbeugesehne langsam so tief ein, daſs man die Spitze am andern(un- ten liegenden) Rande der Sehne, an der innern Fläche der hier befindlichen Haut fühlen kann. Hierauf wendet man seine Schneide gegen die Hufbeinbeugesehne, läſst dann durch den Gehülfen den Fessel und Huf möglichst stark