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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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andere dagegen zu fest anziehen.— Zur Blutstillung bei geöffneten Vorarms- und Fesselvenen ist oft eine 2— 3 Queerfinger breite Binde, im Nothfall ein Stroh- seil mit einem Knoten, erforderlich.

6) Das Gefäfs zum Auffangen des Blutes kann beim Aderlassen grofser Thiere ein sogenanntes Füllfaſs, ein groſses Waschbecken, ein Topf von 3 bis 5 Quart(9— 15 Pfd.), oder selbst ein Stalleimer,— bei kleinen Thieren ein Glas, eine Untertasse u. dgl. sein. Es ist immer zweckmäſsig, das Blut aufzufan- gen, theils um seine Menge und Beschaffenheit, letztere namentlich bei und nach dem Gerinnen, richtig beurthei- len zu können, theils auch, um die Veruureinigung des Stalles durch das auf die Streu oder den Fuſsboden fallende Blut, so wie die Beunruhigung anderer Thiere durch den Blutgeruch, und selbst durch die in manchen Fällen beobachtete Iufection derselben, z. B. durch An- thraxblut*), zu vermeiden.— Das aufgefangene Blut wird in der Regel während einiger Stunden bei Seite gestellt, um sein Gerinnen zu beobachten, dann aber muſs es vergraben oder in anderer Art so beseitiget werden, daſs andere Thiere nicht zu demselben gelau- gen können. . 19.

Die Ausführung des Aderlasseus ist zwar bei Thie- ren von verschiedener Art, an verschiedenen Blutgefä- ſsen und mittelst des einen oder des andern Iustrumeuts, in einigen Punkten modifizirt; im Allgemeinen besteht sie aber aus folgenden Akten:

1) in der Vorbereitung,— 2) in der Eröffnung der Ader,— 3) in dem Ausflieſsen einer bestimmten

Menge Blutes;— 4) in dem Verschlieſsen der Ader,

und— 5) in der zweckmäſsigen Nachbehandlung. Norbereitung Das Thier wird von einem Ge-

hülfen au einem hellen Orte in der Stellung gehalten,

welche zum sichern Eröffnen der bestimmten Ader er- forderlich ist.(Siebe unten). Dann sucht man diese Ader möglichst deutlich wahrnehmbar zu machen, indem mau zunächst die Haare auf der sie bedeckenden Haut mit einem feuchten Schwamm, gewöhnlicher nur mit feuchten Fingern, glatt streicht, oder man nimmt sie, wenn sie zu laug sind oder zu dicht stehen, stelleu- weis mit der Scheere fort. Hierauf bewirkt man durch das Anlegen der Aderlafsschnur oder auch nur mit den Fingern, einen Druck auf die Ader an demjenigen Ende derselben, welches nach dem Herzen hingekehrt ist, bis sie rundlich über die Haut hervortretend, voll, und ela- stisch gespannt zu sehen und zu fühlen ist. Gewöhn- lich üht man diesen Druck mit den Spitzen des Zeige- und Mittelfingers der linken Hand, zuweilen auch mit dem Daumen aus,— wie dies am bequemsten gesche- hen kann. Erlangt man auf diese Weise nicht eine

*) Da diese Infectionen auch durch die mit Blut verunreinigten In- strumente beim Gebrauch an andern Thieren erzeugt werden kön- nen, so muss man immer gleich nach dem Aderlassen das penutzte Instrument gründlich reinigen und abtrocknen; und da auch der

siſtige Stoff des Blutes bei Anthrax und bei brandigen Fiebern auf

Menschen wirkt, so muss der Thierarzt immer so viel als möglich sich vor Verunreinigung mit solchem Blut in Acht nehmen, aund, wo sie erfolgt ist, die betroffenen Theile sogleich mit verdünn- tem Essig, oder Jeltemaszer, Auflösung von Chlorkalk u. dgl. reinigen.

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sichere Kenntniſs von der Lage und Beschaffenheit der Ader, so hebt man den Druck auf sie für kurze Mo- mente auf und erneuert ihn gleich darauf wieder, wo- durch sie sich abwechselnd entleert und wieder füllt, und dabei äufserlich an der betreffenden Stelle bald eine wellenförmige Bewegung, bald eine Vertiefung und bald wieder eine strangförmige elastische Erhöhung verur- sacht. Bei dicker Haut und vielem Fett auf den Veuen siud diese Erscheinungen oſt nur sehr undeutlich wahr- nehmbar, und man muſs hier durch gelindes und wie- derholtes Tasten mit den Fingerspitzen die Lage der Ader zu ermitteln suchen.

Bei der Eröffuung einer Ader muſs das Iustru- ment immer so angesetzt werden, dals die Wunde in deren Mittellinie und mit der Länge der Vene gleich- laufend entsteht. Dabei soll die Wunde in einem rich- tigen Verhältuifs zur Gröſse der Letzteren sein, d. h. ziemlich so lang, wie die Ader im angefüllten Zustande breit ist,— um die nöthige Menge Blutes in kurzer Zeit eutleeren zu können und doch die Wiedervereini- gung der Wundränder nicht zu sehr zu erschweren. Die Tieſe des Einstichs wird von der Dicke der Haut und des Zellgewebes an der Aderlafsstelle, somit von der oberflächlichen oder von der tieſern Lage der Vene, von dem mehr oder weniger deutlich bemerkbaren Her- vortreten derselben bei dem augebrachten Druck, be- dingt und mufs im Voraus durch genaues Befühlen der Haut und der Vene abgeschätzt werden. Mit Berück- sichtigung dieser Umstände wählt man eine, denselben entsprechend grofse Klinge des Aderlaſs-Instruments, und beim Gebrauch der Lanzette läſst man die Spitze derselben in angemessener Länge über die Fingerspitzen hervorstehen.

Das Ausfliefsen des Blutes beginnt augeublick- lich nach gemachter Aderwunde und ist ein Zeichen, daſs und wie die Vene geöffuet ist. Es soll, wenig- stens im Aufange, in einem vollen, dem Durchmesser der Vene entsprechenden starken Strahle, und in einem gleichmafsigen Bogen erfolgen; geschieht dies nicht, so ist irgend ein Fehler vorhanden, wie namentlich: eine zu kleine Oeffnung, Verschiebung der Haut, Hervor- treten von Fett oder Zellgewebe in die Wunde, man- gelnde Compression der Ader, zu starke Blutanhäufung in einem eutfernteren Theile, oder zu dickflüssige, zähe Beschaffenheit des Blutes. Hellrothes Blut, welches in einem weiten Bogen und stoſsweis stärker hervorströmt, deutet auf eine gleichzeitige Verletzung einer Arterie; doch eutscheidet die hellere Farbe allein hierbei nicht, da oft auch das Veuenblut ungewöhnlich hellroth er- scheint.— Das Ausfliefsen des Blutes erfolgt an den aufsteigenden Adern der Füſse und an der Sporader mehrentheils in genügender Stärke von selbst, wogegen es an der Drosselvene durch fortgesetzte Compression derselben und durch kauende Bewegung des Unterkie- fers(welche man dadurch hervorruft, dafs man dem Thiere die Finger oder einen runden Stock auf die

Zuuge halt) befördert werden muſs, da hier gewöhnlich

mit dem Aufhören des Druckes auch der Blutausfluſs aufhört. Bei brandigen Entzündungen kann zuweilen nur durch Herausstreichen und Dräcken mit der Hand