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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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den Sehnen heruntergeht und bei Verletzungen ebenfalls zu üblen Zufällen leicht Veranlassung wird.— Wenn die Sehnen in ihrer ganzen Länge zwischen dem Knie- und Fesselgelenk verdickt und verhärtet sind, so durch- schneide man sie in der Mitte des angedeuteten Rau- mes; denn obgleich die Schnittenden bei dem Durch- schneiden einer kranken Sehnenstelle sich nicht so schnell und nicht in dem Maaſse zurückziehen wie bei dem Durchschneiden in gesunder Substauz, so geschieht dies doch nach und nach genügend für einen guten Erfolg*). §. 163.

Man gebraucht zur Ausführung des offenen Sehnen- schnittes: eine Scheere, ein geballtes Bistouri, ein krum- mes Kuopf bistouri(sog. Pottsches Fistelmesser), eine Pinzette, Heftnadeln und Fäden, Waschschwamm und Wasser, Werg und eine etwa 2+— 3 Ellen lange Binde;— zum subcutanen Sehneuschnitt genügt ein 2 Zoll langes, nur gegen 2 Linien breites, spitzes Mes- ser(sog. Tenotom, S. 154), welches an der Schneide geradlinig oder etwas bauchig, oder selbst wenig sichel- förmig gebogen sein kann. Die letztere Form ist die

gebräuchlichste und, wenn man die Sehnen in der Rich-

tung von ihrer hintern zur vordern Fläche durchschnei-

det, auch ganz zweckmäſsig. Aufser diesem scharfen spitzen Messer kann man sehr gut noch ein ähnlich ge- formtes mit stumpfer oder abgerundeter Spitze gebrau- chen, um die neben den Sehnen liegenden Gefäſse und Nerven mehr zu schonen. Nöthig ist es, daſs diese Messer im Charnier recht fest gestellt werden können oder mit dem Stiel fest verbunden(Scalpelle) sind. Aufserdem gebraucht man auch hier etwas Werg und eine Binde.

Nachdem das Thier niedergelegt, gebremset, und der betreffende F'uſs, wie oben angegeben, befestiget ist, lälst man den letztern am Fessel und Hufe von einem besonders hierzu angestellten Gehülfen festhalten. Dies geschieht entweder mit den bloſsen Händen oder mittelst eines um den Fessel gebundenen Strickes.

2) Bei dem offenen Sehnenschnitt scheert man zuerst auf der gewählten Operationsstelle(auf der Huf- beinsbeugesehne) in der Länge von 2 ½ Zollund in der Breite von ¾ Zoll die Haare rein ab, untersucht diese Stelle bin- sichtlich der vorhandenen Blutgefäſse, um denselben mit dem Messer auszuweichen, spannt dann mit der linken Hand daselbst die Haut und macht mit dem geballten Bistouri einen, in der Längenrichtung der genaunten Sehne verlaufenden, 1 ½— 2 Zoll langen Schnitt. Man durchschneidet so die Haut, die Schenkelbinde und den sehnigen Ueberzug der Flechsen, läfst durch einen Ge- hülfen die Hautränder auseiunander halten und, wenn hierbei in der Wunde Gefäſse oder Nerven sichtbar werden, so läfst man dieselben mit einer dicken etwas gebogenen Sonde oder mit einem stumpfen Haken u. dgl. nach derjenigen Seite verschieben, von welcher man das Messer gegen die Sehne einführen will, so daſs der Rücken desselben immer gegen die Geſäſse oder Ner-

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*) Wegen den neben den Sehnen verlaufenden Gefässen und Ner- ven siehe die Abbildungen auf Tafel IX.

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ven gekehrt ist und diese hierbei gegen Verletzungen gesichert sind. in dieser Hinsicht ist zu bemerken: daſs man die Sehnen in der Richtung vom Schienbein nach hinten, oder auch entgegengesetzt, von ihrer hin- tern Fläche nach dem Schienbein hin durchschneiden kann. Bei der erstern Weise dringt mau mit dem Mes- ser zwischen der Fessel- und Hufbeinbeugesehne leich- ter durch als bei der letztern zwischen der Sehne des Hufbeinbeugers und Kronbeinbeugers; aber das queere Durchschneiden gelingt auf letztere Weise besser als auf erstere, und die Durchschueidung des Kronbeiubeu- gers mittelst des sichelförmigen Tenotoms ist von vorn nach hinten kaum ausführbar, ohne dafs dabei Neben- verletzungen der Haut entstehen. Im Allgemeinen dürſte daher das Durchschneiden von hinten nach vorn die meiste Anwendung finden. Nachdem die Sehnen auf angegebene Weise blols- gelegt sind, lälst man von demjenigen Gehülfen, wel- cher den Fofs hält, den letztern im Fessel- und Kron- gelenk stark nach rückwärts beugen, um die Beugeseh- nen zu erschlaffen. Nun sticht man, wenn die Durch- schneidung der Hufbeinsbeugesehne in der Richtung von vorn nach hinten geschehen soll, das schmale Messer mit einer Fläche gegen die Sehne gerichtet, zwischen diese und die Sehne des Wesselbeinbeugers(und zwar dicht an der erstern bleibend, um die innere Zwischen- knochenvene, welche näher am Fesselbeinbeuger liegt, zu verschonen), und trenut damit beide Sehnen in ihrer ganzen Breite und in der Länge eines Zolls auseinan- der, so daſs man mit einem Finger durch diese Wunde den untern Rand der Sehne und die neben ihm liegen- den Gefäfse und Nerven fühlen kann. Hierauf wendet man entweder das Messer mit der Schneide gegen die Hufbeinsbeugesehne und schneidet dieselbe queer durch, oder man zieht es zurück, führt dafür das Knopfhistouri in die Wunde und bewirkt mit ihm die Durchschnei-

dung. Letztere erfolgt am besten, indem man das Mes-

serheft sauft nach dem Schienbein zu herunterdrückt,

also die Klinge im Grunde der Wunde hebelartig in die

Höhe und in die Sehne treibt, und indem man gleich- zeitig den Fuſs mit dem Hufe und Wessel so stark als möglich nach vorn strecken läfst. Durch letztere Bewe- gung werden die Beugesehnen gespannt und selbst et- was gegen die Schneide des Messers gedrängt. Wäh- rend des Durchschueidens kann man mit den Fingern der linken Hand äufserlich an der Haut fühlend den Gang des Messers in der Sehne begleiten, um hierdurch den Umfang und die Vollständigkeit der geschehenen Trennung sogleich wahrzunehmen und zugleich die Kraft zu reguliren, mit welcher das Messer an den einzelnen Stellen, je nach dem Grade der Verhärtung, geführt werden mufs. Jedenfalls ist es besser, die Durchschnei- dung langsam, mit mehrern Messerzügen, als mit einem raschen Zuge zu bewirken. Bei erfolgter gänzlicher Trennung der Sehne springen die beiden Enden dersel- ben nach oben und unten zurück, und erzeugen dadurch

mebhrentheils ein ruckendes oder knackendes Geräusch und

zwischen sich eine ½— 2 Zoll lange Lücke. Diese Er-

scheinungen sind sämmtlich dann, wenn an den Sehnen

keine Verwachsung und keine groſse Verdickung be- 48*