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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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man eine, denselen Aderlaſs-Iustrunens läſst man die du ber die Fingemim

eine kleine Menge Blutes aus einer Ader entleert wer- den, und es ist unter solchen Umständen oft nöthig, beide Drosselvenen, und zugleich auch unoch audere Adern zu öffuen, und das Thier tüchtig mit Strohwi- Soll die Blutung aufhören, so hebt man zunächst die Compression der Ader auf, und wenn dies nicht genügt, verschliefst man die Letztere künst- lich.— Die Quantität des abzulassenden Blutes ist bei den einzelnen Thieren nach deren Art, Gröſse, Con-

schen zu reiben,

stitution und Blutreichthum, so wie nach der Art, dem Grade und Charakter der Krankheit verschieden, und kann deshalb nicht wohl uach bestimmten Maaſsen für alle Fälle passend vorgeschrieben werden*). Der Er- fahrung zufolge ist es bei heftigen Entzündungszufällen nützlich, das Blut, ohne Rücksicht auf die Menge, so lange abflieſsen zu lassen, bis die Arterien voller, grö- ſser, weicher, ihr Puls freier, der Herzschlag deutli- cher fühlbar, das Athmen freier, tiefer, die Haut gleich- mälsig warm und etwas feucht wird, und das Thier den Kopf mehr aufrichtet. Haben sich nach dem ersten Aderlals die Krauk- heitserscheinungen zwar vermindert, treten sie aber nach einiger Zeit wieder ein, so wiederholt man die Blutent- leerung einmal oder selbst noch öfter. Gewöhnlich ist das Quantum des eutleerten Blutes hierbei geringer als bei dem ersten Aderlafs, doch bedingt die Heftigkeit der Zufälle bisweilen auch eine reichlichere Menge als bei diesem.— E Das kunstmäſsige Verschliefsen der Aderlafs- wunde ist in den meisten Fällen nöthig, theils um die gegenwärtige Blutung zu beenden, theils um Nachblu- tungen zu verhüten. Wenn nach aufgehobenem Druck

auf die Ader der Blutflaſs aus derselben ganz aufhört

(was bei Pferden mehrentheils geschieht, wenn sie mit aufgerichtetem Kopfe ruhig stehen), so bewirkt man eine geuügende Verschliefsung der Wunde dadurch, daſs man während 1— 2 Minuten die Wundränder mit zwei Fingern fest gegen einander und sauft an die Ader drückt. Die Wundränder kleben daun durch das Blat unter sich und mit dem Zellgewebe zusammen und ver- wachsen. Wo aber der Ausfluſs nach aufgehobenem Druck noch fortdauert, schlieſst man die Wunde durch eine umschlungene Nath auf die Art: man ergreift beide Wund- ränder der Haut mit der Spitze des Daumens und Zeige- fingers der linken Hand, drückt sie mälſsig fest an ein- ander, ziehet sie etwa 2 bis 3 Linien breit von der Vene ab nach auſsen, streicht die auf oder in die Wunde

gekommenen Haare nach den Seiten, und sticht dann

eine Stecknadel queer durch die Hautränder, in gleicher Entfernung von den beiden Wundwinkeln und etwa 1 bis 1 ½ Linien von dem Wundrande eutfernt. Hierauf wird die Schleife von Haaren oder Faden unter die hervorstehenden Enden der Nadel auf die Wundränder

gelegt, fest zusammengezogen und mit einem Knoten

*) Bei Pferden und Rindern von mittler Grösse und Stärke gelten

als ein kleiner Aderlass etwa 4— 5 Pfund, als ein grosser 12 bis 15 Pfund; bei ausgewachsenen Schafen und Schweinen als ein

kleiner Aderlass circa Pfund, als grosser 1 ½, bei Schweinen bis 2 Pfund;— bei grossen Hunden als kleiner Aderlass 12 Loth, als grosser 1— 1 ½ Pfund, an sehr kleinen Hunden 2— 6 Loth, bei Hühnern ½— 2 Loth.

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geschlossen, die übrigen Enden der Haare oder Faden aber, einen halben Zoll von dem letztern entfernt, ab- geschnitten. Wo die Wunde mehr als ¾ Zoll lang und der Blutstrom stark ist, genügt sehr oft das Schliefsen derselben mit einer Nadel nicht, sondern man muſs de- ren zwei, in gleichen Entfernungen von einander und von den Wundwinkeln, durch die Hautränder stechen,

und hierauf jede Nadel für sich mit einer Schleife von

Haaren u. dgl. umgeben.— Bei diesen Verrichtungen mufs man stets jedes zu starke Abziehen der Haut von der Ader vermeiden, weil sonst Blutergiefsungen in das dazwischen liegende Zellgewebe erfolgen. Nach dem Schliefsen der Hautwunde reiniget man mittelst eines feuchten Schwammes ihre Umgebung von dem etwa an- klebenden Blaut. un T

Die Nachbehandlung besteht, wenn bei dem Aderlafs keine besonderen Zufälle eintreten, blofs darin: daſs das Thier im Stalle so gehalten und augebunden wird, dafs es die Aderlafsstelle und die Ader über ihr nicht reiben oder drücken kann, wie auch, dals es in den

nächsten Stunden ohne Nahrung bleibt. Nach Verlauf von

24 Stunden zieht man die Nadel aus den Wundräudern,

welche zu der Zeit in der Regel schon fest verwach-

sen sind.

§. 20. Das Aderlassen an Pferden geschieht am ge- wöhnlichsten: Ser tab a) aus der Drosselvene, weil dieselbe den Bedingungen zu einer leicht ausführbaren, sichern und ergiebigen Blatentleerung am meisten entspricht. Man läfst hierzu das Thier mit aufgerichtetem Kopfe von

einem Gehülfen mit einer Hand an der Trense oder Half-

ter halten, und ihm zugleich mit der andern Hand das Auge derjenigen Seite, an welcher die Operation unter- nommen werden soll, von hinten und unten her so zu- decken, dafs es die Anwendung der Instrum ente nicht sehen kann. Die Wahl der rechten oder linken Dros-

selvene ist theils von der Beschaffenheit derselben, na-

mentlich von dem vollen, runden Hervortreten der einen, bei mangelhaftem Erscheinen der andern Ader, theils von dem gewählten Instrument und der Geschicklichkeit im Gebrauch beider Hände, abhängig. Man operirt im- mer an der vollsten Ader, und ist man nur mit der rechten Hand geübt, so ist bei dem Aderlassen mit der Lanzette die rechte, dagegen beim Gebrauch der Fliete die linke Ader am bequemsten; für den Schnäpper sind beide ziemlich gleich geeignet.— Die beste Stelle zur Operation ist an beiden Adern um die und kurz über der Mitte des Halses, weil hier die unter ihnen liegende Carotis gewöhnlich am tiefsten liegt.

Nachdem die gewählte Seite gegen das Licht ge- wendet ist, streicht man an der obern Hälfte der Hals- rinne die Haare glatt, drüäckt an der Mitte des Halses mit den Fingerspitzen oder mit dem Daumen der linken Hand gegen die Ader, und beobachtet und befühlt die hiernach erfolgende Anschwellung.— Bei dem Ader- lassen mit der Lanzette stellt man sich neben das

rechte Schultergelenk, faſst die Lanzettenklinge zwi-

schen dem Daumen und dem Zeigefinger der rechten 10*