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n Scariſicationen können im Umfange des ganzen Kör- pers erforderlich werden. In den meisten Fällen be- treffen sie äufserlich die Haut oder an einzelnen Theilen auch wohl die Schleimhaut, und dann bald mehr bald weniger tief die darunter liegenden Theile, je nach dem pathologischen Zustande und nach dem Zwecke der Operation; zuweilen macht man sie aber auch an von der Haut entblöſsten wunden Theilen, und bald mehr an der Oberfläche, bald mehr in der Tiefe.— Gröſsere Gefäfse und Nerven müssen vermieden werden; und bei Faulſieber dürfen die Einstiche in die angeschwollenen Theile nur klein und in gröſserer Entfernung von ein- ander, als in andern Fällen, gemacht werden. Das Ver- fahren ist zwar immer sehr einfach, aber doch in den einzeluen Fällen modificirt. 1
Zur Ausführung der Scarificationen können die Thiere in den meisten Fällen stehen, wo es aber auf Genauig- keit ankommt(wie z. B. in der Nahe wichtiger oder zarter Theile), oder wo die Thiere zu groſse Empftud- nehkeit und Unruhe zeigen, ist man zuweilen genöthi-
get, dieselben niederzulegen und zur gehörigen Sicher-
neit ihre Füfse zu befestigen. Bei Pferden und Rind-
vieh wird immer de Anhetdhne. der Bremse erforder-
nen sein.
w enn man fur die oben sub 1. Neehnaten Zwecke scarifciren wil!, nimmt man eine Lancette oder ein spi- tzes Bistouri, wie eine Schreibfeder i in die rechte Hand, und sticht das lustrument zuerst an der niedrigsteu Stelle des kranken Theils in denselben so tief ein, bis der Zweck erreicht ist, d. h. bis Blut, Jauche, Luft u. s. w.
neben den Flächen des Iustruments zum Vorschein kom⸗-
men. Neben diesem ersten Linstich macht man in der Entfernung von 17— 2“ einen zweiten u. s. w., wor- auf man über dieser Reihe von Einstichen in der Ent- fernung von etwa 1“ eine zweite, und wenn es erfor- derlich ist, eine dritte und vierte Reihe von Einstichen macht, bis die ganze Fläche des kranken Theils mit denselben bedeckt ist. Die hierbei entstehenden Blutun-
gen dind gewöhnlich ganz ohne Bedeutung, und man
sucht sie durch Befeuchten mit warmem Wasser zu un- terhalten, wenn die Operation die Ausleerung von Blut bezweckte, wie 2. B. bei heftigen Entzündungen, bei Quetschungen, und Extravasaten; sollte jedoch aus einer Wunde die Blutung zu heftig sein oder zu lauge fort- dauern, s0 kann man sie dadurch leicht stillen, dals die Wundränder mit einer Stecknadel durchstochen, und
unter Jerselben mittelst eines Fadens zusammengezogen
werden, oder man legt einen mälsis festen Druekver- baud für die Dauer von etwa einer Stunde an.
Hatte man in der Absicht scariſicirt: krankhafte Flassighaiten zu entleeren„ so wird Letzteres durch ge- gelindes Drücken und Streichen nach den Stichwunden hin belördert, wenn nicht vielleicht die niedrige oder abhängende Lage des Theils dies von selbst bewirkt.
Bei Scarificationen solcher Theile, welche mit Brand, Anthrax u. dgl. ansteckenden Krankheitszuständen be- haftet sind, muſs man 1) jede Verunreinigung der Hände u. s. w., besonders wenn Verletzungen an deuselben bestehen, vermeiden; 2) das Instrument darf beim Ein-
stechen oder Einschneiden nur in die kranke Substanz der thierischen Th eile dringen; 3) dasselbe mufs nach dem Gebrauch sogleich mittelst Chlorkalklösung, oder scharfen Essig, oder durch Feuer desinfizirt oder selbst gänzlich vernichtet werden; 4) die Nachbehandlung sol- cher scarificirten Theile darf nur Personen, welche ge- sunde unverletzte Hände besitzen, anvertrauet werden, und sie mufs zuerst immer darauf 3aeiohist sein, deu schädlichen Ausfluſs chemisch zu zerstören.
Das Scariſiciren zu enger Wandränder oder ver- dickter und zu sehr contrahirter Theile in Wunden und Geschwüren bewirkt man auf die Weise, dafs man zu- erst eine Hohlsonde in die Wunde oder das Geschwür bis unter den beengenden Theil vorsichtig einführt, dann ein grades Bistouri, den Rücken desselben gegen die Rinne der Sonde gekehrt, in dieselbe hineinschiebt, und dann durch gelindes Vor- und Rückwärtsziehen des Messers so tief einschneidet, daſs der hervorragende Theil bis in die Tiefe der übrigen umgebenden Waände getheilt wird. Statt der Hohlsonde und eines einfachen Messers bedient man sich für diesen Zweck auch bis- weilen eines sogenannten verborgenen Bistouri's, indem man dasselbe im geschlossenen Zustande, wie eine Sonde, in die Wunde, Fistel u. s. w. bis über den beengten Theil einführt, die Schneide des Instruments gegen den Letzteren wendet, sie dann durch einen äufserlich am Handgriff auf die Feder angebrachten Druck aus ih- rer Scheide hervorprefst, das Iustrument nun ganz her- auszieht, und somit den kranken Theil in gehöriger Tiefe einschneidet. Ueble Zufälle entstehen hierbei, aufser Blutung, gewöhnlich nicht. Um die Blutung zu stillen und zugleich das zu frühe Wiederzusammenwachsen sol-
cher scarificirten Theile zu hindern, füllt man die Wunde
oder Fistel an der Operationsstelle mit weichem Werg aus, welches man während 36— 48 Stunden liegen lälst, und worauf die weitere Behandlung nach den Re- geln der Chirurgie stattfindet.
§. 3. 5) Scarificiren der Bindehaut an den Augen.
Wenn bei heſtigen Augenentzündungen die Con- junctiva dunkelroth gefärbt, und wulstig über den Rand der Augenlider hervortritt, und in diesem Zustande der Luft und dem Drucke der Augenlidränder durch längere Zeit ausgesetzt ist, erfolgt zuweilen eine Absterbung der hervorgepreſsten Parthie derselben. Um dies zu ver- hüten, und zugleich um durch locale Blutausleerung die Entzündung zu mindern, ist das Scarificiren der Binde- haut empfohlen. Zu diesem Zwecke wird das gebrem- sete Thier an den Ohren, an der Halfter, oder an der Trense(Bindvieh auch an den Hörnern) festgehalten. Der Thierarzt nimmt dann ein schmales Knopf-Bistouri, schiebt die Spitze desselben vorsichtig zwischen das leidende Augenlid unter dem Augapfel, und zwar eine Fläche gegen diesen, die andere gegen das Augenlid gewendet, gegen 3%— 5% tief hinein, wendet die Schneide des Messers gegen das Augenlid und zieht es in dieser Haltung wieder hervor, wobei die Binde- haut etwa 1““ tief eingeschnitten werden kaun. In der Regel sind zwei solche Einschnitte in der Enifernung
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