aufwärts gelegten, allein die wirkliche ableitende Wir- kung ist in beiden Fällen nur von dem Grade der Rei- zung und Entzündung abhängig, und im Wesentlichen gleichmäſsig; dagegen können bei den abwärts gelegten Fontanellen durch Resorbtion des lange in der Geschwürs- höhle zurück verbliebenen und entarteten Eiters leicht üble Zufalle entstehen.
Nach dem Einbringen des fremden Körpers eutsteht als örtliche Wirkung: Schmerz, Anschwellung und Eut- zündung in den betroffenen Theilen, und in der Wande findet sich Ausschwitzung, zuerst von Serum, und dann von einer coagulabelu Flüssigkeit, welche um den drit- ten Tag sich in Eiter umwandelt*⁴). Diese Flãässig- keiten werden täglich 1— 2 mal, je nach ihrer Menge, durch gelindes Dräcken auf die Umgegend des Ge- schwürs und durch Abwischen mit einem Schwamme entfernt. Damit von der ablelsenden Feuchtigkeit die unterhalb des Fontanells befindliche Haut nicht angeätzt und von Haaren entblöſst werde, läſst man täglich ein- mal etwas mildes Fett, oder Cerat daselbst auf die Haut streichen, nachdem das vom vorigen Tage daselbst be- ñindliche Fett durch Seifenwasser entfernt ist. Diese Behandlung wird bis zum Sten höchstens 12 en Tage fortgesetzt, je nachdem die ursprüngliche Krankheit und der Grad der Wirkung des Fontauells ein kürzeres oder längeres Bestehen desselben erfordern. Sollte in den ersten Tagen die Wirkung eine nur sehr geringe sein, so muſs der in die Geschwürshöhle gebrachte fremde Körper wieder herausgenommen, noch einmal mit Ter-
penthinöl, oder mit Cantharidensalbe u. dgl. getränkt und dann wieder eingelegt werden. Bei wichtigen Krank-
heiten und bei zu geringer Wirkung des Fontanells ist dieses Verfahren mehrentheils schon nach Verlauf von 10— 12 Stunden nöthig.— Nachdem das Fontanell i in der angegebenen Art etwa 8, bis höchstens 14 Tage in Thatigkeit bestanden hat, nimmt man den fremden Kör- per aus demselben heraus, reiniget aber in der oben be- zeichneten Weise das Geschwür täglich einmal, worauf dann die Heilung gewöhnlich nach einigen Tagen er- folgt. Wenn der fremde Körper über 12 Tage hinaus liegt, entstehen in den Rändern des Fontanells oft Cal- lositäten, es bilden sich entweder dicke häſsliche Nar- ben, oder die Eiterung dauert längere Zeit fort, und die Heilung erfolgt schwer. In diesem Falle ist die An- wendung des glühenden Eisens oder des Aetakali's auf die verdickten und verhärteten Theile nöthig, und im äufsersten Falle müssen dieselben mit dem Messer aus- geschält werden.
§. 11.
Qboleich die vorstehenden Augelen im Wesentli- chen auch von den Fontanellen gelten, welche mittelst der Nieswurz oder des glühenden Eisens gereizt wor- den sind, so ist es doch nöthig, über dieselben noch Folgendes in Kürze besonders zu bemerken:
*) Bei sehr empfindlichen Thieren entsteht zuweilen auch ein Reiz-
fieber, oder das schon vorhandene Fieber wird in der Zahl der
Pulse und Athemzüge etwas gesteigert. Dies ist jedoch in der Re- gel nur während der ersten Stunden nach der Operation der Fall und immer bald vorübergehend.
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Fontanelle mit Nieswurz gereizt finden ihre Anwen- dung bei sehr lorpiden? Thieren(daher bei dem Rindvieh besonders), und da, wo man gern eine möglichst kleine Narbe nach dem Fontanell sehen will, wie z. B. an theuern Pſerden,„ wenn sie bei heftigen Augenentzün- dungen ein Fontanell auf dem äuſseren Kaumuskel er- halten.
Der Gebrauch der Nieswurz zur Aulaeren Ablei- tung war schon den Thierärzten des Alterthums bekannt. Columella empfahl z. B. bei der Bräune der Schweine ein Stückchen Nieswurz in eine Wunde der Ohrmuschel dieser Thiere zu stecken.— Mau benatzat die weilse Nieswurz(Veratrum album) und die schwarze Nies- wurz(Helleborus niger). Die erstere schneidet man in platte Stücke, welche(j je nach der Gröõſse der Waur- zel und nach der Art des Kranken Thieres) gegen 1 Zoll lang, ¾ bis 3 ¾ Zoll breit und 2 3 Linien dick sind, und von denen man 1 bis 2 in die Fontauellhöhle legt.— Von der schwarzen Nieswurz nimmt man nur die an dem Warzelstock sitzenden Wurzelfasern, in Stäckchen von etwa 1 Zoll Länge. Bei kleinen Thie- ren ist 1, bei groſsen Thieren sind 2— 4 solcher Stück- chen, die mit einem F'aden i in ein Bündel zusammenge- bunden werden, für ein Fontanell ausreichend. Es ist bei der Anwendung der Nieswurz mehr als bei andern fremden Körpern nöthig, das Warzelstückchen mit einem Bändchen zu versehen und dessen Ende aus der Wunde hervorragen zu lassen, weil oft die Geschwulst um das Fontanell sehr groſs und daun die Entfernung der Wur-
zel aus demselben sehr schwierig wird.— Ist die Nies-
wurz sehr trocken und hart, so kann man sie vor der Anwendung etwa eine Viertelstunde in Wasser legen; das soust üblich gewesene Einweichen in Essig er- scheint jedoch unzweckmälsig, weil durch Letztern das Veratrin und das Helleborin zum Theil ausgezogen und hierdurch die Wurzel weniger wirksam wird.
Die Operation wird bei der Auwendung der wei- ſsen Nieswurz ganz so wie bei einem gewöhplichen Fontanell ausgeführt; aber für die kleinen und dünnen Stückchen der schwarzen Nieswurz durchsticht man eutweder die Haut und das Zellgewebe mit einem Schu- sterpfriemen oder mit einer dicken Nadel,— oder, man macht einen etwa 4½ Zoll langen Hautschnitt, führt durch denselben eine dicke Sonde, trennt mit dieser das Zell- gewebe in angemessener Richtung und Tiefe, und ap- Wiizirt i in die so gebildete kleine Hohle die Nieswurz.
Die örtlichen Erscheinungen der Reizung treten von beiden Arten der Nieswurz stets etwas schneller und stärker ein als von den meisten andern Reizmitteln, und besonders erzeugt die schwarze Nieswurz eine bedeu-
tende Anschwellung mit viel Ausschwitzung von gelb-
lichem, sulzigem Serum ins Zellgewebe, und zuweilen entsteht bei Pferden sogar brandige Absterbung des Letztern und, der Haut selbst, wenn diese Wurzel in gröfseren Massen längere Zeit im Fontanell liegen bleibt. Auf Grund vieler Beobachtungen hierüber ent- ferne ich daher die Warael gewöhnlich nach etwa 2 Ta- gen, und bei sehr heftiger Wirkung selbst schon nach
24 Stunden.— Die weifse Nieswurz kann S bis 10 Tage im Fontanell bleiben, ohne daſs sie zerstörend 8*


